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Selbstständig und angestellt: Umsetzung und Vorteile im Überblick

Lesezeit von 6 Minuten
Selbstständig und angestellt: Umsetzung und Vorteile im Überblick

Rund 23 % der Selbstständigen in Deutschland betreiben ihre Selbstständigkeit im Nebenerwerb. Über die Hälfte hiervon sind Frauen, wie aus einer Untersuchung der IHK Nordschwarzwald hervorgeht.

Aber welche Vorteile hat es, zeitgleich selbstständig und angestellt zu sein? Und wie kannst du deinen doppelten Arbeitsalltag gewinnbringend strukturieren? Der nachfolgende Artikel soll dir einen kompakten Überblick verschaffen.

Ist es möglich, gleichzeitig selbstständig und angestellt zu sein?

Ja, es ist grundsätzlich möglich, gleichzeitig selbstständig und angestellt zu sein. Wer sich jedoch als Angestellter im Nebenerwerb selbstständig machen möchte, benötigt hierfür das Einverständnis des Arbeitgebers.

Es muss nämlich sichergestellt sein, dass dein Nebenerwerb deinen Hauptberuf nicht beeinträchtigt. Auch eine Konkurrenzsituation darf nicht entstehen. Ist eines der beiden Szenarien abzusehen, kann der Arbeitgeber sein Einverständnis verweigern. Darüber hinaus dürfen Krankheits- und Urlaubstage im Hauptjob nicht zugunsten der nebenberuflichen Selbstständigkeit genutzt werden.

Aber wie könnte so eine nebenberufliche Tätigkeit überhaupt aussehen? Gehen wir beispielhaft davon aus, du arbeitest hauptberuflich im Büro und möchtest dein Einkommen aufbessern, indem du nebenberuflich als Texter auf einer Onlineplattform tätig bist. Du meldest deine Tätigkeit dem Finanzamt, woraufhin du einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung erhältst, Deine Gewinne gibst du künftig in der Steuererklärung an.

Muss ich (k)ein Gewerbe anmelden?

Wer selbstständig und angestellt ist, muss nicht zwingend ein Gewerbe an melden. Dies hängt davon ab, ob deine Tätigkeit unter die Kategorie der Freiberufler fällt. Ist dies der Fall, ist eine Gewerbeanmeldung nicht nötig. Grundsätzlich gelten alle künstlerischen und publizistischen Tätigkeiten als freiberuflich - siehe obiges Beispiel.

Zu den freiberuflichen Tätigkeiten zählen:

  • künstlerische, unterrichtende, schriftstellerische, erzieherische und wissenschaftliche Tätigkeiten
  • Rechts-/wirtschaftsberatende Berufe (z. B. Steuerberater und Buchprüfer)
  • Vermittler von geistigen Gütern und Information (z. B. Journalisten und Dolmetscher)
  • naturwissenschaftliche Berufe
  • Lotterieeinnehmer
  • Lotsen
  • Sonstiges: z. B. Vollstrecker, Nachlasspfleger, Verwaltungstätigkeiten

Fällt deine Tätigkeit in keine dieser Kategorien, musst du für deinen Nebenerwerb ein Gewerbe anmelden und somit Gewerbesteuer abführen.

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Welche Herausforderungen können beim gleichzeitigen Arbeiten in Anstellung und Selbstständigkeit auftreten?

Die größte Herausforderung, wenn du selbstständig und angestellt tätig bist, ist der organisatorische Aspekt. Denn eines ist ganz klar: Damit dein Doppelerwerb langfristig nicht zur untragbaren Doppelbelastung wird, musst du deinen Arbeitstag sinnvoll strukturieren. Dies ist aber manchmal leichter gesagt als getan, wenn im Hauptjob gerade Urlaubszeit ist oder ein Kunde Sonderwünsche äußert.

Das Stichwort lautet: Zeitmanagement. Nehmen wir als Beispiel einen Unternehmer, der halbtags an der Rezeption eines Hotels arbeitet und die andere Hälfte des Arbeitstages für seinen Nebenerwerb - den Betrieb eines Umzugsunternehmens - nutzt. Selbstverständlich kann er seine Termine nur außerhalb der hauptberuflichen Arbeitszeit legen. Er arbeitet bis 13.00 Uhr und nach einer ausgiebigen Mittagspause widmet er sich seinem Betrieb.

Bei einem Halbtagsjob mag das Zeitmanagement noch ohne größere Komplikationen möglich sein, bei einem Vollzeitjob oder Schichtarbeit ist die Planung jedoch deutlich erschwert. Hier haben es Unternehmer leichter, die einem Nebenerwerb ohne Kundentermine und Fristen nachgehen (z. B. im künstlerischen Bereich). Um dennoch allen Anforderungen gerecht zu werden, ist das Führen eines Terminkalenders unverzichtbar.

Selbstständig und angestellt: Work-Life-Balance in Gefahr?

Wer selbstständig und angestellt ist, hat es zweifelsohne schwerer, eine ausgewogene Work-Life-Balance zu gewährleisten. Dennoch ist Letzteres nicht unmöglich. An dieser Stelle kommen wir erneut auf den zuvor erwähnten Terminkalender zu sprechen. Dieser dient nicht nur der Organisation beruflicher Termine, sondern kann auch Zeitfenster aufzeigen, die bewusst zur Entspannung genutzt werden können.

Weiterhin solltest du das beherzigen, was ohnehin als rechtliche Voraussetzung für deinen Nebenerwerb gilt: Urlaubs- und Krankentage im Hauptjob werden nicht genutzt, um deiner selbstständigen Tätigkeit nachzugehen.

Wie sieht der Alltag einer Person aus, die sowohl selbstständig als auch angestellt ist?

Bleiben wir noch ein wenig bei unserem obigen Beispielunternehmer: Im Hauptberuf Rezeptionskraft, im Nebenerwerb betreibt er ein Umzugsunternehmen. Wie könnte sein beispielhafter Tagesablauf bei Teilzeit- bzw. Vollzeittätigkeit aussehen, wenn er seine Zeit effektiv strukturiert? Auch die Work-Life-Balance soll in unser Beispiel einbezogen werden.

Tagesablauf bei Halbtagsbeschäftigung (8.00 Uhr - 13.00 Uhr)

  • 06.00 Uhr: Aufstehen, Morgenroutine (z. B. eine kurze Sporteinheit, Meditation und Frühstück
  • 07.00 - 8.00 Uhr: Arbeitsweg (hier können bereits Mails / Anfragen für das Nebengewerbe bearbeitet werden)
  • 8.00 - 13.00 Uhr: Hauptjob
  • 13.00 - 14.30 Uhr: Mittagspause, private Erledigungen
  • 14.30 - 19.00 Uhr: Arbeit im Nebengewerbe
  • Samstag: Arbeit im Nebengewerbe
  • Sonntag: Ruhetag

Tagesablauf bei Vollzeitbeschäftigung (8.00 Uhr - 17.00 Uhr)

  • 06.00 Uhr: Aufstehen, Morgenroutine (z. B. eine kurze Sporteinheit, Meditation und Frühstück
  • 07.00 - 8.00 Uhr: Arbeitsweg (hier können bereits Mails / Anfragen für das Nebengewerbe bearbeitet werden)
  • 8.00 - 17.00 Uhr: Hauptjob (die Mittagspause kann erneut für das Bearbeiten von kleineren Verwaltungstätigkeiten für das Nebengewerbe genutzt werden)
  • 17.00 - 18.00 Uhr: Pause, private Erledigungen
  • 18.00 - 21.00 Uhr: Arbeit im Nebengewerbe
  • Wochenende: flexible Arbeit im Nebengewerbe

Wichtig zu wissen: Insbesondere bei Vollzeitberufstätigkeit ist es meist unerlässlich, das Wochenende für die nebenberufliche Selbstständigkeit zu nutzen.

Selbstständig und angestellt

Welche Vorteile bringt das gleichzeitige Arbeiten in Anstellung und Selbstständigkeit?

Der Hauptgrund, selbstständig und angestellt tätig zu sein, ist bei vielen Unternehmern der finanzielle Aspekt. Durch den Nebenerwerb wird ein weiteres Einkommen generiert, was zusätzliche finanzielle Sicherheit bietet. Ein doppeltes Standbein ist außerdem von Vorteil, wenn eine der beiden Tätigkeiten unverhofft aufgegeben werden muss. Auch die Verwirklichung eigener Geschäftsideen spielt natürlich eine wesentliche Rolle.

Wusstest du außerdem, dass etwas mehr als die Hälfte aller Unternehmer zunächst im Nebenerwerb selbstständig sind, ehe sie sich komplett selbstständig machen? Auf diese Weise vermeidest du das nicht zu unterschätzende Risiko, das mit einer Gründung einhergeht. Bist du gleichzeitig selbstständig und angestellt, kannst du ganz ohne Druck ausprobieren, ob dein Business sich rentiert.

Interessant zu wissen: Die häufigsten Gründe, warum Arbeitnehmer sich selbstständig machen, findest du in dieser aktuellen Statistik. Mehr als 50 % aller Existenzgründer sind zudem laut Gründungsmonitor zunächst nebenberuflich selbstständig.

Welche Strategien gibt es, um die Balance zwischen Anstellung und Selbstständigkeit zu halten?

Wie aus dem beispielhaften Tagesablauf hervorgeht, ist es gar nicht so leicht, dem Hauptjob und dem Nebengewerbe gleichermaßen gerecht zu werden. Es gibt jedoch Methoden, um beides zu vereinbaren. Drei dieser Techniken wollen wir uns nachfolgend einmal näher anschauen:

Outsourcing

Outsourcing bedeutet, dass du als Unternehmer anfallende Aufgaben an externe Stellen weitergibst, um dich selbst zu entlasten und den Fokus auf dein Kerngeschäft richten zu können. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten des Outsourcings.

Mögliche Beispiele: Du lässt Werbetexte für dein Unternehmen schreiben, statt dich selbst darum zu kümmern. Oder du gibst den Versand extern in Auftrag, statt selber Pakete zu packen.

Time-Blocking

Time-Blocking ist eine bewährte Produktivitätstechnik aus dem Bereich des Zeitmanagements. Hierbei unterteilst du einen bestimmten Zeitabschnitt in mehrere Zeitblöcke, die du für festgelegte Aufgaben reservierst. Wenn du selbstständig und angestellt bist, minimierst du mit dieser Technik die Gefahr, dich zu verzetteln und erhöhst gleichzeitig deine Produktivität.

Time-Boxing

Time-Boxing weist eine große Ähnlichkeit zum Time-Blocking auf. Statt jedoch feste Zeiten in deinem Kalender zu blocken, geht es nun darum, eine Aufgabe in mehrere Teilschritte zu unterteilen.

Möchtest du z. B. einen Blogeintrag für die Webseite deines Unternehmens verfassen, könnte deine Timebox wie folgt aussehen:

  • Box 1: 1 Stunde für das Erstellen einer Gliederung
  • Pause
  • Box 2: 2 Stunden für den Entwurf
  • Pause
  • Box 3: 2 Stunden für Überarbeitung und Korrektur

Welche Steueraspekte sollte man beim gleichzeitigen Arbeiten in Anstellung und Selbstständigkeit beachten?

Grundsätzlich gilt: Du musst dein Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit zwingend in deiner Steuererklärung angeben. Dies gilt unabhängig davon, ob du selbstständig und angestellt oder hauptberuflich selbstständig bist. Weiterhin gilt zu prüfen, ob du ein Gewerbe anmelden musst. Ist dies der Fall, wird vierteljährlich die Vorauszahlung der Gewerbesteuer fällig, welche sich an der Höhe des voraussichtlichen Einkommens bemisst.

Erwirtschaftest du mit deiner nebenberuflichen Selbstständigkeit nur sehr geringe Gewinne, besteht für dich die Möglichkeit, die Kleinunternehmerregelung zu beanspruchen, damit du von der Umsatzsteuerpflicht befreit wirst.

Auch das Thema Sozialversicherung spielt in finanzieller Hinsicht eine entscheidende Rolle, wenn du selbstständig und angestellt bist. Bei nebenberuflicher Selbstständigkeit ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass der Hauptjob zunächst deine Hauptverdienstquelle bleibt. In diesem Fall können die Kranken- und Rentenversicherung weiter über deinen Arbeitgeber laufen, was eine immense Kostenersparnis bedeutet.

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