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Perfektionismus ablegen: So fühlst du dich gelassener und leichter

Lesezeit von 8 Minuten
Perfektionismus ablegen: So fühlst du dich gelassener und leichter

Ein kleiner Fehler passiert und schon möchtest du im Erdboden versinken. Du bist sauer und enttäuscht von dir selbst, denn normalerweise machst du keine Fehler. Perfektionismus ist dein zweiter Name. Und deshalb bist du erst zufrieden, wenn dir etwas zu 100 % gelungen ist.

Aber zum Erfolg führt dich das nicht immer. Du gehst mit einem wahren Tunnelblick durch dein Leben und findest dich auf einer ewigen Jagd nach perfekten Leistungen wieder, die einfach ermüdend ist. Alles, was du siehst, ist jeder noch so kleine Fehler. Deine Erfolge hingegen stehen oft hinten an.

Das Leben eines/r PerfektionistIn ist gar nicht so leicht. Aber was genau macht jemanden denn zum/r PerfektionistIn? Ist Perfektionismus wirklich so anstrengend oder hat er auch seine guten Seiten? Wie gelingt es dir, etwas gelassener im Alltag zu werden und wie kannst du endlich deinen Perfektionismus ablegen? Wir haben die Antworten auf all deine Fragen.

Was ist Perfektionismus?

Bei jedem Treffen bist du pünktlich auf die Minute. Ist die Herdplatte nicht zu 100 % sauber geputzt, kannst du die Küche nicht verlassen. Du liest jede Nachricht mindestens dreimal durch, bevor du auf „Senden“ drückst und formulierst sie immer wieder um. All das können Facetten von Perfektionismus sein. Er kann ganz unterschiedliche Ausprägungen haben und sich auf verschiedenste Lebensbereiche erstrecken.

Im Grunde beschreibt Perfektionismus das Streben nach gänzlicher Vollkommenheit. Deine Ansprüche sind unglaublich hoch und du möchtest nicht nur die besten, sondern ganz und gar perfekte Leistungen erbringen. Aber was genau bedeutet perfekt überhaupt? Wer entscheidet, was vollkommen ist und was nicht? Diese Frage zu beantworten, ist alles andere als leicht.

Die Ideale, die PerfektionistInnen verfolgen, sind meist ganz individuell. Oft haben sie auch gar kein konkretes Ziel, sondern setzen einfach alles daran, keine Fehler zu begehen. Die ersten perfektionistischen Züge zeigen sich nicht selten schon in der Kindheit. Oft steckt die Angst zu versagen und die Eltern zu enttäuschen dahinter. Druck aus dem Elternhaus, von besonders strengen Lehrkräften oder aus dem engen sozialen Umfeld, verstärkt das Ganze.

perfektionismus ablegen

Gute & schlechte Perfektion

Perfektionismus ist nicht gleich Perfektionismus. Er unterscheidet sich nicht nur in dessen Ausprägung, sondern auch in seinen Auswirkungen. Die Koblenzer Wissenschaftlerin Christine Altstötter-Gleich fand heraus, dass es sowohl gute als auch schlechte Perfektion gibt. Es bedarf also eines differenzierten Blicks auf die Angelegenheit.

Was ist gute Perfektion?

Gute Perfektion lässt dich zu Höchstformen auflaufen. Im Vergleich zum negativen Perfektionismus versuchst du nicht krampfhaft, makellos auf andere zu erscheinen, sondern möchtest deinen ganz eigenen Anforderungen gerecht werden. Du legst die Messlatte zwar sehr hoch, aber die Motivation kommt aus deinem Inneren und nicht von außen. Du möchtest dich weiterentwickeln und an den Zielen, die du dir selbst setzt, wachsen. So willst du die beste Version deiner selbst werden.

Was versteht man unter schlechter Perfektion?

Laut Altstötter-Gleich steckt hinter schlechter Perfektion ein großes Verlangen nach Beachtung. Der Wunsch, komplette Kontrolle über das eigene Leben zu haben oder der Versuch, sich so gut es geht vor Hohn und belächelnden Blicken zu schützen. Zielführend ist diese Form des Perfektionismus allerdings nicht. Du gibst zwar jeden Tag auf ein Neues dein Bestes, aber aus toxischen Gründen. So verlierst du dich selbst in einem Teufelskreis aus Ansporn, Unmengen an Arbeit, daraus resultierendem Stress und letztendlich Scheitern aus Übermüdung.

Funktionaler Perfektionismus: Eine gesunde Zielstrebigkeit

Du gibst immer alles und orientierst dich an hohen Leistungen. Du setzt alle Hebel in Bewegung, um deine Ziele zu erreichen, kannst es aber trotzdem akzeptieren, wenn du es einmal nicht ganz schaffst. Das trifft auf dich zu? Dann bist du ein/e funktionale PerfektionistIn.

Bei Rückschlägen verlierst du dich nicht in Selbstzweifeln und denkst nur noch an den angeblichen Misserfolg. Du weißt, dass du daraus lernen kannst und es beim nächsten Mal besser machen wirst. Gelingt es dir dann, die Leistung zu erbringen, die du dir vorgenommen hast, bist du stolz und voller Freude.

Dysfunktionaler Perfektionismus: Sorgenfalten zieren dein Gesicht

Als dysfunktionale/r PerfektionistIn bist du immer besorgt, ob du dein Ziel wirklich erreichst. Gelingt dir das nicht, siehst du nur die Probleme und nicht die kleinen Erfolge, die du dennoch erzielt hast. Dein Selbstwertgefühl nimmt ab, denn es ist ganz eng mit deinen Leistungen verbunden. Du glaubst, dass auch andere dich nur wertschätzen, wenn du Spitzenleistungen erbringst und deshalb stürzt du dich so sehr in den Perfektionismus.

Welche Charaktereigenschaften machen Perfektionisten aus?

Bestimmt der Perfektionismus dein Leben, dann stehen hohe Ziele und Ansprüche an dich selbst an deiner Tagesordnung. Gleichzeitig bist du ängstlich und unsicher, denn du glaubst immer, deine Leistungen wären nicht gut genug. Du fürchtest dich davor, Ansehen zu verlieren, denn du legst unglaublich viel Wert darauf, wie andere dich sehen.

Eine weitere charakteristische Eigenschaft für PerfektionistInnen ist die Motivation – mal kommt sie von innen, mal von außen. Du traust dich an die größten Aufgaben, vor denen andere zurückschrecken. Du bist mutig genug, es zu wagen und dein Bestes zu geben. Außerdem bist du stets gut organisiert, denn du weißt, dass man große Ziele am besten mit einem guten Plan umsetzt.

Welche Ursachen hat Perfektionismus?

Oft sind es enge Bezugspersonen, die mit ihrem Handeln, ihren Aussagen und ihren Erwartungen Perfektionismus bei anderen hervorrufen. Nicht selten bildet das Elternhaus den Nährboden. Fehlen hier Strukturen, versuchen die Kinder häufig, selbst welche zu erschaffen. Sie entwickeln immer mehr perfektionistische Züge, die ihnen Halt und ein Gefühl von Kontrolle geben.

Doch auch das Gegenteil kann der Fall sein. Geben die Eltern sehr strenge Richtlinien vor und sind selbst stark perfektionistisch veranlagt, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die Kinder abfärben. Das gilt vor allem dann, wenn die hohen Erwartungen der Eltern an sich selbst auf den Nachwuchs projiziert werden.

Risiken von Perfektionismus

Perfektionismus kann tatsächlich mit einigen Risiken einhergehen. Du als PerfektionistIn setzt dich dem Risiko aus, früher oder später an einem Erschöpfungssyndrom zu erkranken. Da du dich selbst immer so stark unter Druck setzt, stehst du dauerhaft unter Stress. Das belastet nicht nur deinen Geist, sondern auch deinen Körper.

Du läufst ständig zu Höchstleistungen auf und gönnst dir kaum Pausen. Gesund ist das auf keinen Fall. Du findest dich in einem Hamsterrad wieder, aus dem du es einfach nicht mehr herausschaffst. Auch psychische Erkrankungen können sich dazugesellen – wie Zwangsstörungen, Essstörungen, Depressionen und Angst- bzw. Panikzustände.

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Perfektionismus ablegen: Mit diesen 9 Tipps gelingt es dir

Du bist nie mit dir zufrieden, keine deiner Leistungen ist in deinen Augen je gut genug und du hast das Gefühl, dein Perfektionismus zerfrisst dich langsam. Dir geht es ganz genau so? Dann solltest du dringend etwas dagegen tun. Aber einfach den Perfektionismus ablegen – wie soll das denn gehen?

Zugegebenermaßen funktioniert das nicht von heute auf morgen. Es ist ein Prozess, der Zeit benötigt. Damit du diesen Weg dennoch erfolgreich bestreiten kannst, haben wir ein paar wertvolle Tipps für dich zusammengestellt. Damit schaffst du es heraus aus der Perfektionismus-Falle.

1. Verliere dich nicht in Kleinigkeiten

PerfektionistInnen neigen oft dazu, auf jedes noch so kleine Detail zu achten. Dabei verlieren sie das große Ganze völlig aus den Augen und verzetteln sich komplett. Du kannst den Perfektionismus ablegen, wenn du es schaffst, deine Liebe für Details hinten anzustellen. Andernfalls zieht sich dein Projekt immer weiter in die Länge, wächst dir irgendwann über den Kopf und du schaffst es nicht ans Ziel. Das zieht dich herunter und du verlierst dich noch tiefer in der Perfektionismus-Spirale.

2. Sei nicht so hart zu dir selbst

Wenn etwas nicht perfekt geklappt hat, dann zieht dich das unglaublich tief herunter. All deine Gedanken kreisen darum, welcher kleine Fehler dir unterlaufen ist und du analysierst jeden einzelnen Schritt. Du wirst deinen Perfektionismus ablegen können, wenn du lernst, gnädiger mit dir selbst zu sein. Niemand ist perfekt – das ist nicht nur eine Floskel.

Anstatt dich immer nur auf deine Fehler zu konzentrieren, solltest du dich auf deine Stärken fokussieren und sie ausbauen. Dann wird der Erfolg von ganz allein an deine Tür klopfen und du entwickelst ein gesundes Verhältnis zu dir selbst. Minderwertigkeitskomplexe gehören dann der Vergangenheit an.

3. Vergleiche dich nicht mit anderen

Wir alle tendieren dazu, uns immer einmal wieder mit anderen zu vergleichen. Das ist ganz normal und bis zu einem gewissen Punkt auch überhaupt nichts Schlimmes. Aber schaust du immer nur darauf, was andere haben oder können, verlierst du dich selbst völlig aus den Augen. Es wird vermutlich immer jemanden geben, der eine gewisse Sache etwas besser kann als du.

Der Vergleich mit anderen, macht dich blind für das Original, das du bist.

Laura Malina Seiler

Dafür kannst du etwas anderes besser als diese Person, also besinne dich darauf! Du selbst solltest deine Priorität sein. Den Perfektionismus ablegen kannst du, wenn du dich auf dich und deine Stärken konzentrierst und nicht immer wieder krampfhaft nach Dingen suchst, die jemand anderem besser gelingen als dir.

4. Bleibe realistisch

Nicht alles wird dir beim ersten Anlauf völlig perfekt gelingen, egal wie sehr du dich bemühst. Gewisse Dinge muss man erst einmal üben und das musst du akzeptieren. Dann gelingt das Ablegen deines Perfektionismus. Du gibst dein Bestes und das ist ausreichend. Zu glauben, dass alles auf Anhieb perfekt läuft, ist schlichtweg unrealistisch und von diesem Gedanken solltest du dich verabschieden.

5. Erlaube dir, Fehler zu machen

Jedem von uns unterläuft doch mal der eine oder andere kleine Fehler. Das passiert selbst den Besten der Besten. Fehler zu machen, ist sogar wichtig, damit du dich weiterentwickeln kannst.

Sie stellen wertvolle Lektionen dar und zeigen dir, welche Aspekte du noch verbessern kannst. So entwickelt sich jeder Fehler früher oder später zu einem Erfolg. Wenn es dir gelingt, das zu verinnerlichen, kannst du deinen Perfektionismus ablegen.

6. Betrachte dich selbst aus einer anderen Perspektive

Du selbst bist dein größter Kritiker. Versetze dich doch einfach mal in die Position eines Außenstehenden und frage dich, wie andere Personen auf dich blicken. Was sie sehen, ist ein fleißiger, engagierter und motivierter Mensch. Ob dir heute ein kleiner Fehler unterlaufen ist, sieht dir niemand an deiner Nasenspitze an.

Und selbst wenn es so wäre, wäre das doch überhaupt nicht schlimm! Was zählt, ist deine Persönlichkeit und nicht, ob du heute ein Komma in einer E-Mail vergessen oder dein Bett nicht perfekt aufgeschüttelt hast. Kannst du das ehrlich für dich reflektieren, wirst du deinen Perfektionismus ablegen können.

7. Nimm Hilfe an

Du musst nicht alles alleine schaffen. Wenn du Hilfe annimmst, ist das keinesfalls ein Zeichen von Schwäche, sondern sogar von Stärke. Du gestehst dir ein, dass du noch etwas zu lernen hast – und das kann nicht jeder. Nutze diese Chance! So wirst du automatisch immer näher an dein Ziel rücken und kannst den Perfektionismus ablegen.

8. Verkompliziere nicht alles

Als denkende Wesen tendieren wir Menschen dazu, alles umfassend zu analysieren. Aber bringt dich das wirklich weiter? Wenn du deinen Perfektionismus ablegen möchtest, solltest du lernen, nicht alles zu „zerdenken“. Traue dich, die Dinge einfach einmal durchzuziehen und verliere dich nicht schon im Vorfeld in unzähligen Gedanken und Zweifeln. Lege deine Detailversessenheit und die Angst, einen kleinen Fehler zu begehen, ab und traue dich, einfach loszulegen.

9. Werde kritikfähig

Wer einen starken Perfektionismus pflegt, hat oft Probleme damit, Kritik anzunehmen. Mit dem Drang, alles perfekt zu machen, versuchen PerfektionistInnen, kritische Worte zu umgehen. Aber wer definiert denn, was perfekt ist und was nicht? Die Meinungen werden immer auseinandergehen und genau deshalb kann es immer kritische Stimmen geben – selbst wenn du der Meinung bist, du hast alles perfekt gemacht.

Verinnerlichst du diesen Fakt, kannst du endlich deinen Perfektionismus ablegen. Es wird dich nicht weit bringen, dich jeder noch so kleinen Kritik zu beugen. Stehe zu dir selbst und deiner Leistung und setze dich durch. Was zählt, ist, ob du zufrieden mit dir selbst bist und nicht, was andere von dir denken.

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Bist du im Perfektionismus gefangen?

Bist du ein/e waschechte PerfektionistIn, wie er/sie im Buche steht? Musst du vielleicht sogar dringend deinen Perfektionismus ablegen? Was macht dich aus, wo liegen deine Stärken und wie schaffst du es, dein volles Potenzial auszuschöpfen? Das erfährst du in unserem Persönlichkeitstest. Lege los und lerne dich selbst noch besser kennen!

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