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Zirkuläre Fragen: Anwendung und Nutzen im Coachingbereich

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Zirkuläre Fragen: Anwendung und Nutzen im Coachingbereich

Festgefahrene Meinungen führen in den seltensten Fällen zum Erfolg. Dennoch kann es jedem von uns passieren, dass wir uns sprichwörtlich verrennen. In diesem Fall können zirkuläre Fragen Abhilfe schaffen, indem sie uns dazu anregen, die Perspektive zu wechseln. Nachfolgend erfährst du, wie man zirkuläre Fragen anwendet und welche Vorteile die Methode mit sich bringt.

Was sind zirkuläre Fragen?

Die Technik des zirkulären Fragens hat ihren Ursprung in der modernen Psychologie. Sie gilt als fester Bestandteil der systemischen Therapie. Im Unterschied zu den meisten anderen Methoden dient die zirkuläre Fragetechnik jedoch nicht der Erhebung von Informationen, sondern der Erschaffung neuer Perspektiven. Dem Befragten gelingt es so, den strittigen Sachverhalt aus der Sicht anderer Personen zu betrachten.

Hast du dich auch schon mal blockiert gefühlt, weil du dir sicher warst, das dein (berufliches) Umfeld dich auf eine negative Weise wahrnimmt? Mithilfe der zirkulären Fragetechnik lassen sich derartige Fehlannahmen klären. Zirkuläre Fragen machen zwischenmenschliche Beziehungen transparent. Unsicherheiten, Blockaden und festgefahrene Überzeugungen lösen sich auf.

Eine aufschlussreiche wissenschaftliche Ausarbeitung zur zirkulären Fragetechnik findest du in folgendem Artikel.

Der Erfolg der Methode steht und fällt mit der Kompetenz des Therapeuten bzw. Coaches. Dieser muss in der Lage sein, den Perspektivwechsel durch gezielte Fragen erfolgreich anzuregen. Zirkuläre Fragen machen nur dann Sinn, wenn alle Konfliktparteien anwesend sind. Die Besonderheit dieser Technik besteht darin, dass nicht miteinander, sondern übereinander gesprochen wird: „Was denkst du, denkt der andere?“

Allgemeines Beispiel für zirkuläre Fragen

Es befinden sich drei Personen in einem Raum. Wir nennen sie:

  • X
  • Y
  • Z

Gehen wir davon aus, dass Z über eine Entscheidung, die X getroffen hat, verärgert ist. In einer herkömmlichen Coachingsituation würde der Coach nun Z direkt ansprechen und nach den Gründen für ihre Verärgerung fragen. Bei der zirkulären Fragetechnik wendet sich der Coach stattdessen an X: „Warum ist Z Ihrer Meinung nach über Ihr Verhalten verärgert?“

Der Befragte gibt also eine Mutmaßung darüber ab, was den Ärger ausgelöst haben könnte. Der Verärgerte selbst hört sich die Vermutungen zunächst an, ohne Stellung zu beziehen. Auf diese Weise erweitert sich die Perspektive beider Parteien: X reflektiert ihr Verhalten und Z erhält Auskunft, was die andere Partei als Auslöser für ihren Unmut vermutet. Liegen Fehlannahmen vor, lassen diese sich aufklären.

Nun ist aber noch eine dritte Person anwesend: Y. Der Coach wird auch diese befragen: „Was löst der Ärger von X Ihrer Ansicht nach in Z aus?“ So kommt noch eine dritte, außenstehende Perspektive hinzu.

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So entwickelst du zirkuläre Fragen Schritt für Schritt

Zusammenfassend besteht die Methode des zirkulären Fragens aus drei Schritten:

  1. Hypothese bilden
  2. Zirkuläre Frage formulieren
  3. Aufmerksames Zuhören

Die Hypothese bildet die Grundlage der zirkulären Frage. Gehen wir davon aus, dass ein Auftragnehmer davon ausgeht, dass sein Auftraggeber die Interessen seiner Stakeholder nicht ausreichend berücksichtigt. Auf Basis dieser Annahme wird nun eine zirkuläre Frage formuliert: „Was glauben Sie, erwarten Ihre Kunden von dem Projekt?“ Der Auftraggeber verlässt so seine einsichtige Sichtweise.

Damit die zirkulären Fragen den gewünschten Erfolg erzielen, ist nun aufmerksames Zuhören von allen Beteiligten wichtig.

Wann kommen zirkuläre Fragen zum Einsatz?

Zirkuläre Fragen, auch als triadische Fragen bekannt, kommen zumeist im beruflichen Kontext zur Anwendung:

  • auf Workshops, Seminaren und Weiterbildungen
  • in gezielten Trainings
  • bei Verhandlungen mit Geschäftspartnern und Kunden
  • im Rahmen von Mitarbeitergesprächen

Im privaten Rahmen ist die Technik eher weniger verbreitet, obwohl die Anregung eines Perspektivwechsels in jeder Lebenssituation hilfreich sein kann. Meist mangelt es im privaten Kontext jedoch an einem erfahrenen Moderator (Coach). Ohne neutrale Moderation besteht die Gefahr, dass sich die Gemüter zu sehr erhitzen (z. B. durch gegenseitiges Unterbrechen).

Ziele des zirkulären Fragens

Das Hauptziel des zirkulären Fragens besteht, wie bereits mehrfach erläutert, im Perspektivwechsel. Durch diesen Perspektivwechsel ergeben sich wiederum folgende Vorteile:

  • Alle Beteiligten erhalten erweiterte Informationen über das jeweilige Thema.
  • Ergründung sinnvoller Handlungsoptionen in bestehenden Konfliktsituationen.
  • Kommunikationsangebote werden für alle Beteiligten transparent und nachvollziehbar.
  • Reflexion und Veränderung eingefahrener Verhaltensmuster.
  • Aufklärung und Verbesserung von Beziehungskonstellationen.
  • Kundenwünsche werden effektiver umgesetzt.
  • Verbesserung des Betriebsklimas.

Welche Vorteile haben zirkuläre Fragen?

Zirkuläre Fragen haben vor allem den Vorteil, dass man die Technik ohne jeglichen Vorbereitungsaufwand spontan durchführen kann. Im Rahmen eines Workshops kommen manchmal Hilfsmittel wie z. B. Flipcharts zum Einsatz, dies ist aber nicht zwingend nötig. Grundsätzlich kommt die zirkuläre Fragetechnik ohne Zusatzmaterialien aus. Dies spart Zeit und Geld.

Zirkuläre Fragen bieten zudem die einmalige Möglichkeit, herauszufinden, ob die eigenen Annahmen in einem bestimmten Sachverhalt der Realität entsprechen. Es existiert kaum eine vergleichbare Methode, bei welcher man einen derart tiefen Einblick in die Sichtweise seiner Arbeitskollegen, Kunden oder Geschäftspartner bekommt. Das gewonnene Wissen kann zum beruflichen Vorteil genutzt werden.

Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen verbessern sich durch zirkuläre Fragen. Ein wesentlicher Bestandteil der Technik ist es, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Durch gegenseitiges Verständnis entstehen neue konstruktive Lösungsansätze, von denen alle Beteiligten profitieren.

Hat die zirkuläre Fragetechnik auch Grenzen und Nachteile?

Keine Coachingmethode kommt ohne Nachteile aus. Das gilt auch für die zirkulären Fragen. Ob die Technik zum Erfolg führt, hängt nicht zuletzt von der Bereitwilligkeit der Beteiligten ab. Stehen diese der Technik von Anfang an kritisch gegenüber, kann es zu keiner zufriedenstellenden Lösungsfindung kommen.

Manche Menschen fühlen sich von zirkulären Fragen irritiert. Zu spekulieren, was ein anderer Beteiligter denken könnte, erachtet nicht jeder für sinnvoll. Die Person, über die man andere in ihrer Gegenwart befragt, fühlt sich zudem möglicherweise nicht ernst genommen. Je nach Mentalität kann diese Technik ein gewaltiges inneres Unbehagen auslösen.

Von daher ist es empfehlenswert, im Vorfeld abzuklären, ob sich alle Beteiligten auf die zirkulären Fragen einlassen können und wollen. Ist dies nicht der Fall, gilt es eine andere Methode zur Perspektiverweiterung zu wählen.

Die wichtigsten 10 zirkulären Fragetechniken aus dem Coachingbereich

Zirkuläre Fragen kommen im Coachingbereich häufig zum Einsatz. Schauen wir uns die 10 gängigsten Fragetechniken doch einmal genauer an:

1. Systemisch zirkuläre Fragen

Die Fragen des Coaches fokussieren sich auf das Vorhandensein wechselseitiger Bedingungen:

„Was denkst du, wird dein Verhalten bei deinem Vorgesetzten auslösen?“

2. Perspektivische Fragestellungen

Der Coach befragt verschiedene Personen zu einer Situation, wobei er die Auswirkungen des Problems in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beleuchtet:

„Wie wurde die Situation gehandhabt, als das Problem noch nicht aufgetreten war?“
„Was denken deiner Meinung nach die Kunden über das Problem?“
„Wie wird sich die Angelegenheit deiner Ansicht nach im nächsten Jahr entwickeln?“

3. Triadisch zirkuläre Fragen

Der Coach fragt seinen Klienten, was eine dritte Person über die Kommunikation zweier anderer Beteiligter denkt:

„Was denkt dein Vorgesetzter darüber, wie zwei deiner Kollegen über die Abteilung sprechen?“

4. Unterschiedsfragen

Wie der Name es bereits vermuten lässt, fragt der Coach bei dieser zirkulären Fragetechnik bestehende Unterschiede ab. Dies dient der Gewinnung von Informationen und verhilft zu einer differenzierten Sichtweise:

„Was macht Kollege A anders als Kollege B?“
„Worin besteht der Unterschied zwischen der aktuellen Sachlage und dem angestrebten Ziel?“

5. Fragen nach Personen und Fakten

Um effektiv mit seinen Klienten arbeiten zu können, muss sich der Coach einen Überblick über das relevante Netzwerk verschaffen:

„Wer ist deiner Meinung nach am Zielprozess beteiligt?“
„Sind die Vorstellungen von Typ X und Person Y deiner Meinung nach realisierbar?“
„Welche Fakten könnten den Erfolg behindern oder beschleunigen?“

6. Verbesserungsfragen

Wenn ein Problem besteht, richtet sich die Aufmerksamkeit aller Beteiligten zumeist ausschließlich auf ebendieses. Hierdurch entsteht eine Art pessimistischer Tunnelblick. Ressourcen zur Problemlösung werden im schlimmsten Fall einfach übersehen. Zirkuläre Verbesserungsfragen können auch hier den Blickwinkel erweitern:

„Was glaubst du, was die anderen von dir erwarten, um das Problem zu lösen?“
„Welche Ressourcen werden deiner Meinung nach zur Problemlösung benötigt?“
„Welcher der Beteiligten könnte aus deiner Sicht am ehesten zur Problemlösung beitragen?“

7. Verschlimmerungsfragen

Diese zirkuläre Fragetechnik mag zunächst ein wenig seltsam anmuten, sie verfolgt jedoch einen ganz bestimmten Zweck. Durch Verschlimmerungsfragen, also durch das Ausmalen von Worst-Case-Szenarien, wird jedem Beteiligten seine aktive Rolle bei der Aufrechterhaltung des Problems verdeutlicht:

„Wie könntest du deine eigene Unzufriedenheit weiter befeuern?“
„Auf welche Weise könnten andere Personen dazu beitragen, dass du dich noch schlechter fühlst?“

8. Übereinstimmungsfragen

Um letztendlich zu einer gemeinsamen Lösung zu gelangen, wird im Rahmen des Coachings erfragt, welche Parteien miteinander übereinstimmen:

„Denkst du, Herr X beurteilt den Sachverhalt ähnlich?“
„Herr Y ist der Meinung, es sollte mehr Kaffeepausen geben. Frau Z sieht das anders. Wie lautet deiner Meinung nach die Einschätzung von Herrn X zu diesem Thema?“

9. Beobachtungsfragen

Mit dieser Art der zirkulären Fragetechnik wird der Klient bewusst dazu aufgefordert, das Geschehen aus einer beobachtenden Position zu beurteilen:

„Was würdest du als Außenstehender über den Sachverhalt denken?“

10. Prozentfragen

Prozentfragen können dabei helfen, die Vorstellungen der einzelnen Beteiligten zu konkretisieren. Hierbei lassen sich vor allem quantitative Sachverhalte ermitteln:

„Um wie viel Prozent müsstest du dein Engagement steigern, um erfolgreicher zu sein?“
„Wie viel Prozent der Belegschaft müssten ihre Prioritäten überdenken?“
„Zu wie viel Prozent hältst du es für sicher, dass dein Vorgesetzter die angekündigten Maßnahmen umsetzt?“

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Beispiel für zirkuläre Fragen aus der Coachingpraxis

Um die Theorie der zirkulären Fragen zu verdeutlichen, haben wir uns ein Praxisbeispiel überlegt, bei dem einige der oben vorgestellten Fragetechniken zur Anwendung kommen. Am Gespräch nehmen eine Führungskraft, ein Teamleiter und natürlich der Coach teil. Kannst du die verschiedenen Techniken erkennen?

Coach: „Was denken Sie, aus welchem Grunde Ihr Vorgesetzter mich kontaktiert hat?“

Teamleiter: „Er ist mit meiner Arbeitsleistung unzufrieden.“

Coach: „Was vermuten Sie, warum das seiner Meinung nach der Fall ist?“

Teamleiter: „Ich habe früher effizienter gearbeitet. Heute dauert alles länger und ich vergesse manches.“

Coach: „Was glauben Sie, hat Ihr Chef für Vorstellungen, wie Sie Ihr früheres Leistungspotenzial wieder erreichen können?“

Teamleiter: „Ich muss mich besser konzentrieren.“

Coach zum Vorgesetzten: „Woran bemerken Sie, dass Herr Z gerade konzentriert arbeiten kann?“

Vorgesetzter: „Es unterlaufen ihm weniger Fehler.“

Coach zum Teamleiter: „Was glauben Sie, was Ihr Vorgesetzter als Ursache für Ihre Unkonzentriertheit vermutet?“

Teamleiter: „Er denkt, dass ich überfordert bin, seit wir zwei Abteilungen zusammengelegt haben und ich somit doppelt so viele Mitarbeiter anzuleiten habe.“

Coach: „Was müsste sich Ihrer Ansicht nach ändern, damit Sie trotz der internen Umstrukturierung wieder fokussierter arbeiten können?“

Teamleiter: „Ich müsste mehr Aufgaben delegieren dürfen.“

Coach: „Was würde anders sein, wenn Ihr Vorgesetzter diesem Ansinnen nachkommt?“

Mitarbeiter: „Da die Arbeitsbelastung abnimmt, kann ich mich wieder meinen wesentlichen Aufgaben widmen.“

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Das Stellen zirkulärer Fragen ist nur eines von zahlreichen effektiven Coachingtools. Sofern du eine berufliche Laufbahn als Coach anstrebst, solltest du selbstverständlich mit allen Methoden vertraut sein. Aber auch wenn du dir „nur“ selbst den Weg zu einem glücklicheren und erfüllten Leben ebnen möchtest, ist die Kenntnis über verschiedene Coachingmethoden sehr hilfreich.

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