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Emotionale Entwicklung: So wirst du emotional intelligent und empathisch

Lesezeit von 7 Minuten
Emotionale Entwicklung: So wirst du emotional intelligent und empathisch

Sie lachen lauthals und uns geht das Herz auf. Manchmal weinen sie bitterlich, sodass uns fast selbst die Tränen kommen. Sie schreien sich die Seele aus dem Leib und unser Herz blutet: Kinder verleihen ihren Emotionen ungehindert Ausdruck, denn die Kleinen nehmen sie viel intensiver wahr als wir Erwachsene.

Kinder müssen erst lernen, wie sie richtig damit umgehen können. Das ist ein wichtiger Punkt, auf dem die emotionale Entwicklung ebenfalls aufbaut. Was genau es damit auf sich hat und wie du deinen Nachwuchs in dieser Hinsicht unterstützen kannst, liest du hier.

Was ist die emotionale Entwicklung?

Emotionen begleiten uns unser ganzes Leben lang. Schon von der ersten Sekunde an durchleben wir sie. Direkt nach der Geburt haben die meisten von uns die Welt mit einem Schrei begrüßt, weil wir erst einmal verstehen mussten, warum wir plötzlich nicht mehr im schützenden Bauch unserer Mutter bleiben durften. Unzählige neue Einflüsse prasselten auf uns ein und das kann erst einmal beunruhigend sein.

Aber je älter wir werden, desto besser können wir unsere Gefühle steuern, denn wir durchleben eine emotionale Entwicklung. Dank ihr sind wir in der Lage, unsere Emotionen zu verstehen und zu verarbeiten. Wir lernen zu verstehen, warum wir sie verspüren und auch, wie wir negative Gefühle überwinden können. Die emotionale Entwicklung umfasst auch, sich in Empathie zu üben und die Gefühlslage anderer richtig zu deuten.

Emotionale Entwicklung: 3 Theorien im Porträt

Es gibt verschiedene Theorien, wie genau die emotionale Entwicklung abläuft. Eine der wichtigsten Fragen hierbei lautet unter anderem: Sind Emotionen angeboren? Wir haben die drei bekanntesten Theorien für dich zusammengefasst.

1. Die Theorie der Basisemotionen

Die US-amerikanischen Psychologen Carroll Izard und Silvan Tomkins gingen in den 1960er Jahren davon aus, dass Emotionen angeboren sind und deshalb selbst kleine Kinder schon in der Lage sind, sie voneinander abzugrenzen. Laut ihnen gibt es gewisse Basisemotionen, die jeder Mensch empfindet und auf denen andere Gefühle aufbauen können.

Dazu gehören laut Tomkins Angst, Ekel, Freude, Interesse, Not, Scham, Überraschung und Wut. Izard ergänzte diese Liste durch Traurigkeit, Schüchternheit, Selbstfeindschaft und Verachtung.

Außerdem gingen beide davon aus, dass jede Emotion mit einer körperlichen Reaktion verbunden ist. So haben wir den Drang, wegzulaufen, wenn wir Angst haben, lachen, wenn wir Freude verspüren oder weiten unsere Augen, wenn wir überrascht sind.

2. Die Differenzierungstheorie

Die Differenzierungstheorie stammt aus der Feder des US-amerikanischen Psychologen Alan Sroufe. In den 1970er Jahren begann er seine Arbeit daran und vertritt die Meinung, dass Emotionen nicht von der Geburt an differenziert werden können. Er definiert lediglich drei grundlegende Gefühle, die sich im Laufe des Lebens zu komplexeren Formen entwickeln: Freude, Wut sowie Angst.

Sie sind die einzigen Emotionen, die bereits von Geburt an bestehen. Über die Jahre durchlaufen wir eine emotionale Entwicklung, dank der wir neue Gefühle wahrnehmen können. So kann aus Freude beispielsweise Vergnügen werden, Wut geht in Frustration über und Angst wird zu Misstrauen.

3. Der Funktionalistische Ansatz

In den 1990er Jahren beschäftigte sich auch der US-amerikanische Psychologe Joseph Campos mit dem Thema emotionale Entwicklung und rief den funktionalistischen Ansatz ins Leben. Seinen Annahmen zufolge sind keinerlei Emotionen angeboren. Wir lernen sie von unserem sozialen Umfeld, weshalb sie von Mensch zu Mensch stark variieren können.

Beobachten wir unsere Eltern im Kleinkindalter immer wieder dabei, wie sie sich über schönes Wetter freuen, werden wir das übernehmen. Sehen wir hingegen, dass sie Ekel verspüren, wenn sie eine Spinne im Haus finden, wird auch das mit hoher Wahrscheinlichkeit auf uns übergehen. Das gilt zumindest so lange, bis wir eigene Erfahrungen gesammelt haben, anhand deren wir unsere emotionale Entwicklung fortführen.

emotionale entwicklung kind tabelle

Wie entwickeln sich Emotionen bei Kindern?

Die emotionale Entwicklung beginnt bereits in den ersten Monaten des Lebens. Ab dem dritten Lebensmonat können Kinder grundlegende Gefühle wie Freude, Traurigkeit, Interesse, Überraschung, aber auch Angst und Ärger verspüren. Sie bewältigen sie vorwiegend durch das Lutschen am Daumen oder an Spielsachen und mit der Hilfe tröstender Eltern. In diesem zarten Alter sind Kinder sogar schon in der Lage, Emotionen nachzuahmen oder sich von anderen damit anstecken zu lassen.

Das 2. Lebensjahr

Ab dem zweiten Lebensjahr können Kinder ihren Gefühlen langsam durch Worte Ausdruck verleihen. Außerdem verspüren sie deutlich differenziertere Emotionen wie Stolz, Schuld, Neid und auch Scham. Grund dafür ist, dass sie immer selbstbewusster werden und anfangen, sich mit anderen Kindern auf dem Spielplatz oder in der Krabbelgruppe zu vergleichen.

Sie entwickeln zudem neue Methoden, wie sie all diese neuen Emotionen regulieren können, z. B. indem sie ihr liebstes Kuscheltier ganz fest an sich drücken oder aber auch etwas treten oder umwerfen.

Allerdings haben Kinder in diesem Alter oft Schwierigkeiten zu unterscheiden, was sie selbst und was andere fühlen, denn sie reagieren immer stärker auf die Emotionen anderer.

Das 3. Lebensjahr

Ab dem dritten Lebensjahr wird es heimtückisch, denn die Kinder lernen nun langsam, ihre Gefühle zu verstecken und gewisse Emotionen vorzutäuschen. Sie haben erkannt, dass sie damit bestimmte Reaktionen ihrer Mitmenschen auslösen können.

Die Kleinen lernen in diesem Alter aber auch, dass Emotionen eine Folge von gewissen Prozessen sind, die sie nicht einfach nur grundlos überkommen. Auf die Frage, warum sie gerade traurig sind, können sie auch eine Antwort liefern. Zudem sind sie mittlerweile in der Lage, wahres Mitleid zu empfinden.

Ab dem 4. Lebensjahr

In diesem Alter fällt es den Kindern noch schwer, die Emotionen ihrer Freunde zu deuten, auch wenn sie schon Mitgefühl empfinden können. Sie gehen aber immer häufiger auf die Gefühle ihrer Liebsten ein und bemühen sich, nachzuvollziehen, warum sie sich gerade so fühlen. Sie sind mittlerweile auch in der Lage, die eigenen Emotionen ganz klar von denen der anderen abzugrenzen – lassen sich also nicht mehr so leicht von Gefühlen aus der Umgebung mitreißen.

Kinder ab dem vierten Lebensjahr können auch langsam mehrere Emotionen gleichzeitig empfinden. So können sie sich beispielsweise auf ein bevorstehendes Ereignis freuen, aber auch aufgeregt sein. All diese Emotionen regulieren sie jetzt auf vielfältige Weise. Da ihr Wortschatz immer größer wird, führen sie Selbstgespräche oder unterhalten sich mit den Eltern oder Geschwistern darüber. Oft versuchen sie ihren Gefühlen auch durch Bewegung Luft zu machen.

Ab dem 6. Lebensjahr

Kinder sind ab dem sechsten Lebensjahr in der Lage, ihre Emotionen zu kontrollieren und an die aktuelle Situation anzupassen. Sie haben sich mittlerweile ein komplexes emotionales Wissen angeeignet und sind deshalb fähig darauf zu achten, dass keine Situationen entstehen, die ihre Liebsten unglücklich machen. Sie verstehen außerdem, warum andere gerade gewisse Gefühle zeigen und können sie sogar in Relation zum Charakter dieser Person, aber auch zu deren Erlebnissen und Erfahrungen setzen.

emotionale entwicklung bei kindern

Wie fördert man die emotionale Entwicklung?

Je jünger ein Kind ist, desto mehr Unterstützung braucht es von dessen Eltern für die emotionale Entwicklung. Doch viele Erziehungsberechtigte wissen gar nicht so recht, wie sie das anstellen sollen, denn sie gehen davon aus, die Dinge werden schon ihren Lauf nehmen. Das stimmt auch, aber als Elternteil kannst du einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass sich dein Kind zu einem emotional stabilen Erwachsenen entwickelt, der keine Angst vor Gefühlen hat und Empathie zeigen kann.

Du gehst dabei als Vorbild voran. Zeige deinem Kind, dass es völlig normal ist, Emotionen zu empfinden und diese auch zu zeigen. Gefühle in sich hineinzufressen ist nie der richtige Weg und kann dazu führen, dass all die angestauten Emotionen irgendwann einfach aus deinem Kind ausbrechen. In jungen Jahren kann es mit einer derart große Welle an Gefühlen noch nicht umgehen. Sprich mit deinem Nachwuchs über dessen Gefühle und nimm sie ernst. Spiele sie nicht herunter, sondern finde gemeinsam mit ihm heraus, warum er sie empfindet und wie er am besten damit umgehen sollte.

Damit dein Kind lernt, Empathie zu zeigen und zu verstehen, dass auch andere Menschen gewisse Emotionen zeigen, ist es wichtig, ihm schon früh soziale Kontakte zu ermöglichen. Eltern-Kind-Gruppen, Krabbelgruppen und natürlich auch der Kindergarten sind hierfür wertvolle Anlaufstellen.

Wann beginnt die sozial-emotionale Entwicklung?

Die emotionale Entwicklung beginnt schon im Kleinkindalter. Wir lernen langsam aber sicher, warum wir gewisse Gefühle verspüren, wie wir damit umgehen sollen und können uns immer besser in unsere Mitmenschen hineinversetzen. Über die Jahre entwickeln wir so eine emotionale Kompetenz, die uns nicht nur dabei hilft, besser mit unseren Mitmenschen auszukommen, sondern auch dabei, selbstbewusst durchs Leben zu gehen.

Emotionen stehen in ganz engem Zusammenhang mit sozialer Kompetenz. Schon im Alter von wenigen Monaten versuchen Kinder, anhand der Mimik der Erwachsenen zu erkennen, wie sie sich gerade fühlen. Sie machen also nicht nur eine emotionale, sondern auch eine sozial-emotionale Entwicklung durch. Vor allem in Situationen, die Kinder noch nicht kennen, lässt sich diese Entwicklung wunderbar beobachten. Ihr Blick wandert sofort zu den Eltern, um zu sehen, wie sie reagieren. Dieses Verhalten übernehmen sie und werden das nächste Mal, wenn eine derartige Situation auftritt, ähnlich reagieren.

Aber auch Erfahrungen spielen eine wichtige Rolle. Hat das Kind beispielsweise gelernt, dass eine Wespe zustechen und damit Schmerzen auslösen kann, wird es sich in Zukunft aus Angst vor einem erneuten Stich von den Insekten fernhalten. Kurz gesagt, hat eine Situation eine gewisse Emotion ausgelöst, die wiederum zu einem Lerneffekt geführt hat. Die Art und Weise, wie Kinder mit ihren Emotionen umgehen, wirkt sich ebenfalls auf das soziale Miteinander aus. Haben sie die eigenen Gefühle im Griff und reagieren emotional angemessen auf gewisse Situationen, wird der Umgang mit ihnen deutlich leichter.

Sozial-emotionale Lernprozesse im Erwachsenenalter

Im Erwachsenenalter ist die sozial-emotionale Entwicklung abgeschlossen. Dann ist der Mensch in der Lage, die eigenen Gefühle und auch die seiner Mitmenschen zu verstehen und einzuordnen. Anhand von Mimik, Gestik und Tonfall kann er erkennen, wie es seinem Gegenüber gerade geht und entsprechend reagieren. Er hat sich also zu einem emotional intelligenten Menschen entwickelt.

Das bedeutet aber nicht, dass er nichts mehr dazulernt. Emotionale Kompetenzen entwickeln sich das ganze Leben lang weiter, sofern der Wille da ist, sie zu optimieren. Denn wie heißt es so schön? Leben heißt Lernen.

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