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Pragmatismus: So lernst du, Grübeleien zu vermeiden und zu handeln

Lesezeit von 8 Minuten
Pragmatismus: So lernst du, Grübeleien zu vermeiden und zu handeln

Während andere Menschen noch zögerlich das Für und Wider einer Entscheidung abwägen, ist ein Pragmatiker längst ins Handeln gekommen. Pragmatismus kann sich demzufolge als wertvolle Charaktereigenschaft erweisen. Dies gilt vor allem im Berufsleben. Dennoch hat allzu pragmatisches Handeln auch seine Nachteile. Im zwischenmenschlichen Bereich haben Pragmatiker oftmals ihre Schwierigkeiten.

Nachfolgend erfährst du, was Pragmatismus genau ist und wie du selbst pragmatischer werden kannst.

Was ist Pragmatismus?

Als Pragmatismus bezeichnet man, vereinfacht ausgedrückt, ergebnisorientiertes Handeln. Ein Pragmatiker tut, was getan werden muss, ohne sich den Kopf über Details zu zerbrechen. Dem praktischen Handeln kommt hierbei eine größere Bedeutung zu als der theoretischen Vernunft. Es ist keineswegs unüblich, dass Pragmatiker von gängigen Methoden abweichen, um ihre Ziele zu erreichen.

Beispiel: In den meisten Berufen müssen sich die Angestellten an vorgegebene Arbeitsabläufe halten. Sofern ein Pragmatiker Schwächen im Betriebssystem erkennt, wird er jedoch eigenmächtig von den Vorgaben abweichen und das jeweilige Problem auf eigene und praktische Weise lösen. Hierfür wird er sich nicht erst das Einverständnis seines Vorgesetzten einholen, geschweige denn auf Rückmeldung warten.

Häufig verwendete Synonyme für Pragmatismus sind:

  • Sachbezogenheit
  • Zweckmäßigkeit
  • Ergebnisorientierung
  • Anwendungsbezogenheit
  • praktische Veranlagung
  • Nüchternheit

Pragmatismus: Begriffserklärung aus philosophischer Sicht

Dem philosophischen Pragmatismus zufolge wird die Bedeutung der menschlichen Gedanken von der Auswirkung praktischer Handlungen bestimmt. Hierbei ist zu beachten, dass das menschliche Wissen fehlbar ist (Fallibilismus). Dementsprechend ist die persönliche Wahrheit bzw. Überzeugung von den zu erwarteten Ergebnissen einer Handlung abhängig.

Im Bereich der Philosophie gibt es verschiedene Definitionen von Pragmatismus. Die drei geläufigsten Begriffserklärungen möchten wir dir nachfolgend vorstellen.

Bedeutung 1: Laut Charles S. Peirce, dem Begründer des philosophischen Pragmatismus, ist Letzterer eine Methode, um Begriffe zu erklären. Es gilt nur noch das als Tatsache, was unabhängig geprüft und in praktischen Experimenten erwiesen wurde.

Bedeutung 2: Pragmatismus gilt als allgemeine philosophische Theorie der Erfahrung, der Wirklichkeit und des Wissens. Hierbei ist zu beachten, dass jeder Mensch eine subjektive Wirklichkeit erlebt. Das, was wir als Wissen und Wahrheit empfinden, ist durch neue Erfahrungen wandelbar.

Bedeutung 3: Pragmatismus ist gleichzusetzen mit Erkenntnistheorie. Laut dieser Auslegung haben Wirklichkeit, Moral und Rationalität keine emotionale Komponente, sondern sind als nüchterne Fakten zu betrachten.

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Die Geschichte des Pragmatismus

Pragmatismus entstand als philosophische Strömung im 19. Jahrhundert. Es handelte sich um die erste amerikanische Philosophie, die insbesondere im angelsächsischen Raum großen Anklang fand.

Der Begriff Pragmatismus kam erstmals im Jahr 1898 im Rahmen einer Vorlesung des US-amerikanischen Psychologen und Philosophen William James zur Sprache. Er verwies hierbei auf die Veröffentlichungen des Mathematikers, Logikers und Philosophen Charles S. Peirce aus dem Jahre 1878, in welchen dieser den praktischen Nutzen einer Handlung über die Theorie stellte: die heute geläufigste Grundidee des Pragmatismus.

Peirce schreibt u. a., dass man einen Begriff erst dann korrekt zu interpretieren vermag, sofern man Wirkungen und praktische Bezüge gleichermaßen berücksichtigt. Die Gedankengänge von Charles S. Peirce und William James wurden von dem amerikanischen Philosophen und Pädagogen John Dewey sowie von dem Soziologen und Philosophen George Herbert Mead fortgeführt.

Weitere Informationen zu Charles S. Pierce und William James findest du in folgender wissenschaftlicher Ausarbeitung.

Die wichtigsten Vertreter des modernen Pragmatismus

Im deutschen Sprachraum steht der Pragmatismus heutzutage vor allem mit der Konsens- und Kohärenztheorie – auch als Wahrheitstheorien bekannt – in Zusammenhang. Auch im Bereich der modernen Medienphilosophie spielt Pragmatismus eine wesentliche Rolle.

Zu den bekanntesten deutschen zeitgenössischen Persönlichkeiten, die sich mit dem Thema Pragmatismus befassen, zählen der Soziologe und Sozialphilosoph Hans Joas sowie der Medienphilosoph Mike Sandbothe. Der deutsche Philosoph Julian Nida-Rümelin, ausgewiesener Experte im Bereich der Entscheidungs- und Rationalitätstheorie, setzt sich für einen „pragmatischen Humanismus“ ein.

Auch in der internationalen Politik kommen pragmatische Ansätze zum Einsatz: Gunther Hellmann, ein angesehener Professor für Politikwissenschaften, wendet beispielsweise die pragmatische Verbindung von Erkenntnis- und Handlungstheorie an.

Wie lassen sich pragmatische Menschen beschreiben?

Pragmatische Menschen wirken auf den ersten Blick nicht selten emotional unterkühlt. Schließlich steht für sie das ergebnisorientierte Handeln im Vordergrund. Mögliche Konsequenzen ihrer Entscheidungen, auch und vor allem im zwischenmenschlichen Bereich, betrachten sie erst einmal als zweitrangig. Hauptsache, das Ergebnis stimmt: So lässt sich die Denkweise eines Pragmatikers vereinfacht erklären.

Ein Pragmatiker hält sich nicht mit unnützen Grübeleien auf. Es handelt sich um praktisch veranlagte Persönlichkeiten, die sich nicht vor harter Arbeit scheuen. Wenn ein pragmatischer Mensch beschlossen hat, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, wird er sofort mit der praktischen Umsetzung beginnen. Er wartet weder auf Rückversicherung durch andere Menschen, noch ist er auf Unterstützung angewiesen.

Für Freunde, Familie und Arbeitskollegen kann der Umgang mit einem Pragmatiker mitunter schwierig sein. Dies hängt einerseits natürlich damit zusammen, dass das ausnahmslos praktische Handeln mit emotionaler Kälte gleichgesetzt wird – was keinesfalls zwingend der Fall sein muss. Viele Pragmatiker werden diesbezüglich verkannt.

Andererseits halten Pragmatiker ihren zögerlichen Mitmenschen auf unliebsame Weise einen Spiegel vor. Es kann durchaus frustrierend sein, zu beobachten, wie der pragmatische Freund oder Kollege ein Projekt nach dem anderen erfolgreich abschließt, während man selbst noch nicht einmal weiß, wie und wo man mit dem ersten Schritt beginnen könnte.

Ist Pragmatismus eine positive oder negative Eigenschaft?

Pragmatismus ist als positive Eigenschaft zu betrachten, die dir in vielen Lebensbereichen den Weg zu Glück und Erfolg ebnen kann. Pragmatiker sind keine Träumer, sondern Menschen der Tat. Auch ein gewisses Maß an Realismus gehört dazu. Es ist sicherlich nicht verwerflich, von einer großen Karriere zu träumen oder sich vorzunehmen, den Lebensabend auf einer Jacht in der Karibik zu verbringen.

Pragmatische Menschen wissen jedoch, dass große Pläne leicht von äußeren Umständen durchkreuzt werden können. Statt von einem Wunder zu träumen, arbeiten sie mit den vorhandenen Ressourcen und machen aktiv das Beste aus ihrer aktuellen Lebenssituation. Aus diesem Grunde sind pragmatische Menschen oft sehr erfolgreich: Sie stecken sich realistische Ziele, die sie mithilfe ihrer praktischen Veranlagung erreichen können.

Pragmatiker wägen ab, was für sie im Leben wirklich wichtig ist. Zudem scheuen sie sich nicht vor der Erledigung unangenehmer Aufgaben. Dies verschafft ihnen im Berufsleben selbsterklärender Weise einen entscheidenden Vorteil. Lieber schaffen sie eine unliebsame Erledigung aus der Welt, als sich mit stundenlangen Debatten über deren Sinnhaftigkeit aufzuhalten. Pragmatismus wirkt demzufolge motivierend.

Die Schattenseite des Pragmatismus

Kaum ein Charaktermerkmal ist ausschließlich positiv. Dies gilt auch für den Pragmatismus. Die größten Schwierigkeiten bestehen, wie bereits kurz erwähnt, im zwischenmenschlichen Bereich. Pragmatiker haben oftmals wenig Verständnis für die Zögerlichkeit ihrer Mitmenschen. Sie verstehen nicht, welche emotionalen Blockaden andere Personen daran hindern, eine Aufgabe zu erledigen.

Demzufolge ist es kein Wunder, dass es zwischen pragmatisch und nachdenklich veranlagten Menschen zu Missverständnissen und Reibereien kommen kann. Insbesondere wenn zwei solch verschiedene Charaktere im Rahmen eines beruflichen Projekts zusammenarbeiten müssen, kann es mitunter schwierig werden.

Wie kann ich pragmatischer werden? Die 5 besten Tipps

Du neigst dazu, wichtige Angelegenheiten aufzuschieben? Du würdest gerne weniger grübeln und lieber schneller ins Handeln kommen? In diesem Fall kann ein wenig mehr Pragmatismus nicht schaden. Hierbei können dir die folgenden fünf Tipps helfen:

1. Mit wenig Aufwand maximalen Erfolg erzielen

Pragmatiker überlegen sich stets, wie sie mit dem geringsten Aufwand das bestmögliche Ergebnis erzielen können. Löse dich von dem Drang, jeden Arbeitsschritt bis ins kleinste Detail zu planen. Die Angst zu scheitern ist oftmals unbegründet und hängt nicht selten mit einem geringen Selbstwertgefühl zusammen. Pragmatisch veranlagte Menschen kennen derartige Ängste und (Selbst-)Zweifel nicht.

Vereinfacht ausgedrückt ist auch vom „Mut zur Lücke“ die Rede. Statt sich mit unnützen Informationen zu belasten, fokussieren Pragmatiker sich auf das Wesentliche.

2. Minimiere Zeiträuber

Pragmatische Menschen halten sich nicht mit unnützen Debatten oder anderen Zeiträubern auf. Beobachte dich im Alltag doch mal selbst und analysiere, für welche ineffektiven Tätigkeiten du besonders viel Energie vergeudest. Verbringst du beispielsweise eine lange Zeit am Telefon in Warteschleifen, wenn du einen Termin vereinbaren willst (z. B. beim Arzt)? Ein Pragmatiker würde eine Mail schreiben.

3. Arbeite an deinem Selbstbewusstsein

Wie bereits erwähnt, hat Pragmatismus eine Menge mit Selbstbewusstsein zu tun. Um pragmatisch denken und handeln zu können, gilt es also, dein Selbstbewusstsein gezielt zu stärken. Dies funktioniert beispielsweise, indem du dir deine bisherigen Erfolge vor Augen führst: Was hast du alles schon geleistet? Wo liegen deine Fachkompetenzen?

Du brauchst keine Rückversicherung durch andere Menschen und musst deine Entscheidungen auch nicht durch stundenlange Recherchen überprüfen. Vertraue auf dein Können. Du weißt, was richtig ist.

4. Fange klein an

Übe das pragmatische Handeln zunächst bei weniger wichtigen Entscheidungen, um eine gewisse Routine und Sicherheit zu gewinnen. Wenn Letzteres gut funktioniert, dann wage dich schrittweise weiter vor. Irgendwann wird es dir gelingen, auch elementare Lebensentscheidungen unter pragmatischen Gesichtspunkten zu treffen.

5. Nicht grübeln, sondern handeln

So simpel es auch klingen mag: Die beste Methode, um Pragmatismus zu erlernen, besteht darin, nicht mehr zu zögern. Lasse die Theorie einfach mal Theorie sein. Vertraue deiner Intuition und handle, wenn es etwas zu entscheiden gibt. Wer immer alles zerdenkt, kann wichtige Chancen verpassen.

Zugegeben, dies mag am Anfang ein wenig Überwindung kosten. Je öfter du jedoch positive Erfahrungen machst, umso leichter wird dir das pragmatische Verhalten künftig von der Hand gehen.

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Beispiele für pragmatisches Handeln

Was Pragmatismus wirklich bedeutet, lässt sich am besten anhand von einigen Alltagsbeispielen verdeutlichen. Lasse dich inspirieren:

1. Ein Handwerker hämmert einen Nagel ein, wobei ihm der Hammer aus der Hand fällt. Da er oben auf einem Gerüst sitzt, würde es sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, hinunterzuklettern, um das Werkzeug zu holen. Stattdessen zieht der Handwerker kurz entschlossen seinen Arbeitsstiefel mit Stahlkappe aus und fährt mit seiner Arbeit fort.

Hier haben wir gleich zwei Merkmale des Pragmatismus: Der Handwerker entscheidet unkonventionell, indem er auf den Gebrauch eines klassischen Werkzeugs verzichtet. Zudem konnte mit dem kleinstmöglichen Aufwand das bestmögliche Ergebnis erzielt werden: Der Nagel wurde ohne Zeitverzögerung eingehämmert.

2. Ein pragmatisch veranlagter Student bereitet sich auf eine wichtige Prüfung vor. Er analysiert ganz genau, was bereits gelernt wurde und konzentriert sich ausschließlich auf die Themen, die laut Ankündigung abgefragt werden. Hierzu hat er sich praktische Karteikarten vorbereitet.

Sein nachdenklich veranlagter Kommilitone möchte hingegen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und wälzt am Vorabend der Prüfung noch ein neues Fachbuch zum Prüfungsthema.

Er belastet sich mit Unmengen an (teilweise unnützen) Informationen, was seine Nervosität steigert und ihn daran hindert, sich auf die wesentlichen Prüfungsinhalte zu konzentrieren. Letztendlich schreibt der Pragmatiker die bessere Note.

Dass Pragmatiker grundsätzlich effektiver lernen, ist sogar wissenschaftlich belegt.

Fazit: Pragmatismus kann man erlernen

Pragmatismus ist eine überaus nützliche Eigenschaft, die dir in vielen Bereichen das Leben erleichtern kann. Im Berufsleben sind Pragmatiker häufig erfolgreicher als nachdenkliche Charaktertypen. Statt alle Eventualitäten bis ins kleinste Detail zu zerdenken, ergreifen Pragmatiker kurzerhand die Chancen, die sich ihnen bieten. Pragmatiker zögern nicht: Sie treffen eine Entscheidung und handeln sofort.

Eine gewisse Veranlagung zum Pragmatismus ist sicherlich angeboren, aber auch ein nachdenklich veranlagter Mensch kann an seinen pragmatischen Fähigkeiten arbeiten. Dies gelingt primär durch eine Stärkung des Selbstbewusstseins.

Auch der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser kann hilfreich sein: Gewöhne dir an, bei einem Problem sofort zu handeln und dir übermäßiges Grübeln nicht mehr zu erlauben. Sobald du feststellst, dass du auf diese Weise Erfolge erzielst, wird es dir immer leichter fallen.

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