Gefühle bei Kindern: So kannst du sie achtsam begleiten

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Gefühle bei Kindern: So kannst du sie achtsam begleiten

Nicht wenige Eltern stehen den Gefühlsausbrüchen ihrer Kinder manchmal hilflos gegenüber. Wenn ein Kleinkind beispielsweise im Supermarkt einen Tobsuchtsanfall bekommt, ist es gar nicht so einfach, die Ruhe zu bewahren. Umso wichtiger ist es, die emotionale Entwicklung von Kindern zu verstehen und achtsam begleiten zu können.

Warum sind Gefühle bei Kindern wichtig?

Auch wenn es anstrengend ist: Das Erleben von heftigen Gefühlen gehört zur gesunden kindlichen Entwicklung dazu. Denn nur durch diese Erfahrungen können sich eine stabile Persönlichkeit und soziale Kompetenz entwickeln. Das Kind lernt Gefühle zu benennen und letztendlich mit ihnen umzugehen. Dieser Prozess benötigt Zeit und Geduld.

Werden Gefühlsäußerungen ständig unterdrückt oder gar bestraft, bleiben dem Kind wichtige Erfahrungen verwehrt. Es lernt nicht, mit Frust und Ärger auf gesunde Weise umzugehen. Stattdessen beginnt es im schlimmsten Fall, seinen Unmut durch Aggression zu äußern oder Kummer mit sich selber auszumachen. Beides beeinträchtigt die psychische Gesundheit erheblich.

Entwicklung der Gefühle bei Kindern: Wie entstehen Emotionen?

Wird ein Kind geboren, so begreift es sich zunächst noch nicht als eigenständige Person mit eigenen Gefühlen, sondern empfindet sich als Teil seiner Mama. Doch bereits in den ersten Lebensmonaten beginnt der Abnabelungsprozess. Bis zum Schulalter haben Kinder die folgenden emotionalen Grundfertigkeiten erworben:

  • Sie sind sich ihrer eigenen Gefühle bewusst.
  • Sie können ihre eigenen Gefühle sprachlich und mimisch korrekt ausdrücken.
  • Sie können die Gefühlsausdrücke anderer Menschen verstehen.
  • Sie haben die Fähigkeit, ihre Gefühle zu regulieren.

Nachfolgend schauen wir uns den emotionalen Entwicklungsprozess in den ersten drei Lebensjahren einmal näher an:

1. Lebensjahr

Bereits in den ersten Lebensmonaten erwirbt ein Kind die Fähigkeit, unterschiedliche Gefühle wahrzunehmen und diese nonverbal auszudrücken (schreien, weinen, jauchzen, vor Freude quietschen, lachen). Ungefähr um den ersten Geburtstag herum kann das Kind bereits die Gefühlsregungen anderer Menschen unterscheiden: Ärgert die Mama sich gerade oder freut sie sich?

2. Lebensjahr

Die Gefühle deines Kindes werden immer komplexer. Zusätzlich zu den Grundemotionen empfindet dein Kind gegen Ende des ersten Lebensjahres auch Stolz, Schuld, Scham, Mitleid und sogar Neid. Jeden Tag erlernt es etwas Neues und erlebt dabei auch Enttäuschungen. Dies kann zu lautstarken Wutausbrüchen führen. Zu lernen, sich von Misserfolgen nicht entmutigen zu lassen, gehört zu den wichtigsten Schritten der emotionalen Entwicklung.

3. Lebensjahr

Das dritte Lebensjahr ist von der sogenannten Autonomiephase geprägt. Dass Letztere umgangssprachlich auch als „Trotzphase“ bezeichnet wird, kommt nicht von ungefähr. Dein Kind wird immer selbstbewusster und will vieles alleine machen und sich ausprobieren.

Es protestiert gegen die gesetzten Grenzen und versucht mit aller Macht, seinen Willen durchzusetzen. Weiterhin sind Gefühlsschwankungen für das dritte Lebensjahr kennzeichnend. Dein Kind ist hin- und hergerissen zwischen seinem großen Wunsch nach Autonomie und deinem Schutz.

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Starke Gefühle bei Kindern: Wie gehst du damit um?

Starke Gefühle bei Kindern, deren Ursachen sich für uns Erwachsene manchmal irrational anfühlen (z. B. ein „falsch“ geschnittenes Brot), zerren zweifelsohne am Nervenkostüm. Dennoch ist es wichtig, möglichst die Ruhe zu bewahren und dein Kind bei der Regulation seiner starken Gefühle zu unterstützen.

Zunächst einmal solltest du deinem Kind das Gefühl geben, dass du es ernst nimmst. Fasse hierzu seine Gefühle in Worte: „Ich weiß, dass du traurig bist, weil wir jetzt vom Spielplatz nach Hause müssen. Ich verstehe, dass du gerne noch spielen würdest.“ Bockt und tobt dein Kleinkind, dann verbiete es ihm nicht: Dies ist ohnehin vergebene Liebesmüh. Erlaube ihm, seine Wut herauszulassen.

Und wie geht es dir dabei? Atme tief durch und versuche, gelassen zu bleiben. Deine ruhige Ausstrahlung wird sich auf dein Kind übertragen, sodass es sich schneller beruhigt. Selbstverständlich kann dir das nicht immer gelingen. Vor allem, wenn es sich um den fünfzigsten Wutanfall an einem Tag handelt. Sei gnädig mit dir, wenn du doch mal geschimpft hast. Wichtig ist die Kontinuität an Liebe und Unterstützung.

5 Tipps, um das Wir-Gefühl bei Kindern zu stärken

1. Liebevoller Start in den Tag

Nimm dir die Zeit, dein Kind morgens liebevoll zu wecken, als bloß laut an seine Tür zu klopfen. Sicherlich kennst du es von dir selbst: Es ist doch viel schöner von deinem Partner als vom Weckerklingeln geweckt zu werden.

2. Gemeinsame Interessen und Aktivitäten

Wofür interessiert sich dein Kind? Sicherlich gibt es zahlreiche Dinge, die ihr gemeinsam machen könnt. Unternehmt viel zusammen. Hierbei ist es nicht ausschlaggebend, dass es sich um große und teure Unternehmungen handelt. Auch ein gemeinsamer Nachmittag auf dem Spielplatz schafft wunderschöne Erinnerungen, die euch zusammenschweißen.

3. Freundschaften unterstützen

Bestärke dein Kind darin, Freundschaften mit Gleichaltrigen zu schließen, ohne es zu drängen. Hat dein Kind Freunde gefunden, dann sei ihnen gegenüber aufgeschlossen, selbst wenn du sie vielleicht nicht sonderlich mögen solltest. Zeige deinem Kind, dass du seine sozialen Kontakte akzeptierst.

4. Kinder einbeziehen

Das Wir-Gefühl von Kindern lässt sich besonders effektiv stärken, indem du sie in Entscheidungen des täglichen Familienlebens einbeziehst. So fühlen sie sich wichtig und gehört. Besprecht gemeinsam, was es zu essen geben soll oder welche Ausflugsziele die Kinder sich wünschen.

5. Zugehörigkeit in Worten ausdrücken

Sage deinem Kind tagtäglich, wie lieb du es hast und was für ein wertvoller Teil der Familie es ist. Auch wenn dein Kind sich vielleicht verbal noch nicht so gut ausdrücken kann, versteht es mehr, als du vielleicht glaubst.

Buch über Gefühle für Kinder: Wie wählst du das Richtige?

Bücher sind eine wunderbare Möglichkeit, um Kinder an wichtige Themen heranzuführen. Es gibt zahlreiche Bücher zum Thema Gefühle bei Kindern. Um das richtige Buch für dein Kind auszuwählen, solltest du auf folgende drei Kriterien achten:

  1. Altersempfehlung beachten: Wähle ein Buch aus, das inhaltlich und sprachlich zum Entwicklungsstand deines Kindes passt.
  2. Persönliche Vorlieben deines Kindes: Versuche, Buchprotagonisten zu finden, die dein Kind mag. Ob Dinosaurier, Fantasiewesen oder realistisch dargestellt, mit Eltern und Kindern: Dein Kind muss das Buch ansprechend finden.
  3. Der allerbeste Tipp: Sucht das Buch gemeinsam aus. So ist die Chance am größten, dass sich das Kind wirklich mit der Geschichte beschäftigt.

Gefühle mit Kindern erarbeiten: Methoden und Übungen

1. Gefühle benennen

Um mit seinen Gefühlen umgehen zu können, muss dein Kind im ersten Schritt lernen, sie zu benennen. Hier kannst du als Vorbild vorangehen, indem du deine eigenen Gefühle verbal und mimisch ausdrückst. Weiterhin kannst du deinem Kind mit gezielten Fragen helfen:

  • Wie fühlst du dich gerade?
  • Wo spürst du die Wut in deinem Körper?
  • Was macht dich traurig?

2. Gefühlen eine Farbe geben

Kinder lieben es, mit ihrer Fantasie zu spielen. Dies funktioniert auch beim Thema Emotionen und kann deinem Kind helfen, sich schneller mitzuteilen, wenn es gerade von starken Gefühlen überwältigt wird. Bastelt doch gemeinsam eine Farbskala von fröhlich bis traurig.

3. Gefühlspantomime

Du und dein Kind stellen abwechselnd verschiedene Emotionen dar, die der andere erraten muss. Schreibt dafür vorher alle Emotionen, die euch einfallen, auf kleine Zettel. Nun darf jeder nacheinander einen Zettel ziehen.

Die Rolle von Coaching in der emotionalen Entwicklung von Kindern

Coaching ist längst nicht nur etwas für Erwachsene. Auch Kinder können hiervon enorm profitieren, vor allem wenn es um das Thema Gefühle bei Kindern geht. Voraussetzung ist jedoch, dass die gesamte Familie in den Coachingprozess einbezogen wird.

Ein professioneller Coach kann die Familiensituation neutral analysieren und allen Beteiligten Impulse schenken, wie man am besten mit starken Gefühlen bei Kindern umgehen kann.

Wir-Gefühl stärken bei Kindern: Tipps für Eltern und Lehrer

1. Über Gefühle bei Kindern sprechen: Familienrat / Klassenstunde

Das Prinzip ist ähnlich und funktioniert daher in beiderlei Konstellationen. Als Elternteil kann es sinnvoll sein, einmal pro Woche einen Familienabend zu planen, an dem alle Familienmitglieder sich Zeit nehmen, um über alles zu sprechen, was sie bewegt. Selbiges gilt im schulischen Kontext. Wöchentliche Klassenstunden, die vom Lehrer oder – je nach Alter – von einem Schüler moderiert werden, stärken das Wir-Gefühl.

2. Der stumme Dialog

Auch diese Übung funktioniert sowohl daheim als auch im Klassenzimmer. Zunächst wird eine Frage gestellt: Welche Veränderungen würdest du dir in unserer Familie / in unserer Klasse? Anschließend schreiben alle Beteiligten nacheinander eine Antwort an die Tafel bzw. auf ein Blatt Papier. Hat jeder seinen Beitrag geschrieben, wird über die Antworten gesprochen.

3. Familienregeln / Klassenregeln

Gefühle bei Kindern brauchen zwar Raum, dennoch muss es klare Regeln für alle Beteiligten geben. Zunächst werden hierfür Vorschläge gesammelt, wobei jeder nacheinander zu Wort kommen darf. Dann wird sich in Abstimmung für die wichtigsten Vorschläge entschieden. Abschließend gilt es, die Konsequenzen für einen Regelverstoß festzulegen.

entwicklung der gefühle bei kindern

Empfohlene Bücher über Gefühle bei Kindern

Nachfolgend haben wir eine kleine Auswahl an Büchern zusammengestellt, die deinem Kind seine Gefühlswelt auf liebevolle Weise erklären:

Alle aufgelisteten Bücher zum Thema Gefühle bei Kindern sind ab zwei Jahren geeignet.

Dein Weg zu einem besseren Verständnis der Gefühle bei Kindern

Gefühle bei Kindern können überwältigend sein, da sie erst noch lernen müssen, mit ihren Emotionen umzugehen. Die Aufgabe von Eltern und Lehrern besteht darin, die Kinder bei diesem Prozess zu unterstützen. Dabei ist es wichtig, dass Gefühle bei Kindern nicht unterdrückt werden, sondern dass Erwachsene vorleben und zeigen, wie man mit Emotionen umgehen kann. Auch die Stärkung des Wir-Gefühls spielt eine wichtige Rolle.

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