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Beziehungsunfähig: So befreist du dich von deinen Bindungsängsten

Lesezeit von 8 Minuten
Beziehungsunfähig: So befreist du dich von deinen Bindungsängsten

Gehen deine Beziehungen regelmäßig in die Brüche und dauern nie länger als wenige Wochen oder Monate? Machen dich die wechselnden Partnerschaften unglücklich? Dann könntest du beziehungsunfähig sein. Was erst einmal bedrohlich klingt, ist in der heutigen Gesellschaft keine Seltenheit mehr. Experten wie der bekannte Autor Michael Nast sprechen von sogar von der „Generation beziehungsunfähig“.

Für dieses Phänomen existieren mehrere Erklärungsansätze. So könnten beispielsweise der Wandel der Geschlechterrollen sowie die starke Individualisierung in unserer Gesellschaft eine wesentliche Rolle spielen. Ausschlaggebend für Beziehungsunfähigkeit sind jedoch meist persönliche Hintergründe, auf die wir im Folgenden näher eingehen möchten.

Möglicherweise liest du diesen Artikel, weil du vermutest, dass dein Partner oder deine Partnerin beziehungsunfähig sein könnte. Dies ist für dich zweifelsohne eine schwierige Situation. Wir zeigen dir, wie du deinen Partner dabei unterstützen kannst, seine Beziehungsunfähigkeit zu überwinden. Vorausgesetzt natürlich, er oder sie ist dazu bereit.

Wann gilt jemand als beziehungsunfähig?

Als beziehungsunfähig gelten Menschen, die sich zwar nach einer Partnerschaft sehnen, aber nicht in der Lage sind, diese aufrecht zu erhalten. Ein wesentliches Merkmal sind ständig wechselnde Beziehungen, die jeweils nur für einen kurzen Zeitraum bestehen. Der Anlass, die frisch eingegangene Partnerschaft vorschnell wieder zu beenden, resultiert meist aus einem Gefühl der Einengung.

In der Psychologie ist der Begriff Beziehungsunfähigkeit jedoch nicht ganz unumstritten. Grundsätzlich ist jedem Menschen das Bedürfnis nach Liebe und Bindung angeboren. Das bedeutet, dass niemand beziehungsunfähig auf die Welt kommt. Sofern Psychologen von Beziehungsunfähigkeit sprechen, so ist hiermit eine im Laufe des Lebens erworbene Verhaltensweise gemeint.

Männer und Frauen sind übrigens gleichermaßen von Beziehungsunfähigkeit betroffen. Es handelt sich nicht um eine Frage des Geschlechts. Entscheidend sind vielmehr die persönliche Mentalität sowie erlebte Traumata, die zu Bindungsängsten geführt haben. In welchem Maße die Betroffenen aufgrund ihrer Beziehungsunfähigkeit Leidensdruck empfinden, ist individuell verschieden.

beziehungsunfaehig symptome

Beziehungsunfähig – 5 mögliche Ursachen

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei der Beziehungsunfähigkeit um eine erworbene Verhaltensweise. Folgende Faktoren können ursächlich sein:

1. Bindungsängste

Bindungsängste gelten als eine der Hauptursachen für das wiederholte Scheitern von Partnerschaften. Wer beziehungsunfähig ist, hat in der Vergangenheit oft schlechte Erfahrungen gemacht. Ein prägnantes Beispiel sind Scheidungskinder: Wer den Rosenkrieg der eigenen Eltern miterlebt hat, entwickelt nicht selten eine unbewusste Angst vor Bindungen. Man hat schließlich gelernt, dass diese zu Schmerz und Leid führen.

Der Zusammenhang zwischen der Scheidung der eigenen Eltern und Bindungsängsten im späteren Leben ist wissenschaftlich gut untersucht – wie aus dieser Studie hervorgeht.

Auch der Verlust von Bezugspersonen in der Kindheit (z. B. durch Todesfälle) oder traumatische Trennungen im jungen Erwachsenenalter können Bindungsängste auslösen. Der Wunsch, solch einen intensiven seelischen Schmerz nicht noch einmal durchmachen zu müssen, ist durchaus nachvollziehbar. Dies äußert sich durch die Vermeidung von Beziehungen: „Wenn ich nicht mehr liebe, kann ich auch keinen Verlust mehr erleben.“

2. Angst vor Selbstaufgabe

Eine Beziehung zu führen erfordert das Eingehen von Kompromissen. Manche Menschen sind dazu nicht bereit. Sie fürchten sich regelrecht davor, dass ihre eigenen Lebenspläne durch die Zukunftsvorstellungen des Partners boykottiert werden könnten. Manchmal ist diese Sorge gar nicht so unbegründet: Nehmen wir als Beispiel das heikle Thema Kinderwunsch.

Ein Mann, der sehr auf seine Karriere fokussiert ist, verspürt oftmals die Angst, dass er als Familienvater in seinem Beruf nicht mehr so gut vorankommt. Den Wunsch der Partnerin nach einer Familie zu erfüllen, käme in diesem Fall eine Selbstaufgabe gleich: Das, was ihm wichtig ist, wäre in seiner Vorstellung nicht mehr möglich. Ob dies der Realität entspricht, sei dahingestellt. Entscheidend sind die Ängste und Erfahrungen aus der eigenen Kindheit.

Tatsächlich ist Selbstaufgabe in einer gesunden Beziehung nicht die Lösung. Gemeinsam sollte man schauen, ob es einen Weg gibt, die Zukunft so zu gestalten, dass beide Partner glücklich sind. Dazu ist eine authentische Kommunikation die Grundvoraussetzung. Klaffen die Vorstellungen jedoch zu weit auseinander, ist eine Trennung besser. Dominiert die Angst vor einer möglichen Selbstaufgabe ohne reellen Anlass, so spricht dies für Beziehungsunfähigkeit.

3. Geringer Selbstwert

Seinen Selbstwert über den Partner zu definieren, gilt ebenfalls als eine Form der Beziehungsunfähigkeit. Im Vordergrund der Verbindung steht nicht die Liebe, sondern das eigene Ego: „Schaut her, ich habe einen tollen Mann / eine tolle Frau. Ich bin begehrenswert.“ Die Ursachen eines geringen Selbstwertgefühls resultieren, genau wie die Bindungsangst, meist aus schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit.

Es ist selbsterklärend, dass der Partner sich das nicht lange gefallen lässt. Niemand möchte lediglich als Trophäe betrachtet werden. Infolgedessen geht die Beziehung meist nach einer kurzen Zeit auseinander. Da das Ego des beziehungsunfähigen Partners jedoch von einer Partnerschaft abhängig ist, wird er sich schon bald eine neue Partie suchen.

4. Engstirnigkeit

Hast du eine ganz konkrete Vorstellung von deinem Traumpartner? Ansprüche zu haben ist keineswegs verwerflich, zu viel Engstirnigkeit kann dich jedoch regelrecht beziehungsunfähig machen. Den perfekten Partner gibt es nicht! Jeder Mensch hat seine Ecken und Kanten. Lerne dies zu akzeptieren und potenzielle Kandidaten nicht aufgrund von Kleinigkeiten zu verurteilen. Nimm dir Zeit, den Menschen kennenzulernen.

5. Die Angst, etwas zu verpassen

Sicherlich hast du schon mal etwas von der sogenannten Midlife-Crisis gehört. Häufig sind Männer (aber auch Frauen) in den mittleren Lebensjahren betroffen. Sie fragen sich plötzlich, ob das Leben nicht noch mehr für sie bereithält. Kann das schon alles gewesen sein? Diese Frage ist mitunter sehr quälend und stellt alles infrage: auch das Thema Partnerschaft.

Im Extremfall beginnen Betroffene, sich von einer Partnerschaft in die nächste zu stürzen: Schließlich ist das Leben kurz und man will nichts versäumen. Dabei passiert jedoch genau das: Auf der ständigen Jagd nach einer besseren Gelegenheit bleibt die wahre Liebe auf der Strecke.

Wie äußert sich, dass ich beziehungsunfähig bin?

Beziehungsunfähigkeit kann mehrere Gesichter haben. Man unterscheidet vor allem zwischen zwei Hauptfacetten: Klammern und Vermeidung. Bei Letzterem wird eine Beziehung gar nicht erst eingegangen oder sofort beendet, sobald es zu eng wird. Auf diese Weise versuchen die Betroffenen, (weitere) negative Erfahrungen bereits in einem frühen Stadium von sich abzuwenden.

Wer klammert, ist nicht weniger beziehungsunfähig als ein Vermeider, jedoch unterscheidet sich das Verhalten gravierend. Klammerer benötigen die ständige Rückversicherung ihres Partners, noch immer geliebt zu werden. Der Partner fühlt sich hierdurch schnell erdrückt und bedrängt. Letztendlich geschieht genau das, was der Klammerer vermeiden will: Der Partner ergreift die Flucht.

8 Merkmale, die auf Beziehungsunfähigkeit hinweisen

Neben den oben genannten Hauptfacetten gibt es noch weitere Merkmale, die auf Beziehungsunfähigkeit hindeuten:

  1. Es fallen Äußerungen wie „ich möchte keine feste Beziehung“ oder „ich brauche meine Freiheit“.
  2. Dein Partner spricht nie über die Zukunft.
  3. Ein Partner investiert mehr Zeit und Aufwand in die Beziehung als der andere.
  4. Auf Momente emotionaler Nähe folgen Kälte und tagelange Distanz.
  5. Alle bisherigen Beziehungen waren von kurzer Dauer.
  6. Mangelnde Bereitschaft, Kompromisse zu schließen.
  7. Ständige Kritik am Partner: Provokation von Streit, um Distanz zu wahren.
  8. Emotionslosigkeit und Unentschlossenheit.

Tipp: Die obige Checkliste hilft dir nicht nur, wenn du glaubst, dass dein Partner beziehungsunfähig ist. Es lohnt sich im Zweifelsfall zu prüfen, ob die Merkmale auch auf dich zutreffen.

Was mache ich, wenn mein Partner beziehungsunfähig ist?

Solltest du festgestellt haben, dass dein Partner beziehungsunfähig ist, bist du vermutlich gerade sehr verzweifelt. Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei der Beziehungsunfähigkeit um eine ernsthafte Bindungsstörung handelt, die am besten mit therapeutischer Hilfe zu beheben ist. Begehe aber nicht den Fehler, deinen Partner dahingehend zu bedrängen!

Wenn er oder sie keinen (ausreichenden) Leidensdruck verspürt, führt auch eine Therapie nicht zum gewünschten Erfolg. Die traurige Wahrheit lautet, dass du nicht allzu viel gegen die Beziehungsunfähigkeit deines Partners ausrichten kannst. Der Wunsch, etwas zu verändern, muss von ihm / ihr ausgehen. Achte vor allem auf dein eigenes seelisches Wohlbefinden und biete deinem Partner ein offenes Ohr an.

Sofern du ihn / sie nicht bedrängst, besteht die Chance, dass dein Partner sich dir irgendwann öffnet. Dann könnt ihr gemeinsam nach Lösungswegen suchen.

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Beziehungsunfähig: annehmen und transformieren in 5 Schritten

Sofern du selbst beziehungsunfähig bist, liegt es an dir, etwas zu verändern. Arbeite deine zugrunde liegenden Traumata mit therapeutischer Hilfe auf. Nur so gelingt es dir, dich nachhaltig von den Blockaden aus deiner Vergangenheit zu befreien. Ergänzend können dir folgende Schritte helfen, deine Beziehungskompetenz wiederzuerlangen:

1. Entdecke hinderliche Verhaltensmuster und löse dich von ihnen

Eine entspannte Grundeinstellung ist für die Wiederherstellung der Beziehungsfähigkeit von großer Bedeutung. Du bist bisher immer davongelaufen, wenn jemand sein ernsthaftes Interesse an dir bekundet hat? Auf eine liebe SMS antwortest du grundsätzlich erst am dritten Tag? Auf diese Weise wirst du keine stabile Partnerschaft aufbauen können.

Versuche doch einmal ganz bewusst, genau das Gegenteil von dem zu machen, was du sonst immer getan hast: Lass dich auf das vermeintliche Risiko ein. Du bist immer noch eine autonome Persönlichkeit und kannst Grenzen setzen, wenn es dir zu viel wird. Verzichte aber darauf, dich von vornherein hinter einem Schutzwall zu verstecken.

2. Beziehungsunfähig? Stärke dein Selbstwertgefühl

Eine gute Beziehung zu dir selbst ist essenziell, um eine gesunde Partnerschaft führen zu können. Höre in dich hinein: Was sind deine wahren Bedürfnisse und wie kannst du sie erfüllen? Du bist wichtig! Nimm dir jeden Tag ein wenig Zeit für dich selbst. Vielen Menschen hilft z. B. ein Entspannungstraining wie Yoga oder Meditation. Probiere es einfach mal aus!

Werde dir außerdem deiner Stärken bewusst: Was macht dich charakterlich aus? Was macht dich für andere Menschen liebenswert? Indem du dir dies verdeutlichst, fällt es dir leichter, die Zuneigung eines anderen unvoreingenommen anzunehmen. Du bist es nämlich wert, gemocht zu werden.

3. Verlasse deine Komfortzone

Sicherlich fallen dir tausend Ausflüchte ein, warum du nichts an deinem Leben und an deinem Verhalten ändern möchtest. Die Sehnsucht nach Nähe und Bindung wohnt allerdings in jedem Menschen. Dies gilt auch dann, wenn du vermeintlich beziehungsunfähig bist. Es gibt keine Garantie, nicht verletzt oder enttäuscht zu werden. Dies ist jedoch kein Grund, dir die wundervolle Erfahrung der Liebe komplett zu verwehren.

Ziehe dich nicht in dein Schneckenhaus zurück, sondern gehe hinaus in die Welt. Triff dich mit Freunden oder suche dir ein neues Hobby. Wenn du nur zu Hause sitzt, wirst du niemals einen Menschen finden, der zu dir passt. Nutze die Chance, positive Erfahrungen in der Außenwelt zu sammeln.

4. Denke positiv

Wer Negatives ausstrahlt, zieht Negatives an. Wenn du dich mit Ängsten und Unsicherheiten quälst, wirst du vermutlich immer wieder in Situationen geraten, die deine negativen Gedanken befeuern. Gehe stattdessen mit einer positiven Einstellung an die Partnersuche heran.

Es ist nicht hilfreich, dich selbst generell als beziehungsunfähig zu betiteln, nur weil du in diesem Lebensbereich aktuell Probleme hast. Glaube daran, dass es irgendwo dort draußen einen Menschen gibt, mit dem du glücklich werden kannst.

5. Überdenke dein Beuteschema

Vielleicht ist dir aufgefallen, dass du immer wieder dieselbe Sorte Mensch anziehst, die dir nicht guttut? Das ist kein Zufall, sondern folgt einem psychologischen Muster. Der US-Psychologe Amir Levine hat in seiner Forschung drei Beziehungstypen identifiziert: den vermeidenden, den sicheren und den ängstlichen Typ.

So ist es beispielsweise gut dokumentiert, dass sich ängstliche Bindungstypen zu vermeidenden Typen hingezogen fühlen. Dass das für beide Parteien nicht gesund sein kann, ist selbsterklärend. Indem du herausfindest, welchem Typ du entsprichst, kannst du das Muster durchbrechen. Erfahre jetzt mehr über die Beziehungstypen.

Fazit

Die Theorie der Beziehungsunfähigkeit sollte man differenziert betrachten: Bindung ist nämlich ein menschliches Grundbedürfnis. Es gibt niemanden, der keine Nähe braucht. Aufgrund von Traumata kann es jedoch zur Entwicklung von Bindungsängsten kommen, die wiederum dazu führen, dass der Betroffene keine Beziehungen mehr aufrechterhalten kann.

Die gute Nachricht lautet: Sobald du dein Problem erkannt hast, kannst du aktiv gegensteuern. Bereits kleine Veränderungen in deiner inneren Einstellung sowie in deinem Verhalten können eine Menge bewirken. Ist dein Partner beziehungsunfähig, sind vor allem Geduld und Verständnis gefragt. Unterlasse es, denjenigen zu bedrängen. Und das Wichtigste: Suche die Schuld nicht bei dir!

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Geprüft von Dr. med. Stefan Frädrich

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