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Was ist die Metaebene? Eine einfache und verständliche Definition

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Was ist die Metaebene? Eine einfache und verständliche Definition

Zwischenmenschliche Konflikte werden meist als etwas Unangenehmes empfunden. Dabei bietet jede Meinungsverschiedenheit die Chance, den eigenen Horizont zu erweitern und sich persönlich weiter zu entwickeln. Hierzu musst du dich jedoch auf die Metaebene begeben. Im nachfolgenden Artikel wollen wir dir einfach und prägnant erklären, was es damit auf sich hat.

Die Definition der Metaebene

Laut Dudendefinition beschreibt die Metaebene eine übergeordnete Stufe. Da das ein wenig abstrakt klingt, müssen wir ein wenig genauer ins Detail gehen. Stelle dir vor, du hast dich gestern mit einer anderen Person unterhalten. Das Gespräch ist im Streit eskaliert. Am heutigen Tag haben sich die Gemüter beruhigt, sodass ihr erneut aufeinander zugehen und den Konflikt sachlich klären könnt.

Das Gespräch, das am aktuellen Tag stattfindet, ist die Metaebene! Sie wird auch als Vogelperspektive bezeichnet, da beide Parteien Abstand zum Konflikt gewonnen haben und diesen im übertragenen Sinne nun von oben betrachten. Kennzeichnend für die Metaebene ist der sachliche Ton des Gesprächs. Die Emotionen haben sich abgekühlt.

Beispiele für die Metaebene

Konflikte treten in jedem Lebensbereich auf. Von daher macht es Sinn, sich jeweils ein Beispiel aus dem beruflichen und aus dem privaten Bereich anzuschauen.

Beispiel für die Metaebene im Berufsleben

Für ein wichtiges Projekt musst du mit einem neuen Kollegen zusammenarbeiten, der sich deiner Meinung nach als unzuverlässig erweist. Als du ihn auf sein Verhalten hinweisen möchtest, reagiert er trotzig, was dich wiederum umso mehr provoziert. Schon bald wird die Auseinandersetzung laut und möglicherweise sogar unsachlich. Es kommt zu keinem konstruktiven Ergebnis. Beide Parteien gehen im Streit auseinander.

Daheim lässt du das Gespräch noch einmal Revue passieren. Deine Wut ist mittlerweile verraucht und du siehst ein, dass ihr einen gemeinsamen Weg finden müsst, um das Projekt erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Du überlegst dir, wie du deine Kritikpunkte ohne Vorwurf, sondern als Anregung formulieren kannst. Du beschließt, am nächsten Tag erneut das Gespräch mit dem betreffenden Kollegen zu suchen.

An diesem Punkt erfolgt der Schritt auf die Metaebene: Ihr setzt euch in möglichst entspannter Atmosphäre erneut zusammen und analysiert den Konflikt. Es ist wichtig, dass auch die andere Partei nicht mehr von ihren Emotionen beherrscht wird. Auf der sachlichen Ebene ist es nun möglich, die Probleme zu beleuchten und Lösungswege zu finden. Auf persönliche Angriffe wird komplett verzichtet.

Beispiel für die Metaebene im Privatleben

Nehmen wir an, es gibt in deinem Freundeskreis eine Person, von der du dich permanent ausgenutzt fühlst. Wenn er oder sie etwas braucht, bist du stets zur Stelle, während du umgekehrt noch nie einen Gefallen einfordern konntest. Als du mit einem wirklich wichtigen Anliegen an die Person herantrittst und erneut mit einer fadenscheinigen Ausrede abgewiesen wirst, bricht der Frust aus dir heraus. Es kommt zum Streit.

Am nächsten Tag bist du immer noch wütend, sodass es keinen Sinn machen würde, erneut das Gespräch zu suchen. Stattdessen entscheidest du dich, mit einer Vertrauensperson über die Situation zu sprechen. Abstand zur anderen Konfliktpartei herzustellen und die Sachlage mit einem neutralen Außenstehenden zu analysieren gehört ebenfalls zur Metaebene! Das Gespräch beruhigt dich, sodass du wieder einen klaren Blick gewinnst.

Einige Tage später sind die aufwühlenden Emotionen verraucht. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, sich um eine sachliche Klärung zu bemühen. Du drückst deine Enttäuschung und deine Erwartungen an eine Freundschaft aus, ohne dabei emotional zu werden. Die andere Partei hat nun die Chance, Stellung zu nehmen und ihre Sicht der Dinge zu erklären. Kann keine Lösung gefunden werden, wird die Freundschaft einvernehmlich beendet.

Welche Rolle spielt die Metaebene in der Kommunikation?

Sicherlich ist dir bekannt, dass zur Kommunikation nicht nur das gesprochene Wort gehört. Auch die Körpersprache, also Gestik und Mimik, spielt eine wichtige Rolle. Die schlagfertigsten Argumente verlieren an Überzeugungskraft, wenn die Körpersprache nicht mit der verbalen Äußerung übereinstimmt.

Beispiel: Jemand behauptet felsenfest, dass er glücklich ist, steht aber mit hängenden Schultern, gesenktem Kopf und glasigen Augen vor dir. Würdest du der Person glauben? Wahrscheinlich nicht.

Die Wissenschaft der Kommunikation unterscheidet zwischen den vier folgenden Elementen:

  1. Sender
  2. Botschaft
  3. Störquelle
  4. Empfänger

Die Bedeutung der Elemente ist recht selbsterklärend: Bei dem Sender handelt es sich um die Person, die gerade spricht. Die Botschaft schließt verbale sowie nonverbale Signale ein. Zu den möglichen Störquellen in der Kommunikation zählen z. B. sprachliche Defizite und laute Umgebungsgeräusche. Der Empfänger ist derjenige, an den sich die Botschaft richtet.

So weit zu den grundlegenden Elementen der Kommunikation. Aber was genau bedeutet Metakommunikation? Vielleicht kannst du es dir bereits denken: Da Meta stets für eine höhere Stufe steht, ist mit der Metakommunikation das Sprechen über das zuvor Gesprochene gemeint. Du reflektierst mit einer anderen Person (z. B. mit einem Coach) ein vergangenes Gespräch.

Wozu ist die Metakommunikation wichtig?

Die Metakommunikation ermöglicht es dir, Missverständnisse und Irrtümer aufzuklären, indem du deinen zuvor geäußerten Wortlaut sachlich wiederholst. Oftmals erschließt sich hierbei bereits, warum die Botschaft bei der anderen Partei falsch angekommen sein könnte.

Manchmal wählt man unbedachte Formulierungen, die auf andere Menschen verletzend oder ablehnend wirken, obwohl dies gar nicht die eigene Absicht war. Sich dessen bewusst zu werden, ist der erste Schritt, eine Klärung herbeizuführen.

Die Metaebene im Coaching

Ein Coach kann aus diversen Gründen aufgesucht werden. Oftmals sind jedoch gewünschte Veränderungsprozesse ausschlaggebend, bei denen der Klient sich Unterstützung wünscht. Hierbei kann es sich beispielsweise um eine Neuorientierung im Job, die Herstellung einer ausgeglichenen Work-Life-Balance oder um Gesundheitsthemen (mental und körperlich) handeln.

In einer Coaching-Situation treffen zwei Parteien aufeinander. Auf der einen Seite haben wir den Klienten, der mit dem Wissen über seine Stärken, Defizite und Ziele in die Sitzung kommt. Der professionelle Coach verfügt über die notwendige Erfahrung und über das Handwerkszeug, um dem Klienten wertvolle Impulse zu schenken. Ähnlich wie ein Therapeut hält der Coach dem Ratsuchenden einen Spiegel vor.

Coaching bedeutet keinesfalls, dass starre Lösungswege vorgegeben werden. Der Klient muss unter Anleitung selbst herausfinden, wie er seine aktuelle Situation verbessern kann. Der Coach leitet seinen Klienten dazu an, den gegenwärtigen Konflikt als eine Chance zu betrachten. Hierfür begeben sich beide auf die Metaebene und spielen den Konflikt durch.

Beispiele aus der Praxis

Nehmen wir an, dass es in deiner Arbeitsabteilung einen zwischenmenschlichen Konflikt gibt, der dich innerlich sehr aufwühlt. Der Coach begibt sich auf die Metaebene und nimmt somit die Position eines neutralen Gesprächspartners ein, der dir freundlich gesonnen ist. Durch die Sicherheit, die der neutrale Gesprächspartner dir vermittelt, kannst du deine eigenen Emotionen Schritt für Schritt reflektieren.

Häufig sind mehrere derartige Sitzungen nötig, bis ein schwerwiegender Konflikt gänzlich aufgearbeitet ist. Allerdings lohnt es sich, Geduld zu haben. Nach einer Weile wirst du dich in die Lage deines Konfliktpartners versetzen können und so angemessener reagieren. Das Ziel besteht darin, dass du dich in schwierigen Situationen irgendwann selbst coachen kannst.

Welche Hilfsmittel kommen beim Coaching zum Einsatz?

Ein Coach kann sich verschiedener Werkzeuge bedienen. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Realitätsüberprüfung (Sind meine Sorgen berechtigt?)
  • Werteanalysen (Was ist mir wirklich wichtig?)
  • Zielanalysen (Was möchte ich erreichen?)
  • Problemlösungstrainings (Welche Methoden führen zum Ziel?)

Um die Metaebene zu erreichen, eignet sich systemisches Coaching besonders gut. Hierbei wird das Augenmerk auf die sozialen Beziehungen des Klienten gelegt: Wie interagiert er mit seinen Mitmenschen? Welche Konflikte entstehen dadurch? Was gilt es zu verbessern?

Manchmal ist ein kleines Rollenspiel hilfreich, bei welchem so getan wird, als befände die Konfliktpartei sich im Raum. Der Klient darf nun sachlich (!) seine Emotionen und Erwartungen in Worte fassen. Dies wirkt nicht nur befreiend, sondern beeinflusst auch den realen Umgang mit der Konfliktpartei. Durch das laute Aussprechen der eigenen Emotionen gewinnt man Abstand von ihnen: Die Metaebene wird erreicht.

Die Metaebene in der Psychologie

Auch wenn ein Coach und ein Psychologe sich teilweise sehr ähnlicher Methoden bedienen, sollten sie keineswegs miteinander verwechselt werden. Ein Coachingangebot richtet sich an psychisch gesunde Menschen, die ihr Leben optimieren möchten. Belastet dich der jeweilige Konflikt so sehr, dass Ängste oder gar depressive Verstimmungen auftreten, solltest du dich an einen Psychologen wenden.

Auch der Psychologe begibt sich im Rahmen der Therapie mit dir auf die Metaebene, damit du dein Problem mit Abstand betrachten kannst. Die Metaebene ist sogar die am häufigsten genutzte Ebene in der Psychotherapie. Wie beim Coaching besteht das Ziel darin, dass du einen zeitlichen und örtlichen Abstand zur belastenden Situation herstellst.

Die Metakommunikation spielt in der Psychotherapie ebenfalls eine zentrale Rolle. Der Psychologe wird deine getroffenen Aussagen mit seinen eigenen Worten wiederholen. So bekommst du einen Eindruck davon, wie andere Personen deine Worte auffassen könnten. Du wirst erstaunt sein, welche Aha-Erlebnisse das sogenannte Spiegeln bei dir auslösen kann.

Das Vier-Ohren-Modell einfach erklärt

Das Vier-Ohren-Modell, auch unter der Bezeichnung Kommunikationsquadrat bekannt, wurde im Jahr 1981 von dem Wissenschaftler Friedemann Schulz von Thun veröffentlicht. Es handelt sich um das bekannteste Kommunikationsmodell schlechthin. Bestimmt hast du auch schon einmal etwas davon gehört oder dich sogar näher damit beschäftigt.

Das Vier-Ohren-Modell besagt, dass man ein und dieselbe Botschaft auf vier verschiedene Weisen (also mit vier Ohren) wahrnehmen kann:

  • Sachebene (neutrale Fakten)
  • Beziehungsebene (Wie steht der Sender zu mir?)
  • Appell (Der Sender möchte mich zu einer Handlung veranlassen)
  • Ich-Botschaft (Der Sender gibt etwas von sich preis)

Verdeutlichen wir das Ganze doch am besten anhand eines einfachen Beispiels:

„Ich habe Hunger.“

Diese Aussage kann vom Empfänger auf folgende Arten interpretiert werden:

  • Sachebene: Der Sender teilt mit, dass er etwas essen möchte.
  • Beziehungsebene: Der Sender vertraut mir an, dass er eine Pause braucht.
  • Appell: Der Sender möchte, dass ich ihm eine Mahlzeit zubereite.
  • Ich-Botschaft: Der Sender gibt preis, dass er sich hungrig / unwohl fühlt.

Was der Sender wirklich gemeint oder mit seiner Aussage bezweckt hat, lässt sich nur herausfinden, indem man ihn direkt fragt. So lassen sich Missverständnisse vermeiden oder zumindest zeitnah aufklären.

Besondere Herausforderungen in der modernen Zeit

Heutzutage finden viele Gespräche nicht mehr von Angesicht zu Angesicht, sondern telefonisch oder per Textnachricht bzw. E-Mail statt. Bei Letzterem fehlen die nonverbalen Signale komplett, was das Risiko für Missverständnisse signifikant erhöht. Am Telefon gibt zumindest die Stimmlage noch ein wenig Aufschluss über den emotionalen Zustand des Gesprächspartners.

Bevor du lange interpretierst, ist es daher empfehlenswert, im Zweifelsfall einfach nachzufragen: „Ich habe deine Aussage auf diese Weise verstanden, ist das richtig?“

Durch gezieltes Nachfragen ersparst du dir Grübeleien und beiderseitigen Frust. Sollte es dennoch zu einem Konflikt kommen, ist es wichtig, erst einmal Abstand zu gewinnen und sich dann gemeinsam auf die Metaebene zu begeben.  

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