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Den Lernprozess deines Kindes verstehen und unterstützen

Lesezeit von 7 Minuten
Den Lernprozess deines Kindes verstehen und unterstützen

Das ganze Leben ist ein ewiger Lernprozess. Wir lernen zu sprechen, zu laufen und soziales Verhalten. Wir gehen in die Schule, wir lernen einen Beruf und selbst dann entwickeln wir uns immer weiter. Im Alltag lernen wir sogar häufig, ohne es zu bemerken, denn wir sammeln nahezu dauerhaft Erfahrungen, die unser Denken und Handeln verändern. Lernprozesse finden also quasi ständig statt und das macht sie zu einem komplexen Konstrukt, dem wir uns im Folgenden etwas genauer widmen möchten.

Hast du dich schon einmal gefragt, wie so ein Lernprozess eigentlich abläuft, warum er so wichtig ist und wie du deine Kinder optimal beim Lernen unterstützen kannst? Wir auch! Und genau deshalb haben wir uns auf die Suche nach den Antworten begeben.

Was ist ein Lernprozess?

Psychologinnen und Psychologen definieren das Lernen gern als Veränderung des Verhaltens infolge von Erfahrungen. Einem Lernprozess gehen also immer Erlebnisse voraus. Bestimmten Situationen, die uns herausfordern, bringen uns dazu, uns Fähigkeiten und Kenntnisse anzueignen, um diese meistern zu können.

Einer der ersten Psychologen, der sich näher mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, war John B. Watson. Er ging sogar so weit, dass er alle Verhaltensweisen, die wir an den Tag legen, als Ergebnisse von Lernprozessen definierte. Daraus entwickelte sich später der sogenannte Behaviorismus.

Der Lernprozess und seine Phasen

Jeder Lernprozess lässt sich in fünf Phasen unterteilen. Los geht es mit dem Zugang zu den Informationen, die die Grundlage bilden. Um etwas zu lernen, musst du logischerweise erst einmal herausfinden, wie du an das nötige Wissen herankommst. Übermittler können Mitmenschen sein, die Schule, Bücher oder das Internet – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Hast du alle wichtigen Fakten gesammelt, analysierst du sie. Du stellst Verknüpfungen zu Dingen her, die du bereits gelernt hast und die damit in Verbindung stehen. So strukturierst du dein bisheriges Wissen um und integrierst das neu Gelernte an der richtigen Stelle.

Dann gehst du in die dritte Phase über, in der du etwas ganz Konkretes erreichst. Du hast dir also beispielsweise erfolgreich eine neue Fähigkeit angeeignet oder schlichtweg Wissen erworben, das jetzt in deinem Gehirn abgespeichert ist. In der vierten und letzten Phase kannst du all das endlich praktisch anwenden. Du überführst dein theoretisches Wissen in den Alltag und setzt es gezielt um, sobald du in eine Situation kommst, die genau das erfordert.

lernprozess beispiel

Der Lernprozess bei Kindern

Das Grundprinzip des Lernprozesses ist in jedem Alter gleich. Sowohl Kinder als auch Erwachsene lernen durch das Sammeln von Erfahrungen und das gezielte Aneignen von Wissen. Während Erwachsene vor allem im alltäglichen Leben dazulernen, findet der Lernprozess bei Kindern hauptsächlich in Bildungseinrichtungen statt. Das beginnt schon im Kindergarten und zieht sich hindurch bis zum Studium bzw. zur Berufsschule.

Wie erfolgreich der Lernprozess der Kleinen letztendlich ist, hängt erst einmal davon ab, wie interessiert sie sind. Lassen sie sich offen auf das Lernen ein, hören sie aufmerksam zu und möchten Zusammenhänge verstehen? Super, das sind wichtige Grundlagen!

Mindestens genauso wichtig ist aber auch die Interaktion zwischen Lernenden und Lehrenden. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich wohl und sicher fühlen und dürfen keine Scheu haben, Fragen zu stellen. Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer hingegen ist es, die Themen klar verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten. Ist all das gegeben, steht einem erfolgreichen Lernprozess bei Kindern nichts mehr im Weg.

Warum ist der Lernprozess wichtig?

Eine Sache ist logisch: Hätte der Mensch in seiner Geschichte nicht immer wieder Neues dazugelernt, würden wir nicht in dieser modernen Welt leben, die wir heute kennen. Natürlich war das damals nicht das Ziel, sondern in erster Linie das Überleben. Unsere Vorfahren haben immer wieder neue Verhaltensweisen entwickelt, dank denen sie sich besser vor Gefahren schützen, Nahrung beschaffen und genießbar machen und Krankheiten heilen konnten.

Kindliches Lernen zielt heutzutage vor allem darauf ab, einen festen Platz in der Gesellschaft einzunehmen, später auf eigenen Beinen zu stehen und einen Beruf auszuüben, der Freude bereitet. Ohne Lernprozesse ist all das nicht möglich. Bei Erwachsenen beziehen sie sich hauptsächlich auf beruflichen Aufstieg und das Lernen über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse sowie deren Erfüllung. Ein Leben ohne Lernen bedeutet Stillstand und das ist für die meisten einfach undenkbar.

Den Lernprozess verstehen, um Kinder besser zu unterstützen

Damit du dein Kind dabei unterstützen kannst, erfolgreich zu lernen, musst du natürlich erst einmal verstehen, wie genau ein Lernprozess eigentlich abläuft und woran du erkennst, dass das Lernen wirklich zielführend abläuft. Was du außerdem brauchst, sind eine Menge Strategien und Taktiken, die den Lernprozess unterstützen und ein Verständnis dafür, wann du welche davon einsetzen solltest. Entscheidest du dich für die falsche, bleiben die Erfolge aus und das Frustrationslevel deines Kindes steigt.

Insgesamt gibt es sechs interaktive Komponenten des Lernens: Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Verarbeiten und Organisieren, Graphomotorik und Higher Order Thinking. Was es damit auf sich hat, erklären wir dir im Folgenden.

Aufmerksamkeit

Aufmerksam zu sein, ist die wohl wichtigste Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Lernprozess. Wenn dein Kind nicht zuhört und immer wieder abschweift, wird es ihm sehr schwerfallen, neue Informationen aufzunehmen. Dein Job ist es deshalb, das Thema so interessant wie möglich zu verpacken – bestenfalls so, dass es eine Verbindung dazu aufbauen kann. So fällt es deinem Kind leichter, am Ball zu bleiben.

Gedächtnis

Klar, damit neu Gelerntes auch nachhaltig im Kopf bleibt, muss es ins Gedächtnis übergehen. Hierbei handelt es sich um einen komplexen Prozess, der insgesamt drei Systeme durchläuft: das Kurzzeitgedächtnis, das Arbeitsgedächtnis und das Langzeitgedächtnis.

Im Kurzzeitgedächtnis speichern wir beispielsweise Telefonnummern oder Codes ab, die wir uns nur so lange merken müssen, bis wir sie eingegeben haben. Im Arbeitsgedächtnis parken wir Informationen, die wir brauchen, um die Aufgabe, die wir gerade erledigen, zu erfüllen. Wissen, das wir über einen längeren Zeitraum oder sogar unser ganzes Leben lang im Kopf behalten, geht irgendwann ins Langzeitgedächtnis über.

Wir alle verfügen über diese drei Systeme, aber bei Kindern arbeiten sie deutlich mehr. Immerhin lernen sie im Alltag noch viel mehr als Erwachsene und all das Wissen, das in der Schule auf sie niederprasselt, kommt noch hinzu. Hat dein Kind einen Sachverhalt verstanden, bedeutet das deshalb noch lange nicht, dass es sich diesen auch auf Dauer merkt. Schon kurze Zeit später wird es mit neuen Infos überflutet und da kann das vorher Gehörte schon einmal verloren gehen. 

Du kannst deinem Kind helfen, sich die Dinge trotzdem zu merken, indem du sie in einen bedeutungsvollen Kontext setzt oder mit Wissen verknüpfst, das sie sich schon fest angeeignet haben.

Sprache

Sprache ist das wichtigste Mittel zur Übertragung von Informationen. Diese Übertragung kann auf zwei Wegen stattfinden: expressiv und rezeptiv. Expressive Sprache nutzen wir, wenn wir reden oder schreiben – uns also ausdrücken. Über rezeptive Sprache nehmen wir Informationen auf, z. B. indem wir lesen oder zuhören.

Hat dein Kind sprachliche Probleme, wird ihm auch das Lernen schwerer fallen als anderen. Ist das der Fall, ist es unglaublich wichtig, dass du gemeinsam mit deinem Nachwuchs an diesen Defiziten arbeitest. Eine tolle Übung bietet hier kreatives Schreiben.

Animiere dein Kind, sich Geschichten auszudenken und diese niederzuschreiben. Gehe dabei systematisch vor und lasse es erst einmal Ideen sammeln. Diese gilt es dann zu organisieren und schließlich in Worte zu fassen.

Dabei legt ihr Wert auf Satzbau und grammatikalische Regeln. Macht dein Kind Fehler, dann lasse es diese aufschreiben und erstellt daraus eine Liste. Diese kann es dann immer wieder nutzen und Fehler alleine korrigieren.

Lernprozess

Organisation

Wir verarbeiten und organisieren Informationen simultan und sukzessiv. Gehen wir simultan vor, ordnen wir die Dinge räumlich ein, z. B. wenn wir ein Puzzle lösen. Sukzessiv setzen wir sie in einen zeitlichen Kontext und bringen sie in eine Reihenfolge. Das machen wir beispielsweise, wenn wir mathematische Aufgaben lösen oder Sätze bilden.

Simultanes und sukzessives Denken sind also unglaublich wichtig, damit dein Kind grundlegende Aufgaben wie das Schreiben von Aufsätzen oder das Lösen von Gleichungen ohne Probleme erledigen kann. Fällt ihm das noch schwer, dann können ihm Schritt-für-Schritt-Anleitungen helfen, an denen es sich entlanghangeln kann.

Graphomotorik

Graphomotorik beschreibt unsere Schreibbewegungen inklusive der Koordination, die Bewegungen, die im Handgelenk und den Fingern stattfinden und die Rhythmik, die wir dabei entwickeln. Kann sich dein Kind einfach nicht motivieren, schriftliche Aufgaben zu lösen, dann kann das durchaus daran liegen, dass es Probleme mit der Graphomotorik hat.

Natürlich kann es fortan nicht alle Aufgaben mündlich erledigen. Tests und Klausuren in der Schule muss es dennoch schreiben. Gespräche mit den Lehrern über die graphomotorischen Probleme deines Kindes sind dann besonders wichtig, damit sie diese berücksichtigen. Vielleicht besteht auch die Chance, die eine oder andere mündliche Leistungskontrolle zu ermöglichen.

Higher Order Thinking

Higher Order Thinking geht über das reine Auswendiglernen hinaus. Hier geht es vielmehr darum, die neuen Informationen zu verstehen und aktiv zur Lösung gewisser Probleme zu nutzen. Dank HOT ist dein Kind in der Lage, das „große Ganze“ zu sehen, Dinge zu hinterfragen und Sachverhalte zu visualisieren. Es krönt den Lernprozess quasi.

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Welche Lernprozesse gibt es?

Wir Menschen – egal in welchem Alter – eignen uns Wissen und Fähigkeiten in unterschiedliche Formen an: formal, nicht-formal und informell. Was es damit auf sich hat, schauen wir uns jetzt gemeinsam an.

Formales Lernen

Formales Lernen geschieht in Bildungseinrichtungen wie der Schule oder der Universität. Es findet strukturiert durch ausgebildete Lehrkräfte statt und wir schließen es mit gewissen Qualifikationen und Zeugnissen ab.

Nicht-formales Lernen

Auch nicht-formales Lernen läuft strukturiert und teilweise sogar in Bildungseinrichtungen ab. Wir nehmen Bildungsangebote jenseits von Schule und Co. in Anspruch, z. B. von unseren Arbeitgebern, gemeinnützigen Trägern oder sozialpartnerschaftlichen Organisationen. Dabei erwerben wir aber nicht unbedingt offizielle Abschlüsse. Auch das selbstständige Lernen – beispielsweise mit Lernsoftwares oder -Apps – gehört in diese Kategorie.

Informelles Lernen

Alles, was wir ganz beiläufig im Alltag lernen, gilt als informell. Es ist quasi eine ganz natürliche Begleiterscheinung im Familienleben, im Job oder in der Freizeit. Wir nehmen es also nicht bewusst als Erweiterung unseres Wissens oder unserer Fähigkeiten wahr. Das informelle Lernen macht ganze 70 % unserer Lernprozesse aus.

Wie kann man den Lernprozess bei Kindern verbessern?

Damit du dein Kind optimal beim Lernen unterstützen kannst, ist vor allem eine Sache wichtig: Interesse. Hat es einfach nichts für die Themen übrig und findet keinen Zugang dazu, wird es schwierig, es zu motivieren, sich Wissen anzueignen. Mindestens genauso wichtig ist deshalb auch die Art und Weise, wie es übermittelt wird. Ein Lernprozess ist nur dann erfolgreich, wenn dein Kind die Sachverhalte wirklich verstehen, in einen Kontext setzen und umsetzen kann.

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