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Autoritärer Führungsstil: Unverzichtbar oder nicht mehr zeitgemäß?

Lesezeit von 8 Minuten
Autoritärer Führungsstil: Unverzichtbar oder nicht mehr zeitgemäß?

In nicht allzu ferner Vergangenheit war der autoritäre Führungsstil flächendeckend verbreitet. Um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, gab es kaum eine alternative Möglichkeit. In den letzten Jahren ist jedoch das Thema Individualität und Selbstverwirklichung von Arbeitnehmern in den Vordergrund gerückt. Die Annahme, dass zufriedene Mitarbeiter bessere Leistungen erbringen, gilt inzwischen als erwiesen.

Trotz dieser Erkenntnisse ist der autoritäre Führungsstil nicht gänzlich abgelöst worden. In manchen Bereichen / Situationen macht eine autoritäre Führung nach wie vor Sinn. Wir beleuchten nachfolgend, in welchen Zusammenhängen dies der Fall ist und welche Vor- und Nachteile ein autoritärer Führungsstil mit sich bringt.

Der autoritäre Führungsstil im Detail erklärt

Ein autoritärer Führungsstil zeichnet sich in erster Linie durch eine strenge Hierarchie aus. Der Führungskraft allein obliegt die Entscheidungsgewalt: Sie erteilt ihren Mitarbeitern strikte Anweisungen, wer welche Aufgabe auf welche Weise zu erledigen hat. In der Fachsprache ist vom sogenannten „Top-Down-Prinzip“ die Rede. Die Führungskraft hat ihre Autorität aufgrund ihrer Position inne - nicht aufgrund ihrer Beliebtheit.

Dass Mitarbeiter persönliche Ideen und Vorstellungen einbringen, sieht ein autoritärer Führungsstil nicht vor. Allein die Führungskraft legt die Ziele und Leitlinien des Unternehmens fest. Eine einzige Person trifft alle Entscheidungen, was sowohl vorteilhaft sein kann, aber auch gewisse Risiken birgt.

Fassen wir die wichtigsten Merkmale des autoritären Führungsstils noch einmal übersichtlich zusammen:

  • 1. Die Führungskraft hat absolute Weisungsbefugnis.
  • 2. Alle wichtigen Informationen laufen bei der Führungskraft zusammen.
  • 3. Die Mitarbeiter haben kein Mitspracherecht bzgl. der Arbeitsabläufe und Ziele.
  • 4. Der Arbeitsalltag ist von strengen Regeln geprägt.
  • 5. Es besteht eine große Distanz zwischen den Arbeitnehmern und der Chefetage.
  • 6. Es herrscht ein stark leistungsorientiertes Betriebsklima.
  • 7. Mitarbeiter werden für Fehlverhalten bzw. schlechte Leistungen sanktioniert.
  • 8. Die Führungskraft trifft alle Entscheidungen allein.

Außerdem interessant zu wissen: Während sich in vielen Betrieben mittlerweile das Duzen durchgesetzt hat – auch bis hinauf in die Chefetage – ist dies in einem autoritär geführten Betrieb nahezu undenkbar. Meist wird sehr viel Wert auf höfliche, distanzierte Umgangsformen gelegt.

Vorteile eines autoritären Führungsstils

Viele Köche verderben den Brei: Dies kann bei einem autoritären Führungsstil nicht passieren. Da ausschließlich die Führungskraft entscheidungsbefugt ist, kann sie im Bedarfsfall schnell reagieren und notwendige Veränderungen vornehmen. Zeitaufwendige Abstimmungsprozesse entfallen, was im Ernstfall von großem Vorteil ist.

Die strenge Kontrolle der Mitarbeiter gewährleistet außerdem das gewünschte Leistungsniveau. Ein autoritärer Führungsstil lässt keine Nachlässigkeiten zu. Fristversäumnisse oder mangelhafte Arbeitsergebnisse kommen nachweislich seltener vor. Eine gute Arbeitsleistung bedeutet im Umkehrschluss eine gesteigerte Kundenzufriedenheit, wovon letztendlich das gesamte Unternehmen profitiert.

Es handelt sich zudem um eine Fehlannahme, dass autoritäre Führungspersonen selbstbezogen und unempathisch sind. Oftmals ist das Gegenteil der Fall: Insbesondere jungen oder verunsicherten Mitarbeiter vermittelt das autoritäre Auftreten ihres Vorgesetzten ein Gefühl der Sicherheit. Man könnte es auch als „väterliche Strenge“ bezeichnen, welche wiederum motivierend wirken kann.

autoritaerer fuehrungsstil vor und nachteile

Nachteile eines autoritären Führungsstils

Ein autoritärer Führungsstil gilt mittlerweile als nicht ganz unumstritten. Oftmals haftet ihm sogar etwas Altmodisches, Verstaubtes an. Je nachdem, wie die Führungskraft ihre Autorität vermittelt, kann es zum Motivationsverlust der Mitarbeiter kommen: Welcher erwachsene, mündige Mensch lässt sich schließlich gerne herumkommandieren? Im Extremfall entsteht eine regelrechte Verweigerungshaltung.

Heutzutage genügt es den meisten Menschen nicht mehr, nur zu arbeiten, um ihre Existenz zu sichern. Es geht vielmehr um Erfüllung und Selbstverwirklichung. Wer danach strebt, wird sich in einem autoritär geführten Unternehmen wie eingesperrt fühlen. Ein autoritärer Führungsstil erstickt die Kreativität und Eigeninitiative der Mitarbeiter. So können dem Unternehmen wertvolle Impulse zur Verbesserung entgehen.

Im schlimmsten Fall führt dies dazu, dass die Arbeit zwar erledigt wird, die Qualität jedoch langfristig leidet. Zudem ist das Belohnungssystem bei autoritärer Führung nicht selten ungerecht ausgeprägt: Für Erfolge erhält allein der Entscheidungsträger, also die Führungskraft, die Anerkennung. Bei Misserfolgen wird der Fehler jedoch eher in der Belegschaft gesucht.

Charaktermerkmale einer autoritären Führungspersönlichkeit

Ob ein autoritärer Führungsstil zum gewünschten Unternehmenserfolg führt, hängt maßgeblich von der Führungskraft selbst ab. Nicht jeder Chef eignet sich zum autoritären Vorgesetzten. Manche lehnen diese hierarchische Art der Führung sogar gänzlich ab und bevorzugen einen freundschaftlichen Umgang mit ihren Mitarbeitern. Ist dies der Fall, sollte eine andere Art der Führung gewählt werden.

Autorität lässt sich nicht vorspielen. Wer Hemmungen hat, sich durchzusetzen oder unbeliebt zu machen, eignet sich nicht als autoritäre Führungsperson. Da der Vorgesetzte alle Entscheidungen alleine trifft, muss er neben einer herausragenden fachlichen Kompetenz auch über das notwendige Maß an Selbstsicherheit verfügen. Zögerlichkeit und Selbstzweifel sind fehl am Platze.

Sicherlich lässt sich ein Teil der benötigten Eigenschaften im Laufe der Berufsjahre erlernen. Allerdings sollte bereits ein autoritärer Persönlichkeitszug vorhanden sein. Achtung: Dies ist keinesfalls zu verwechseln mit Narzissmus oder Tyrannei. Auch eine autoritäre Führungspersönlichkeit hinterfragt sich selbst und nimmt Verbesserungsvorschläge an.

Wann sollte ein autoritärer Führungsstil zum Einsatz kommen?

Trotz bestehender Nachteile wäre es falsch, die autoritäre Führung generell abzulehnen. Es gibt durchaus Situationen, in denen ein autoritärer Führungsstil das einzig mögliche und richtige Instrument ist. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Mitarbeiter ein großes Orientierungsbedürfnis verspüren (z. B. bei Berufsanfängern).

Auch bei internen oder externen Veränderungen kann es unabdingbar sein, dass die Führungskraft sprichwörtlich das Ruder in die Hand nimmt. Manchmal stehen dringende Entscheidungen an, die keine demokratische Diskussion mehr zulassen. Die Führungskraft muss in diesem Fall autoritär handeln, um möglichen Schaden vom Unternehmen abzuwenden.

Beispiele für den Einsatz des autoritären Führungsstils

In folgenden Situationen kann ein autoritärer Führungsstil von Vorteil sein:

1. Das Unternehmen befindet sich im Wandel

Veränderungen, seien sie nun interner oder externer Art, stellen jedes Unternehmen vor eine große Herausforderung. Darf jeder mitentscheiden, wie mit der jeweiligen Veränderung umzugehen ist, kann dies zu einem unübersichtlichen Chaos führen. Die Mitarbeiter und auch die Führungskräfte benötigen erst einmal Orientierung, um sich in der neuen Situation zurechtzufinden.

Die Führungskräfte sollten im Wandlungsprozess jedoch die treibenden Kräfte sein. Sie benötigen alle relevanten Informationen, um den Veränderungsprozess (Systemerneuerung, Fusion etc.) erfolgreich zu unterstützen. Fehlt der Informationsfluss aufgrund eines zu lockeren Führungsstils, ist die gewünschte Veränderung in Gefahr. Dies führt sowohl bei den Führungskräften als auch bei den Mitarbeitern zu Frustration.

2. Neue Mitarbeiter kommen hinzu

Wer neu in einem Unternehmen anfängt, ist zunächst auf Unterstützung angewiesen. Dies ist vollkommen normal. Zu Beginn der neuen Tätigkeit kann man schließlich noch nicht wissen, wie die Arbeitsabläufe funktionieren und wer die Ansprechpartner sind. Ein autoritärer Führungsstil kann die notwendige Orientierung gewährleisten. Der neue Mitarbeiter erhält klare Anweisungen, was von ihm erwartet wird.

Menschen sind jedoch verschieden: So gibt es Mitarbeiter, die nach einer kurzen Zeit der Einarbeitung selbstständig arbeiten und ein hohes Maß an Eigeninitiative zeigen. Andere Mitarbeiter haben wiederum auch nach Monaten oder gar Jahren Schwierigkeiten, ihre Routineaufgaben zu erledigen. Solche Arbeitnehmer benötigen immer wieder Anleitung und Kontrolle durch eine autoritäre Führungskraft.

3. Ein Mitarbeiter wechselt die Abteilung

Nicht nur ein genereller Jobwechsel ruft Orientierungsbedarf hervor. Selbiges gilt auch für einen Wechsel innerhalb des Unternehmens. Bei einer Veränderung des Aufgabengebietes kann ein autoritärer Führungsstil den Mitarbeiter unterstützen, sich schneller wieder zurechtzufinden.

4. Die Führungskraft ist selbst noch neu

Eine neue Führungskraft muss sich entsprechend positionieren, um von ihren Mitarbeitern respektiert zu werden. Hiermit ist keineswegs Einschüchterung oder dergleichen gemeint, sondern ein sicheres Auftreten. Die Mitarbeiter müssen ihre neue Führungskraft als zuverlässig und leitliniengetreu erleben, um ihre Anweisungen anzunehmen und ihr letztendlich zu vertrauen.

Tritt die Führungskraft sofort auf kumpelhafter Augenhöhe auf, kann es schwieriger sein, die Mitarbeiter erfolgreich anzuleiten. Mangelnder Respekt beeinträchtigt die Arbeitsleistung ebenso wie zu viel Druck. Eine kompetente autoritäre Führungskraft findet mit der Zeit ein gesundes Mittelmaß.

Autoritärer Führungsstil vs. andere Führungsstile

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen klassischen, kooperativen und modernen Führungsstilen. Wie du es sicherlich bereits vermutest, handelt es sich bei der autoritären Führungsmethode um einen klassischen Führungsstil – wenn nicht sogar um den ältesten und bekanntesten überhaupt.

Bei allen klassischen Führungsstilen, wozu beispielsweise auch der autokratische, patriarchalische und charismatische Führungsstil zählen, steht die Erledigung der Arbeitsaufgaben im Vordergrund. Der zwischenmenschliche Austausch spielt eine untergeordnete Rolle. Dies bedeutet aber keineswegs, dass die Führungskraft und die Mitarbeiter gar nicht miteinander kommunizieren. Der Schwerpunkt ist lediglich anders.

Im Gegensatz hierzu stehen die kooperativen und modernen Führungsmethoden wie beispielsweise die laterale Führung, der laissez-faire sowie der demokratische Führungsstil. Kennzeichnend ist eine offene Kommunikationskultur innerhalb des Unternehmens. Die Mitarbeiter können jederzeit ihre Ideen und Kritikpunkte vortragen. Die Führungskraft bezieht die Impulse der Mitarbeiter in ihre Entscheidungen ein.

Eine ausführliche Erläuterung zu den einzelnen Führungsstilen findest du in dem Artikel über Führungsstile.

autoritaerer fuehrungsstil beispiele

Ist der autoritäre Führungsstil noch zeitgemäß?

Die Antwort auf diese Frage mag dich möglicherweise überraschen. Ein autoritärer Führungsstil ist auch heute noch zeitgemäß und in manchen Situationen sogar unverzichtbar. Allerdings spielt die richtige Handhabung eine entscheidende Rolle. Das Stichwort lautet: situationsangepasste Führung.

Eine Führungskraft sollte durchaus in der Lage sein, bei Bedarf durchzugreifen und schwierige Entscheidungen zu treffen. Mitarbeiter jedoch grundsätzlich die eigene Stimme zu verwehren, ist in der modernen Arbeitswelt weder angemessen noch zielführend. Führungskräfte müssen heutzutage viel flexibler agieren als noch vor einigen Jahren. Es gilt, Autorität auszustrahlen und gleichzeitig die Mitarbeiter zu motivieren.

Sollte die Anwendung des autoritären Führungsstils aufgrund einer besonderen Situation unumgänglich sein, so darf sich die moderne Führungskraft dennoch nicht in die Position eines Diktators begeben. Drohungen und völlige Missachtung der Mitarbeiterbedürfnisse sind keinesfalls mehr zeitgemäß. Vertrauen und Führungskompetenz gehen heutzutage Hand in Hand.

Wie wird ein autoritärer Führungsstil von den modernen Arbeitnehmern akzeptiert?

Ebenso interessant wie die Frage, ob ein autoritärer Führungsstil noch als zeitgemäß angesehen wird, ist die Frage nach der Akzeptanz. Die Arbeitnehmer von heute sind nicht mehr mit den Arbeitnehmern von vor fünfzig Jahren vergleichbar. Heutzutage ist es demzufolge schwieriger, einen autoritären Führungsstil durchzusetzen. Sofern sich die Führungskraft an einige Grundsätze hält, kann es aber dennoch gelingen.

Wie bereits erwähnt, spielt Vertrauen in der modernen Arbeitswelt eine tragende Rolle. Im Idealfall folgen die Mitarbeiter ihrem autoritären Vorgesetzten freiwillig, weil sie die Notwendigkeit der (momentanen) autoritären Führung begreifen.

Kommunikation ist der Schlüssel, um dies zu erreichen. Die Führungskraft sollte ihren Mitarbeitern persönlich erklären, warum in einer gewissen Situation ein autoritärer Führungsstil notwendig ist:

„Wir befinden uns derzeit in einer Krise, weshalb es künftig striktere Regeln geben muss.“
„Da der Kunde XY mehrfach unzufrieden war, werde ich die Aufgaben neu verteilen und die Ergebnisse kontrollieren.“

Wichtig: Der moderne autoritäre Vorgesetzte wird von seinen Mitarbeitern als Mentor wahrgenommen, nicht als Tyrann.

Fazit

Der autoritäre Führungsstil ist längst nicht mehr so verbreitet wie in früheren Zeiten. Dennoch spielt er in vielen Unternehmen zumindest zeitweilig und situationsbezogen eine Rolle. Richtig angewandt kann die Methode zur Steigerung des Unternehmenserfolgs beitragen und zur Abwendung von Schäden dienen. Auch unsichere Arbeitnehmer lassen sich durch eine autoritäre Führungsperson effektiv anleiten.

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