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Frauen in Führungspositionen: Darum sind sie immer noch unterbesetzt

Lesezeit von 6 Minuten
Frauen in Führungspositionen: Darum sind sie immer noch unterbesetzt

Obwohl der Anteil weiblicher Führungskräfte in den vergangenen Jahren gestiegen ist, sind Frauen in Führungspositionen hierzulande noch immer unterbesetzt. Die Ursachen hierfür sind vielfältiger und komplexer Natur. Eines steht jedoch außer Frage: Frauen stehen ihren männlichen Kollegen in nichts nach, was Arbeitsleistung und Führungskompetenz betrifft.

Aber warum scheinen die Führungsriege großer Unternehmen sowie wichtige politische Ämter immer noch eine Männerdomäne zu sein? Und was müsste geschehen, um den Anteil weiblicher Führungskräfte zu erhöhen? Damit möchten wir uns nachfolgend näher befassen.

Warum gibt es so wenige Frauen in Führungspositionen?

Wie einleitend erwähnt, sind die Gründe für die Unterrepräsentation von Frauen in Führungsbereichen vielschichtiger Natur. Ein wesentlicher Faktor ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Obwohl sich die traditionellen Rollenbilder immer mehr verflüchtigen und auch Väter in Elternzeit gehen können, sind es dennoch meist die Frauen, die zugunsten der Kindererziehung auf ihre Karriere verzichten.

Eine weitere Ursache liegt in der Unternehmenskultur zahlreicher männerdominierter Betriebe. Eine Umfrage des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend hat das Mentalitätsmuster von Männern in Führungspositionen beleuchtet. Demzufolge gibt es drei männliche Grundhaltungen, die weiblichen potenziellen Führungskräften den Aufstieg erschweren:

  1. Konservative Grundhaltung: Frauen werden kulturell wegen ihres Geschlechts als Führungskraft abgelehnt.
  2. Emanzipierte Grundhaltung mit Einschränkungen: Frauen sind zwar fachlich qualifiziert, können ihre Machtposition aber schlechter verteidigen.
  3. Radikaler Individualismus: Das Geschlecht spielt keine Rolle, es mangelt jedoch an ausreichend flexiblen und authentischen weiblichen Führungspersonen.

Weniger Existenzgründungen durch Frauen

Statistiken zufolge gehen Frauen seltener den Schritt der Unternehmensgründung, was ein weiterer Faktor für ihre Unterrepräsentation in den Chefetagen ist. Die zögerliche Gründungstätigkeit hängt einerseits mit der guten Arbeitsmarktperspektive für weibliche Fachkräfte zusammen, allerdings dürfte auch die Familienplanung eine Rolle spielen.

Anders als im Angestelltenverhältnis kann eine Unternehmerin ihrem Betrieb kaum für einen längeren Zeitraum fernbleiben. Die Frauen müssen sich also entscheiden: Gründe ich ein Unternehmen oder eine Familie?

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Frauen in Führungspositionen: Was sagt die Statistik?

Zuvor haben wir erläutert, dass es (zu) wenige Frauen in Führungspositionen gibt. Aber was bedeutet dies konkret in Zahlen ausgedrückt? Zur besseren Veranschaulichung möchten wir die Statistik im deutschsprachigen Raum mit der weltweiten Statistik vergleichen.

Frauen in Führungspositionen in Deutschland

In Deutschland beträgt der Anteil von Frauen in Führungspositionen 30,8 %. Mit diesem Ergebnis liegt Deutschland im europaweiten Vergleich an 11. Stelle und somit unter dem EU-Durchschnitt.

Frauen in Führungspositionen in Österreich

In Österreich sind 30,5 % der Führungskräfte weiblich, womit Österreich im europaweiten Vergleich an 12. Stelle und hinter Deutschland liegt.

Frauen in Führungspositionen in der Schweiz

Laut aktueller Datenerhebung von Statista aus dem Jahr 2022 haben sich für die Schweiz folgende Zahlen ergeben, was Frauen in Führungspositionen anbetrifft:

  • Topmanagement: 17 %
  • Mittlere Managementebene: 22 %
  • Untere Managementebene: 23 %
  • Unterste Managementebene: 35 %

Frauen in Führungspositionen weltweit

In Europa beträgt der Anteil von Frauen in Führungspositionen 32,5 %. Weltweit ist die Frauenquote etwas niedriger und liegt ungefähr bei 30 %. Diese Ergebnisse gehen auf den „Women in Business- Report" aus dem Jahre 2021 zurück.

Sind Frauen in Führungspositionen erfolgreicher?

Natürlich ist für den Erfolg in einer Führungsposition nicht das Geschlecht, sondern immer noch die fachliche und persönliche Kompetenz entscheidend. Dass Frauen generell die besseren Führungskräfte sind, lässt sich daher nicht pauschal sagen.

Fakt ist jedoch, dass Frauen rund die Hälfte der Hochschulabsolventen ausmachen und der Großteil des Fach- und Führungskräftenachwuchses somit zumindest zur Hälfte weiblich sein müsste. In der Praxis sieht dies leider anders aus, obwohl Unternehmen durchaus von einem höheren Frauenanteil in Führungspositionen profitieren würden.

Welche besonderen Fähigkeiten weibliche Führungskräfte potenziell auszeichnen, haben wir nachfolgend zusammengefasst:

1. Weniger Machtkämpfe

Weibliche Führungskräfte denken weniger hierarchisch. Das bedeutet, dass sie oftmals konstruktiver mit Kritik umgehen können als ihre männlichen Kollegen und lösungsorientiert handeln.

2. Meinungsvielfalt im Unternehmen

Frauen setzen sich mit Problemen und Herausforderungen auf eine andere Art auseinander als Männer. Der Blickwinkel beider Geschlechter verhilft zu erfolgreichen Lösungsstrategien.

3. Besseres Arbeitgeberimage

Unternehmen, deren Frauenanteil hoch ist – sowohl in Führungspositionen als auch in der Belegschaft insgesamt – werden als moderner Arbeitgeber wahrgenommen und sind daher für Fachkräfte attraktiver.

4. Bessere Teamarbeit

Frauen erweisen sich in vielen Situationen teamfähiger als Männer. Es fällt ihnen in der Regel leicht, den Belangen der Belegschaft Gehör zu schenken und entsprechend zu kooperieren. Ein positives Arbeitsklima steigert wiederum den Unternehmenserfolg.

5. Gesteigerte Anerkennung bei weiblichen Kunden

Studien belegen, dass weibliche Kundschaft ein Unternehmen besser bewertet, wenn Frauen in Führungspositionen präsent sind und sich das Personalmanagement für die Karriereförderung von Frauen einsetzt.

Was hält Frauen von Führungspositionen ab?

Obwohl oftmals das Gegenteil beteuert wird, zeigt sich in der Praxis, dass die alten Rollenbilder noch immer einen negativen Einfluss auf die Karrierechancen von Frauen haben. Das Bild eines typischen Chefs ist in der Regel männlich geprägt. Da die meisten Führungspositionen zudem männlich besetzt sind, obliegt es den Vorgesetzten, gezielt weibliche Mitarbeiter zu fördern.

Hier könnte durchaus eine Schwierigkeit bestehen: So manch konservativer Vorgesetzter bevorzugt einen männlichen Nachfolger und fördert seine Mitarbeiterinnen daher nicht ausreichend. Hier spielen die bereits erläuterten Mentalitätsmuster von Männern in Führungspositionen eine zentrale Rolle.

Weiterhin ist die mangelnde Flexibilität in zahlreichen Unternehmen zu nennen, was zur Folge hat, dass Frauen sich zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen. Ein aktuelles Beispiel sind die Entwicklungen in der Coronapandemie. Oftmals sind es die Mütter gewesen, die der Doppelbelastung von Arbeit und Homeschooling ausgesetzt gewesen sind.

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Frauen in Führungspositionen: Hindernisse und Brücken

Trotz der genannten Hindernisse wächst der Anteil von Frauen in Führungspositionen weltweit langsam, aber dennoch kontinuierlich. Die Frage lautet also: Was müsste passieren, damit (noch) mehr Frauen in Führungspositionen arbeiten können? Dass sich der Anteil von weiblichen Führungskräften ohne entsprechende Förderung weiter vergrößert, ist nämlich zu bezweifeln.

In diesem Zusammenhang kommen wir noch einmal auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sprechen. Von den wenigen Chefinnen, die es gibt, sind 72 % kinderlos, wie die 5. Bilanz der Chancengleichheit des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend belegt. Die Doppelbelastung zwischen Kinderbetreuung und Beruf ist also ein gewichtiges Karrierehindernis.

Um eine Brücke zu bauen, wären flexiblere Arbeitszeitmodelle eine Lösung. Manche Unternehmen setzen bereits entsprechende Konzepte um. Auch jede einzelne Frau selbst kann etwas dazu beitragen, bei der Karriereplanung künftig nicht mehr übersehen zu werden. Folgende Tipps können dich unterstützen:

  1. Zurückhaltung ist keine Tugend, wenn es um deine Karriere geht. Signalisiere deine Karriereambitionen und hebe deine Erfolge hervor.
  2. Sei im Unternehmen präsent. Nehme an Konferenzen, Meetings und Events teil, sofern dies möglich ist.
  3. Knüpfe möglichst viele Kontakte. Ein stabiles Arbeitsnetzwerk kann dich auf deinem Karriereweg unterstützen.
  4. Traue dir selbst etwas zu! Viele Frauen zweifeln zu sehr an ihren eigenen Kompetenzen.

Wie die obigen Tipps es bereits deutlich machen, ist die vermeintlich höfliche Zurückhaltung ebenfalls ein Faktor, welcher die Karriere von Frauen behindert. Viele Mädchen werden noch immer zur Bescheidenheit erzogen, während es Jungen erlaubt ist, lautstark auf ihre Erfolge aufmerksam zu machen. Löse dich von diesen alten Mustern und trete selbstbewusst auf.

Fazit: (Mehr) Frauen in Führungspositionen können ein Unternehmen bereichern

Kaum ein Thema wird in der Geschäftswelt so leidenschaftlich diskutiert wie die Frauenquote. Obwohl es zahlreiche Programme zur Frauenförderung gibt, spricht die geringe Anzahl von weiblichen Führungskräften eine deutliche Sprache: Es muss sich noch mehr verändern. In manchen Unternehmen ist sogar eine grundlegende Änderung der Unternehmenskultur notwendig.

Dass Unternehmen von einem höheren Frauenanteil in der Führungsetage profitieren, geht aus mehreren repräsentativen Studien hervor. Die Fähigkeiten von weiblichen und männlichen Führungskräften ergänzen sich im Idealfall. Durch zufriedene Kundschaft und ein angenehmes Arbeitsklima steigt der Unternehmenserfolg. Unternehmen sollten also das bestehende Potenzial weiblicher Führungskräfte erkennen und nutzen.

Sofern du als Frau eine Führungsposition anstrebst, gilt es in erster Linie, dich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Möglicherweise musst du noch durchsetzungsstärker auftreten als deine männlichen Kollegen und vielleicht sogar ein klein wenig härter arbeiten. Setze dich für deine Karriereziele ein und vertraue auf deine Stärken.

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