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Work-Life-Blending: Wenn Privates und Berufliches zu einem wird

Lesezeit von 8 Minuten
Work-Life-Blending: Wenn Privates und Berufliches zu einem wird

Heutzutage steht New Work an der Tagesordnung, eingeleitet durch die voranschreitende Digitalisierung, künstliche Intelligenz und mehr. Ohne Technik geht heute fast nichts mehr. Dank ihr sind wir immer und überall erreichbar, können jederzeit auf wichtige Daten zugreifen und so theoretisch rund um die Uhr arbeiten. Dank all dieser technischen Errungenschaften, auf die wir heute einfach nicht mehr verzichten können und wollen, verschwimmt die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben immer mehr. Man spricht dabei vom sogenannten Work-Life-Blending und genau darum geht es im Folgenden.

Erreichbarkeit rund um die Uhr, Arbeit im Home-Office und das Zwischenschieben privater Termine wann immer es nötig ist – das klingt doch eigentlich super, oder? Aber ist Work-Life-Blending wirklich so toll, wie es klingt oder hat es vielleicht auch Schattenseiten? Das klären wir hier gemeinsam auf.

Was ist Work-Life-Blending?

Wir haben es schon angedeutet: Beim Work-Life-Blending vermischen sich Berufs- und Privatleben miteinander. Eine klare Trennung, wie sie noch vor ein paar Jahrzehnten an der Tagesordnung stand, ist heute in einigen Jobs undenkbar geworden. Eine wichtige Videokonferenz steht an und du bist gerade im Urlaub, aber trotzdem nimmst du ohne zu zögern daran teil? Das ist der Inbegriff von Work-Life-Blending. Dein Handy klingelt am Sonntagabend und dein Chef hat noch etwas Wichtiges mit dir zu besprechen, damit es am Montag direkt produktiv losgehen kann?

Du hebst ab, ohne lange darüber nachzudenken. Was heute schon Normalität ist, war vor nicht allzu langer Zeit noch völlig undenkbar. Wie stark Work-Life-Blending schon Einzug in unseren Alltag gefunden hat, zeigen zahlreiche Studien. Die YouGov beispielsweise befragte rund 750 Akademiker. 22 % von ihnen gaben an, dass sie rund einmal monatlich an einem Wochenende oder Feiertag arbeiten, 20 % berichteten, dass sie sogar jedes Wochenende zur Arbeit gehen.

Besonders auffällig war, dass jeder Zweite während der Freizeit auf E-Mails und Anrufe antwortet, 12 % täglich. Das passiert aber nicht, weil ihr Arbeitgeber das so fordert, sondern auf freiwilliger Basis. Erstaunlich, wie selbstverständlich es mittlerweile für uns geworden ist, immer auf Abruf zu sein, nicht wahr? Da gerät die Work-Life-Balance ganz schön durcheinander. Das ist aber aus heutiger Sicht überhaupt nicht schlimm, denn um eine gesunde Trennung beider Bereiche geht es schon lange nicht mehr – viel wichtiger ist ein fließender Übergang.

work life blending vor und nachteile

Work-Life-Blending vs. Work-Life-Balance

Work-Life-Blending und Work-Life-Balance klingen doch fast gleich, wie soll man denn da noch durchblicken? Was ähnlich klingt, unterscheidet sich grundlegend. Also höre immer genau hin! Bei der Work-Life-Balance sind Berufliches und Privates ganz klar voneinander abgegrenzt. Sobald deine Arbeitszeit zu Ende ist, steht Freizeit an und der Job hat Ruhe. Du konzentrierst dich nur auf dich, deine Familie, Freunde und alles, was dir guttut.

Der Hintergedanke bei dieser Sache ist, dass du einfach einmal abschalten und dir Zeit für dich und dein körperliches und geistiges Wohlbefinden nehmen kannst. Dafür haben bei der Arbeit private Angelegenheiten nichts verloren. Dem gegenüber steht Work-Life-Blending, das genaue Gegenteil. „Blending“ bedeutet „vermischen“ und der Name ist Programm. Entwickelt hat es sich in den frühen 1980ern bis in die 1990er, weshalb vor allem die Generation Y oft vertraut damit ist.

Die Generation Z hingegen steht laut dem Roman Herzog Institut vorrangig für eine strikte Trennung beider Bereiche, also die Work-Life-Balance. Warum das so ist? Weil die Generation Y im Schnitt deutlich leistungsorientierter aufgewachsen ist. Deshalb sind deren Vertreter auch eher dazu bereit, die Grenzen verschwimmen zu lassen und das Privatleben hinter den Job zu stellen. Die Generation Z hingegen sieht das in weiten Teilen nicht als Vorbild, sondern als Beispiel, dem sie keinesfalls folgen möchten. Familie und auch mentale Gesundheit stehen im Fokus und die Flexibilität im Job spielt nur die zweite Geige.

Warum ist Work-Life-Blending wichtig?

Wir leben in einer unglaublich schnelllebigen Welt. Die Dinge ändern sich manchmal schneller als wir wahrhaben möchten und dann sind rasche Reaktionen gefragt. Ob du dann schon Feierabend, einen freien Tag oder Urlaub hast, ist dann erstmal irrelevant. Wichtig ist, schnell zu handeln und der Konkurrenz zuvorzukommen.

Da steht der Feierabend hinten an. Genau das macht das Work-Life-Blending heutzutage so wichtig.
Wenn Privat- und Arbeitsleben ganz bewusst und kontrolliert verschmelzen, bietet das aber nicht nur für Arbeitgeber Vorteile. Auch Arbeitnehmer profitieren dann davon. Wie genau, schauen wir uns jetzt an.

Die Vor- und Nachteile von Work-Life-Blending

Wenn Privates und Berufliches plötzlich zu einem großen Ganzen verschmelzen, ist das für manche ein wahrgewordener Albtraum. Für andere wiederum geht damit ein Wunsch in Erfüllung, der unglaublich viel Flexibilität ermöglicht. Wir betrachten hier ein zweischneidiges Schwert, bei dem sich die Geister tatsächlich scheiden. Einige Vor- und Nachteile treffen aufeinander.

Flexibel und selbstbestimmt

Der wohl größte Vorteil, den Work-Life-Blending bietet, ist der Freiraum, den es dir ermöglicht. Du kannst deine Zeit relativ frei einteilen und selbst entscheiden, wann du welche Aufgaben erledigst. Hast du einen wichtigen privaten Termin, musst du nicht gleich einen freien Tag oder Urlaub einreichen, sondern kannst deine Arbeit einfach drumherum legen.

Heute hast du nicht so viel zu tun oder konntest deine Aufgaben unglaublich schnell abarbeiten? Dann musst du nicht vor Ort auf deinen Feierabend warten, sondern kannst einfach nach Hause gehen und schon früher Zeit mit deinen Liebsten verbringen. Du nimmst noch Anrufe entgegen, reagierst auf E-Mails oder arbeitest dich in ein neues Projekt ein, aber das kannst du getrost in deinen eigenen vier Wänden erledigen. Am nächsten Tag ist das Arbeitspensum deutlich höher? Dann musst du dich selbst nicht enormem Druck aussetzen, sondern verbringst etwas mehr Zeit bei der Arbeit und erledigst dafür alles gewissenhaft.

Gemäß dem Biorhythmus produktiv werden

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Du würdest den Wurm aber viel lieber einfach Wurm sein lassen und noch etwas im Bett liegen bleiben, weil du einfach kein Morgenmensch bist? Du brauchst erstmal ein bisschen Zeit, um in Fahrt zu kommen und kannst morgens noch keine klaren Gedanken fassen? Dank Work-Life-Blending ist das absolut kein Problem. Du startest deinen Arbeitstag einfach später.

Bist du z. B. eine wahre Nachteule, hast zu später Stunde die besten Ideen und arbeitest dann am produktivsten? Dann gehe deinem Biorhythmus nach, Work-Life-Blending ermöglicht es dir! Du kannst deine Produktivitätsphasen perfekt nutzen. Die Zeiten, in denen du noch etwas träge bist, verbringst du gemütlich zu Hause.

Gesteigerte Zufriedenheit und Motivation

Klar, wer seine Zeit relativ frei einteilen und selbst entscheiden kann, wann er welchen Aufgaben nachgeht, ist zufriedener. Sicher kennst du das auch: Es stand einfach unglaublich viel an, weshalb du am Abend erst sehr spät ins Bett gehst. Du stellst deinen Wecker und bekommst direkt schlechte Laune, wenn du siehst, dass er in wenigen Stunden schon wieder klingelt. Bis zum Morgen hat sich daran natürlich nichts geändert und du gehst völlig demotiviert zur Arbeit. Dank Work-Life-Blending hat das zum Glück ein Ende!

Unbezahlte Mehrarbeit

All diese Flexibilität ist toll, keine Frage. Aber sie kann sich auch zu einem Nachteil entwickeln. Das gilt vor allem dann, wenn du kleine Aufgaben während deiner Freizeit erledigst und die Zeiten nicht erfasst, weil du glaubst, das waren nur wenige Minuten. Doch diese vermeintlich wenigen Minuten summieren sich schnell und schon leistest du unbezahlte Mehrarbeit.

Hinzu kommt, dass man oft gar nicht merkt, wie viel Zeit diese kleinen Aufgaben tatsächlich in Anspruch nehmen. Eine E-Mail zu lesen und zu beantworten, dauert meist wirklich nur ein paar Minuten. Aber wenn dann noch unzählige Dateien im Anhang enthalten sind, die du noch durchgehst, wird daraus schnell eine Stunde oder mehr.

Private Konflikte

Wer auch in der Freizeit immer erreichbar für arbeitstechnische Angelegenheiten ist, hat quasi nie Feierabend. Das kann innerhalb der Familie oder der Partnerschaft durchaus zu Konflikten führen. Du stehst immer wieder zwischen den Stühlen, denn du musst dich entscheiden, ob du Zeit mit deinen Liebsten verbringst oder doch lieber wieder arbeitest. Ein gesundes Gleichgewicht zwischen Familienzeit und Arbeit zu finden, ist beim Work-Life-Blending nur sehr schwer möglich.

Gesundheitliche Folgen

Zu viel Arbeit kann krank machen, das ist ein Fakt. Die dauerhafte Erreichbarkeit und Bereitschaft im Work-Life-Blending kann belastend sein, keine Frage. Du kannst nie völlig abschalten und dir eine Auszeit nehmen, denn jederzeit kann das Telefon klingeln. Immer wieder setzt du dich an die Arbeit, nimmst Konflikte mit deinen Liebsten in Kauf und stellst dich selbst ganz hinten an. Dein Stresslevel steigt und steigt, vielleicht sogar, ohne dass du dir dessen bewusst bist.

Dich plagt eine innere Unruhe, die Schlafstörungen nach sich ziehen. Deine Nachtruhe ist überhaupt nicht erholsam und du wachst am nächsten Morgen genauso müde auf, wie du ins Bett gegangen bist. Das Gefühl, einfach nicht abschalten zu können und dauerhaft unter Stress zu stehen, kann auch zu Depressionen führen.

work life balance

3 Tipps zur Verbesserung der Work-Life-Blending

Work-Life-Blending hat schon längst Einzug in den Alltag gefunden. Wie kannst du also am besten von den Vorteilen profitieren und die Nachteile minimieren? Wir haben drei wichtige Tipps für dich zusammengetragen.

1. Vergiss dein Privatleben nicht

Bei dauerhafter Erreichbarkeit und Arbeitsbereitschaft kommt das Privatleben ganz schnell zu kurz. Wichtig ist, dass du auch vermeintlich kaum nennenswerten Arbeitsaufwand in der Freizeit notierst. Somit erhältst du einerseits einen Überblick darüber, wie viel du tatsächlich zusätzlich arbeitest und kannst andererseits einen Ausgleich für deine zusätzlich geleisteten Stunden einfordern. Ohne Notizen ist das nicht möglich. Vergiss nicht, dass du für dich und dein Glück lebst, und nicht vorrangig für den Job.

2. Bleibe diszipliniert

Es ist ein weit verbreitetes Phänomen: Je mehr Freiheiten man hat, desto schwerer fällt es einem manchmal, im Zeitplan zu bleiben. Aufgaben werden gern aufgeschoben, schließlich zwingt dich ja niemand dazu, sie genau jetzt zu erledigen. Du lässt dich leicht ablenken, schaust vielleicht sogar nebenbei fern, wenn du im Home-Office arbeitest und benötigst viel mehr Zeit als sonst. Deine Freizeit verkürzt sich immer weiter, weil du deine Arbeitsphasen nicht konsequent durchziehst. Bleibe unbedingt strukturiert und diszipliniert!

3. Höre auf deinen Körper

Du merkst, wie dir die verschwommenen Grenzen immer weiter zusetzen, deine Gedanken kreisen nur noch um die Arbeit und vielleicht gesellen sich sogar körperliche Beschwerden hinzu? Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen oder Verdauungsbeschwerden sind typische Stresssymptome. Denke daran, du bist keine Maschine. Vielleicht können dir Meditationen, autogenes Training oder Journal Schreiben dabei helfen, deinen Geist zu beruhigen und Stress zu reduzieren.

Selbsthilfe ist nicht mehr ausreichend? Dann habe keine Angst, dir medizinische Hilfe zu suchen. Auch beim Work-Life-Blending darfst du dir eine krankheitsbedingte Auszeit nehmen, wenn du sie brauchst, vergiss das nicht.

Eine gesunde Mischung

Work-Life-Blending ist in aller Munde und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Es schenkt dir Flexibilität und die Möglichkeit, deinen Tag anhand deines persönlichen Biorhythmus zu planen, um nur ein paar Vorteile zu nennen. Aber auch einige Nachteile dürfen nicht unter den Teppich gekehrt werden. So kann sich die dauerhafte Einsatzbereitschaft auch negativ auf deine Gesundheit auswirken. Also übe dich unbedingt in Achtsamkeit!

Schaffst du es, dich nicht zu stark davon belasten zu lassen und auch, wenn du keine festen Vorgaben hast, strukturiert zu bleiben, dann kannst du optimal von all den Vorteilen von Work-Life-Blending profitieren!

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