Sprachentwicklung Kinder: Wie sie abläuft und wie du sie förderst

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Sprachentwicklung Kinder: Wie sie abläuft und wie du sie förderst

Viele Eltern machen sich über die Sprachentwicklung ihrer Kinder Gedanken. Vielleicht hast du ein kleines Plappermäulchen daheim, das den ganzen Tag spricht und erzählt. Möglicherweise spricht dein Kind aber auch viel weniger als seine gleichaltrigen Spielkameraden? Wie die Sprachentwicklung bei Kindern vonstattengeht und wann du dich um Förderung bemühen solltest, erfährst du im nachfolgenden Artikel.

Sprachentwicklung Kinder: Wie lernen Kinder sprechen?

Bevor wir uns den Fördermöglichkeiten zuwenden, ist es wichtig zu verstehen, wie die Sprachentwicklung bei Kindern überhaupt funktioniert. Dieser Prozess ist nämlich in keiner Weise damit vergleichbar, als wenn du im Erwachsenenalter eine Fremdsprache lernen möchtest. Kindern lernen das Sprechen mit allen Sinnen: durch Sehen, Hören, Erleben und Fühlen.

Hinzu kommt die angeborene Bereitschaft eines Kindes, mit seiner Umwelt zu kommunizieren. Die notwendigen Anlagen zur sprachlichen Kommunikation sind bereits beim gesunden Neugeborenen vorhanden. Durch Lernerfahrungen, Wiederholungen und Benennen von Aktivitäten und Gegenständen entwickeln Kindern ihr Sprachverständnis, bis sie irgendwann erste Sprachversuche wagen.

Sprachentwicklung Kinder: Wann lernen Kinder sprechen?

Wann Kinder sprechen lernen, ist individuell verschieden. Die Spannbreite, was man als „normal“ bezeichnet, ist groß. So gibt es Kinder, die bereits mit zehn oder elf Monaten erste Worte sprechen. Durchschnittlich wird das erste bewusste Wort jedoch um den ersten Geburtstag herum gesprochen. Hierbei handelt es sich oft um einfache Wörter wie Mama, Papa, Ball oder da.

Anschließend folgen Zweiwortsätze, was ungefähr mit anderthalb Jahren der Fall ist: „Mama da“, „Ball (ka)putt“, „Oma aua“. Als grobe Richtlinie unter Kinderärzten gilt, dass ein zweijähriges Kind mindestens 50 Wörter sprechen sollte. In den Monaten nach dem zweiten Geburtstag nimmt der Wortschatz rapide auf über 200 Wörter zu, wobei das Kind nun auch seine Sprachmelodie einsetzt, um Fragen zu stellen: „Mama weg?“

Mit ungefähr zweieinhalb Jahren beginnen die meisten Kinder, in der Ich-Form von sich selber zu sprechen. Die Babysprache (z. B. „Wauwau“ statt Hund) sollte sich allmählich verflüchtigen. Sollte dein Kind noch nicht alle Worte fehlerfrei aussprechen, ist dies kein Grund zur Beunruhigung. Es werden immer längere Sätze gebildet und die Kinder fangen an, die Vergangenheitsform zu benutzen.

Interessant zu wissen: Wenn ein Kind mit 24 Monaten nur wenige Worte spricht, bezeichnet man es als Late Talker. Die meisten Kinder holen das sprachliche Defizit jedoch bis zu ihrem vierten Geburtstag wieder vollständig auf.

Sprachentwicklung des Kindes

Sprachentwicklung Kinder: Welche Voraussetzungen müssen zum Sprechen lernen erfüllt sein?

Um das Thema „Sprachentwicklung Kinder“ noch besser zu vertiefen, möchten wir uns nachfolgend damit befassen, welche Voraussetzungen für eine gesunde Sprachentwicklung erfüllt sein müssen:

  1. Die wichtigsten Voraussetzungen für den Spracherwerb bringen bereits Neugeborene mit. Hierzu zählen das Sprachzentrum im Gehirn sowie die am Sprechen beteiligten Muskeln und Organe wie Lippen, Zunge, Zwerchfell und Gehör.
  2. Um Sprache zu erlernen, muss das Gehör intakt sein. Solltest du den Verdacht haben, dass dein Kind nicht richtig hören kann, dann lasse dies unbedingt beim Kinderarzt abklären.
  3. Noch wichtiger als Genetik und kognitive Fähigkeit ist das sprachliche Umfeld des Kindes. Es wird sich die Gesprächskultur seiner Bezugspersonen abschauen und übernehmen.

Tipp: Eine kompakte Übersicht über Voraussetzungen und Bedingungen eines erfolgreichen Spracherwerbs findet ihr in folgendem wissenschaftlichen Fachbuch.

Welche Ursachen kann es geben, wenn mein Kind nicht spricht?

Wenn das eigene Kind nicht oder nicht altersgemäß spricht, sind viele Eltern verunsichert. Nachfolgend wollen wir uns mit den möglichen Ursachen befassen. Diese können sowohl physiologischer als auch seelischer Natur sein.

Körperliche Ursachen

Wie bereits erwähnt, ist eine unentdeckte Beeinträchtigung des Hörens ein häufiger Grund, warum ein ansonsten normal entwickeltes und aufgewecktes Kind nicht sprechen möchte. Ein mögliches Anzeichen kann z. B. das Desinteresse am Geschichten vorlesen oder an Hörbüchern sein. Eine endgültige Diagnose kann natürlich nur der Kinderarzt stellen.

In seltenen Fällen können genetische oder neurologische Ursachen für den verzögerten oder gar ausbleibenden Spracherwerb ursächlich sein. Hierzu zählen z. B. Hirnverletzungen (Aphasie). Kinder, die in den ersten Lebenswochen künstlich beatmet werden mussten, lernen durchschnittlich ebenfalls später sprechen als ihre Altersgenossen.

Seelische Ursachen

Um Sprache zu erlernen, benötigt dein Kind kommunikative Anreize. Dies geht aus mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen hervor. Kinder, mit denen nicht gesprochen wird, erlernen von selbst keine Sprache. Dies ist vollkommen unabhängig von ihrer persönlichen Intelligenz.

Bei Kindern, die ein seelisches Trauma (z. B. Gewalt oder Missbrauch) erlebt haben, stagniert die Sprachentwicklung ebenfalls oder kommt völlig zum Stillstand. Auch Kinder, die bereits sprechen konnten, verstummen häufig nach traumatischen Erlebnissen. In der Fachsprache ist von Mutismus die Rede.

Hierbei gilt es zwischen dem totalen und selektiven Mutismus zu differenzieren. Bei selektivem Mutismus kommunizieren Kinder daheim altersgerecht, verstummen aber vollkommen, wenn sie ihr vertrautes Umfeld verlassen (z. B. im Kindergarten). Ursache hierfür sind Ängste und Hemmungen, die therapeutisch behandelt werden können. Betroffene Kinder können ihr Verhalten übrigens nicht willentlich steuern.

Mein Kind spricht nicht: Was kann ich tun?

Zunächst einmal gilt: Ruhe bewahren! Nur weil dein Kind weniger spricht als Gleichaltrige, muss dies keine behandlungsbedürftige Ursache haben. Jedes Kind entwickelt sich individuell. Um dennoch keine frühen Fördermöglichkeiten zu versäumen, solltest du dich vorsichtshalber an den Kinderarzt wenden, wenn dein Kind im Alter von zwei Jahren nur wenige einzelne Wörter spricht.

Sind sämtliche organische Ursachen ausgeschlossen, kannst du dein Kind spielerisch zum Sprechen motivieren. Rollenspiele sind beispielsweise eine gute Möglichkeit. Vielleicht fällt es deinem Kind auch leichter, mit einem Kuscheltier zu sprechen? Das mag seltsam klingen, doch im direkten zwischenmenschlichen Kontakt empfinden manche Kinder große Hemmungen.

Sprachentwicklung Kinder: 5 Tipps, um den erfolgreichen Spracherwerb zu fördern

Zum Thema „Sprachentwicklung Kinder“ gibt es viele Tipps und Ratschläge. Wir haben die erfolgreichsten Vorgehensweisen für dich zusammengefasst:

1. Tipp: Sprachförderung von Anfang an ernst nehmen

Damit die Sprachentwicklung deines Kindes reibungslos verläuft, solltest du bereits im Babyalter den Grundstein legen. Sprich viel mit deinem Baby und halte dabei Blickkontakt. Benenne die Dinge, auf die es zeigt, korrekt und nicht in Babysprache. Je nach Alter wird dein Kind das Wort sogar wiederholen.

Weiterhin kannst du erste Einwortsätze ergänzen. Sagt dein Kind z. B. „Katze“, dann führe den Satz fort: „Ja, das ist unsere Katze. Sie hat Durst und bekommt jetzt Milch.“ Eine weitere bewährte Methode, die Kindern viel Freude bereitet und sie zum Sprechen motiviert, ist das Aufsagen von Kinderreimen und das Singen von Liedern.

2. Tipp: Stelle die richtigen Fragen

Viele Eltern sind darauf bedacht, ihren Kindern möglichst einfache Fragen zu stellen, die nur mit einem Ja oder Nein zu beantworten sind. Um die Sprachentwicklung deiner Kinder zu fördern, solltest du ihnen jedoch ruhig etwas mehr zutrauen. Stelle bewusst „offene Fragen“: Warum? Wie? Weshalb? So muss dein Kind für die Antwort seinen gesamten Wortschatz bemühen. Und wie heißt es so schön: Übung macht den Meister.

Beispiel

  • Statt: „Möchtest du etwas trinken?“
  • Lieber: „Was möchtest du trinken?“

3. Tipp: Alltagsdinge erklären

Eines ist unstrittig, wenn es um das Thema „Sprachentwicklung Kinder“ geht: Damit Kinder Sprache erlernen, müssen die Eltern mit ihnen sprechen! Dies gelingt ganz einfach nebenbei, indem du alle Alltagstätigkeiten sprachlich begleitest. Du legst die Wäsche zusammen, kochst Mittagessen oder ziehst deinem Kind eine Jacke an? Erkläre deinem Kind hierbei genau, was du warum machst.

4. Tipp: Korrektives Feedback

Insbesondere kleine Kinder machen beim Sprechen häufig Fehler. Als Erwachsene neigen wir oftmals dazu, das Kind direkt zu verbessern: „Das heißt nicht geschrien, sondern geschrien!“ Der Gedanke hinter der unmittelbaren Korrektur ist zwar nachvollziehbar, allerdings kann das ständige Verbessern das Kind demotivieren und somit sprach hemmend wirken.

Eine gute Alternative besteht in der Anwendung des sogenannten korrektiven Feedbacks: „Ja, genau. Der Junge hat ganz laut geschrien!“ Du verbesserst somit den grammatikalischen Fehler, ohne dein Kind direkt darauf hinzuweisen, dass es etwas falsch gemacht hat.

5. Tipp: Häufiges Umformulieren

Um den Spracherwerb deines Kindes zu fördern, ist es sinnvoll, die Worte, die es bereits kennt, in unterschiedlichem Kontext einzusetzen. So lernt dein Kind, wie das Wort sich verändert (Vergangenheit und Gegenwart) und welche Bedeutungen es haben kann.

  • „Wollen wir einen Legoturm bauen?“
  • „Mama hat einen Legoturm gebaut!“
  • „Guck mal, dort drüben wird ein Haus gebaut.“

Fazit: Sprachentwicklung Kinder – Förderung ohne Zwang

Wie in so mancher Hinsicht gilt auch beim Thema „Sprachentwicklung Kinder“: Jedes Kind folgt seinem eigenen Tempo! Sollte dein Kind jedoch im Alter von zwei Jahren wenig bis gar nicht sprechen, sollte eine kinderärztliche Abklärung erfolgen, um ernste Ursachen auszuschließen. Je nach persönlicher Situation ist in vielen Fällen eine logopädische Therapie sinnvoll, um das Kind spielerisch ans Sprechen heranzuführen.

Bei älteren Kindern, die aufgrund ihrer verzögerten Sprachentwicklung Probleme in der Schule haben, kann ein professionelles Lerncoaching hilfreich sein. Ein Lerncoach unterstützt dein Kind dabei, Selbstbewusstsein aufzubauen und seine eigenen Stärken zu entdecken, was sich wiederum positiv auf die Sprachmotivation und somit auf die weitere Sprachentwicklung auswirkt. In diesem Zusammenhang möchten wir dir ebenfalls unser Gratis E-Book empfehlen.

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