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Lerne dein inneres Team kennen und arbeite mit ihm

Lesezeit von 7 Minuten
Lerne dein inneres Team kennen und arbeite mit ihm

Das Thema Kommunikation spielt in jedem Lebensbereich eine wichtige Rolle. Nicht zu kommunizieren ist praktisch unmöglich. Ständig empfangen wir Signale aus unserer Umwelt und senden welche hinaus. Aber wusstest du, dass du nicht nur nach außen hin kommunizierst, sondern auch mit dir selbst? Hier kommt dein inneres Team ins Spiel: Der richtige Umgang mit ihm kann dir das Leben erleichtern.

Dein inneres Team: Was versteht man darunter?

Bei dem inneren Team handelt es sich um ein Konzept, das dir dabei hilft, innere Widersprüche und Konflikte zu ergründen und nachhaltig zu klären. Entwickler dieses Modells ist der bekannte Kommunikationswissenschaftler und Psychologe Friedemann Schulz von Thun.

Im Vordergrund seiner Überlegungen steht die Metapher, dass das Seelenleben eines Menschen ebenso komplex und dynamisch ist wie eine Gruppenarbeit im Berufsleben: So gibt es beispielsweise Anführer, Mitläufer und Querulanten.

Sicherlich ist es dir schon häufig so ergangen, dass du zu einem bestimmten Thema eine zwiespältige Meinung hast. In deinem Inneren kämpfen in diesem Fall zwei, drei oder sogar noch mehr Stimmen gegeneinander an.

Beispiel

Du bist in deinem Job unzufrieden und denkst über die Kündigung nach.

Die erste Stimme sagt: „Deine seelische Gesundheit geht vor! Suche dir etwas Neues.”
Aber die zweite Stimme sagt: „Kündige auf gar keinen Fall! Du weißt doch, wie hart umkämpft der Arbeitsmarkt ist.”
Und nun die dritte Stimme: „Du musst dich nicht sofort entscheiden. Warte lieber noch eine Weile ab.”

Kommt dir das bekannt vor, wenn auch möglicherweise in einem anderen Zusammenhang? Dann bist du deinem inneren Team bereits begegnet. Manchmal sind die Stimmen jedoch nicht so deutlich wie in obigem Beispiel. In einigen Fällen handelt es sich nur um ein diffuses Gefühl, das dich von einer bestimmten Entscheidung abhalten will. Die Visualisierung des inneren Teams deckt derartige Blockaden auf.

Wichtig zu wissen: Jeder Mensch verfügt über ein inneres Team. Die inneren Stimmen haben keinen Krankheitswert! Ganz im Gegenteil: Die sogenannte „innere Pluralität” kann sogar sehr nützlich sein.

Welche Vorteile hat es, dich mit deinem inneren Team zu befassen?

Wenn dein inneres Team sich streitet, kann dies sehr lästig bis belastend sein. Ist der seelische Zwiespalt allzu groß, droht sogar komplette Handlungsunfähigkeit, da du dich für keine Stimme mehr entscheiden kannst. Dein Ziel sollte also darin bestehen, die inneren Streithähne zu vereinen, sodass sie miteinander statt gegeneinander arbeiten. Gelingt dir dies, kannst du das Synergiepotenzial voll ausschöpfen.

Dass zwei Personen mehr Erfahrungen und Weisheit mitbringen als eine einzelne Person, ist eine logische Tatsache. Selbiges gilt auch für dein inneres Team. Jede einzelne Stimme hat dir etwas Wichtiges mitzuteilen und verdient es, gehört zu werden. Die Arbeit mit deinem inneren Team hilft dir dabei, innere Konflikte aufzulösen und somit situationsangepasste Entscheidungen zu treffen.

Hast du dein inneres Team vereint, so wirkt sich dies positiv auf deine Ausstrahlung aus. Wer mit sich selbst im Reinen ist, wird von anderen Menschen als authentischer und vertrauenswürdiger wahrgenommen.

Inneres Team Definition

Du bist das Oberhaupt deiner Gedanken

Wie eingangs erwähnt, basiert das Konzept des inneren Teams auf dem Vergleich mit einem Arbeitsteam im realen Leben. Mache dir bewusst, dass du die Führungskraft bist! Gehen wir davon aus, dass dich eine berufliche Fragestellung beschäftigt (z. B. Jobwechsel). Nun rufst du deine Mitarbeiter (dein inneres Team) gedanklich zu einem Meeting zusammen, um dir der verschiedenen Perspektiven bewusst zu werden.

Zunächst wirst du sicherlich mit einer Vielfalt an unterschiedlichen Stimmen konfrontiert, die einander teilweise widersprechen. Als Führungskraft bewahrst du jedoch die Ruhe. Du nimmst jede Botschaft zur Kenntnis, um sie wohlwollend zu prüfen. Mache dir bewusst, dass jedes Mitglied deines inneren Teams nur eines im Sinn hat: das Unternehmen (dich) vor Schaden zu bewahren.

Hat jedes Teammitglied sein Argument vorgetragen, obliegt es dir, die einzelnen Aspekte näher zu beleuchten und sie einer Realitäts- und Risikoprüfung zu unterziehen. Anschließend solltest du in der Lage sein, die für dich beste Entscheidung zu treffen.

Inneres Team: Die Anwendung im Coachingbereich

Wie dein inneres Team in der Theorie funktioniert, haben wir nun ausführlich erklärt. Jetzt geht es um die praktische Anwendung im Coachingbereich. Meist kommt ein schrittweises Vorgehen zum Einsatz:

Schritt 1: Die Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung ist alles: Soll mit dem inneren Team gearbeitet werden, benötigt der Klient zunächst einmal Schreibmaterial (Stift und Papier). Alternativ kann die Visualisierung auch am Flipchart erfolgen. Die einzelnen Teammitglieder werden skizzenhaft aufgemalt, im späteren Prozess benannt und evtl. ausgeschnitten.

Ausgeschnittene Teamfiguren bieten den Vorteil, dass man sie nach Wunsch rangieren kann (z. B. nach Priorität ihrer Argumente oder der Dynamik ihrer Stimme).

Schritt 2: Erläuterung des Konzepts

Bevor das Coaching beginnt, sollte der Coach seinen Klienten mündlich in das Konzept des inneren Teams einweisen. Bei Bedarf lässt sich die Parallelitätsthese auch anhand eines Beispiels verdeutlichen. Ist der Klient mit der Methode bereits vertraut, kann dieser Schritt entfallen.

Schritt 3: Definition des Problems

Nun wird das konkrete Anliegen des Klienten benannt: Zu welchem Anlass möchtest du dein inneres Team befragen? Was beschäftigt dich? Welche Gefühle und Werte spielen für dich bei der Entscheidungsfindung eine Rolle?

Hierbei ist es wichtig, das Problem so konkret wie möglich zu benennen und sich auf einen Sachverhalt zur Zeit zu konzentrieren. Je nach Fragestellung können unterschiedliche Teammitglieder zur Sitzung erscheinen.

Schritt 4: Vorstellung der Teammitglieder

Nachdem das Anliegen konkret benannt wurde, finden sich die ersten Teilnehmer ein. Jeder Aspekt / Gesichtspunkt entspricht einem Teammitglied. Jetzt zeichnest du die einzelnen Mitglieder auf dein Blatt Papier (Strichmännchen genügen) und gibst ihnen jeweils einen Namen und einen Schlüsselsatz. Dies könnte beispielsweise wie folgt aussehen:

  • Der Kritiker: „Du verfügst nicht über das notwendige Know-how für die gewünschte Veränderung.
  • Der Ängstliche: „Es könnte etwas schiefgehen.”
  • Der Motivierte: „Du schaffst alles, was du dir vornimmst.”
  • Der Perfektionist: „Alles muss genau geplant sein.”

Oben genannte Mitglieder tauchen in den inneren Teams der meisten Menschen auf. Es können jedoch noch zahlreiche andere Stimmen hinzukommen. Vielleicht fehlt bei dir auch eines der obigen Teammitglieder. Dies kann ganz individuell verschieden sein. Wichtig ist, dass du deinen Teammitgliedern neutrale Namen gibst. Verzichte auf abwertende Bezeichnungen wie „der Angsthase" oder „der Dummkopf”.

Schritt 5: Das Verhalten der Teammitglieder ergründen

Sind nun alle Mitglieder deines inneren Teams versammelt, kann die Sitzung beginnen. Manche von ihnen werden sich im Hintergrund halten, andere preschen lauthals nach vorne. Manchmal kommen im Laufe des Meetings sogar noch weitere Personen (Stimmen) hinzu. Heiße auch diese willkommen und benenne sie wie zuvor beschrieben. Beobachte, wie dein inneres Team sich verhält:

  • Welches Mitglied gibt den Ton an?
  • Wer steht im Vordergrund?
  • Wer hält sich bedeckt?
  • Welche Widersprüche tauchen auf?
  • Gibt es Mitglieder, die sich untereinander verbünden?
  • Gibt es Mitglieder, die einander besonders im Weg stehen?

Jetzt ist die Zeit gekommen, die einzelnen Teammitglieder nacheinander (!) zu Wort kommen zu lassen. Versetze dich in die jeweilige Person hinein. Vielleicht gelingt es dir sogar, mit ihrer Stimme zu sprechen (ängstlich, wütend, entschlossen etc.). Sollte dir Letzteres schwerfallen, kann der Coach diesen Part übernehmen. Darüber hinaus unterstützt er dich mit gezielten Fragestellungen.

Es lohnt sich beispielsweise zu beleuchten, warum eine Stimme besonders laut oder leise ist: Hängt die stimmliche Dominanz bzw. Zurückhaltung eines Teammitglieds mit Erfahrungswerten aus deiner Vergangenheit zusammen? Spielen Ängste eine Rolle? Oder handelt es sich um die Stimme, deren Argumente du unbewusst bereits als richtig erachtest und der du intuitiv folgen wirst?

Schritt 6: Lösungsstrategien zusammentragen

Indem du dein inneres Team lebendig machst, erhältst du Zugang zu deinem Unterbewusstsein. Die Aufarbeitung verdrängter Gedankengänge eröffnet dir neue Perspektiven. Es wird jedoch nicht möglich sein, alle Teammitglieder zufriedenzustellen. Wie bei einer echten Teambesprechung wird es auch beim inneren Dialog Aspekte geben, die unberücksichtigt bleiben müssen.

Du als Führungskraft triffst auf Basis der vorgetragenen Argumente die für dich beste Entscheidung. Auch hierbei kann es hilfreich sein, die Ergebnisse gemeinsam mit deinem Coach schriftlich festzuhalten.

Inneres Team Uebung

Inneres Team und Selbstreflexion: Ein Praxisbeispiel

Kommen wir noch einmal auf unser obiges Beispiel mit der geplanten Kündigung zurück. Die diffusen Stimmen sind zu Teammitgliedern geworden. Sie haben nun einen Namen und einen Leitsatz:

Der Selbstbewusste sagt: „Du bist hoch qualifiziert und findest jederzeit eine bessere Anstellung.“
Der Vernünftige sagt: „Triff keine übereilten Entscheidungen.“
Der Konfliktscheue sagt: „Lass alles beim Alten und vermeide den Bewerbungsstress.“
Der Mutige sagt: „Komm endlich ins Handeln.“
Der Ängstliche sagt: „Der Markt ist hart umkämpft.“

Nachdem du dir alle Teammitglieder angehört und sie nach Lautstärke sortiert hast, widmest du dich dem Thema Selbstreflexion. Gehen wir davon aus, dass sich der Selbstbewusste und der Mutige gegenseitig unterstützen. Beide Teammitglieder wollen dich davon überzeugen, dich beruflich umzuorientieren.

Die Stimmen des Konfliktscheuen und des Ängstlichen haben sich ebenfalls verbündet und versuchen, die anderen beiden Stimmen zu übertönen. Die Stimme des Vernünftigen hält sich im Hintergrund. Dieses Teammitglied befindet es nicht für nötig, zu prahlen, da es von seinen Argumenten absolut überzeugt ist.

Was sagt die Stimmung deines inneren Teams nun über dich als Führungskraft aus? Dein Wunsch nach beruflicher Veränderung ist groß, sonst hättest du dein inneres Team gar nicht erst einberufen. Die zweifelnden Stimmen wollen dich davor warnen, dich in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. Die optimistischen Stimmen deuten darauf hin, dass du im Grunde selbstbewusst und energisch sein kannst.

Wie kannst du dich entscheiden?

In diesem Beispiel halten sich Elan und Zweifel genau die Waage. Sinnvoll wäre es daher, einen Mittelweg zu finden, der in diesem Fall durch die Stimme des Vernünftigen verkörpert wird. Du beschließt, den Beruf zu wechseln, aber dabei strategisch vorzugehen. Statt in einem Anfall von Missmut spontan zu kündigen, reichst du deine Kündigung erst ein, nachdem du eine neue Stelle gefunden hast.

Welche anderen Coaching-Techniken können dir helfen?

Das Thema Selbstreflexion spielt für dein inneres Team eine entscheidende Rolle. Um hierzu in der Lage zu sein, musst du jedoch erst einmal Frieden mit deinem inneren Kind schließen. Hier findest du eine wissenschaftliche Definition zu dem Begriff Inneres Kind.

In der Kindheit wird eine Vielzahl an Glaubenssätzen geprägt. Sind diese eher negativer Natur, kann dich das im Erwachsenenleben blockieren. Die Arbeit mit deinem inneren Kind ist daher ein wesentlicher Bestandteil unserer Greator Coach Ausbildung. Im ersten Teil der Ausbildung arbeitest du deine eigenen Themen auf. Hierbei kommen bereits die Tools zur Anwendung, die du später in der Coachingpraxis benötigst.

Wenn du als Coach anderen Menschen helfen und dich gleichzeitig persönlich weiterentwickeln willst, ist unser Ausbildungsangebot eine interessante Option für dich. Du bist in Vollzeit berufstätig oder hast eine Familie zu versorgen? Kein Problem! Da es sich um eine Onlineausbildung handelt, sind zeitliche und örtliche Flexibilität jederzeit gewährleistet.

Haben wir dir deine Neugier geweckt? Dann findest du hier weitere Informationen zur Greator Coach Ausbildung.

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Geprüft von Dr. med. Stefan Frädrich

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