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Positive Fehlerkultur: Dein Weg zu mehr Offenheit im Team

Lesezeit von 8 Minuten
Positive Fehlerkultur: Dein Weg zu mehr Offenheit im Team

Fehler machen ist menschlich. Jedem von uns unterlaufen sie hin und wieder – dem einen häufiger, dem anderen etwas seltener. Sie gehören einfach zum Leben dazu, aber dennoch sind sie verrufen. Wer Fehler macht, wird schnell als unprofessionell, schlecht vorbereitet, übermütig oder naiv abgestempelt. Passiert im Job ein Patzer, dann fürchten Angestellte gleich Konsequenzen, z. B. in Form einer Abmahnung oder gar Kündigung. Dabei ist es sogar wichtig, Fehler zu machen, denn aus ihnen können wir einiges lernen! Doch leider halten zahlreiche Unternehmen nichts von einer positiven Fehlerkultur. Und genau das ist einer der größten Fehler, den sie begehen können.

Das Verteufeln jedes einzelnen kleinen, unabsichtlichen Fehltritts schränkt die Mitarbeiter in ihrer Weiterentwicklung ein und hält damit auch das Voranschreiten des gesamten Unternehmens auf. Du möchtest es besser machen? Dann lies unbedingt weiter!

Was versteht man unter einer Fehlerkultur?

Fehlerkultur ist ein Begriff aus der Sozialwissenschaft, der sehr schnell Einzug in die Wirtschaftswissenschaft gefunden hat. Seitdem ist er von dort kaum noch wegzudenken. Aber was bedeutet er eigentlich? Der Begriff Fehlerkultur beschreibt, wie mit Fehlern in einer Gruppe oder einem Unternehmen umgegangen wird und welche Reaktionen darauf folgen.

Klar, Fehler sind nirgendwo gern gesehen. Aber wer eine Nulltoleranzpolitik verfolgt, riskiert ein schlechtes Arbeitsklima voller Unsicherheiten und Ängsten. Unter derartigen Bedingungen kann nichts Großartiges entstehen, denn dazu braucht es Mut, etwas Neues zu wagen. Wer sich aber immer fürchten muss, für kleine Fehler büßen zu müssen, wird Abstand davon nehmen. Viel zu groß wäre die Scham, wenn etwas schief geht.

Aus negativ mach‘ positiv!

Bestrafungen und andere negative Impulse sind der falsche Weg, wenn der Fehler nicht vorsätzlich passiert ist. Damit wollen ArbeitgeberInnen zwar bezwecken, dass die MitarbeiterInnen in Zukunft aufmerksamer und sorgfältiger arbeiten und ihre Leistung steigern. Aber oft passiert genau das Gegenteil. Angst vor Konsequenzen macht nervös und dann misslingt gleich viel mehr. Also merke: Bestrafst du Patzer hart und führst keine positive Fehlerkultur, zwingst du deine MitarbeiterInnen in eine geduckte Haltung und sie arbeiten immer vorsichtiger, werden damit unsicherer und eigene Ideen behalten sie für sich.

Aber auch den besten in ihrer Branche unterläuft einmal ein Patzer, das kann niemand zu 100 % ausschließen. Diese dann totzuschweigen bringt leider auch niemanden weiter. Die einzig sinnvolle Art, sich damit auseinanderzusetzen, ist eine positive Fehlerkultur.

fehlerkultur definition

Was ist eine positive Fehlerkultur?

Wie die positive Fehlerkultur funktioniert, erklärt sich fast schon von selbst. Praktizierst du sie, bist du positiv gegenüber Fehlern eingestellt. Das bedeutet natürlich nicht, dass du nun alle MitarbeiterInnen dazu aufforderst, regelmäßig zu patzen. Es geht vielmehr darum, immer wieder zu betonen, dass es überhaupt nicht schlimm ist, wenn Fehler passieren. Kommt es dazu, wird ganz offen darüber gesprochen, ohne dass sich jemand schämen oder gar Angst um seinen Job haben muss.

Warum es wichtig ist, Fehler zu machen

Wir haben es schon erwähnt: Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen. Innovation ist es, was ein Unternehmen nach vorn bringt und dazu braucht es Mut zum Scheitern. Wer nicht bereit ist, Risiken einzugehen, wird lange auf das neue Projekt warten, das endlich den Durchbruch bringt. Niemand, der es bis nach ganz oben geschafft hat, hat seinen Weg völlig frei von Fehlern bestritten.

Kleine Rückschläge gibt es immer und es sind sogar genau diese, die uns voranbringen. Wir gehen gestärkter und schlauer aus diesen Situationen hervor. Wir tüfteln so lange an unserer Idee herum, bis wir sie endlich erfolgreich umsetzen können und genau das ist der Inbegriff von Innovation.

10 Tipps, um eine gesunde Fehlerkultur im Unternehmen zu etablieren

Es sind die Fehler, die dich vorantreiben und dein Unternehmen zum Erfolg führen. Wir haben zehn Tipps für dich zusammengetragen, mit denen du es schaffst, eine gesunde Fehlerkultur zu pflegen.

1. Analysiere den Ist-Zustand

Bevor es so richtig losgeht mit der Fehlerkultur, musst du erst einmal ganz genau analysieren, wo du gerade stehst. Wie gehst du in deinem Unternehmen aktuell mit Fehlern um? Bemühst du dich schon, offen darüber zu sprechen oder schweigst du sie tot? Welche Fehler unterlaufen deinen MitarbeiterInnen überhaupt und warum ist das so? Erfasst du diese und wenn ja, wie?

Hast du diese Fragen beantwortet, hast du dir einen guten Überblick verschafft, an dem du nun arbeiten kannst. Gehe dabei Schritt für Schritt vor und gib deinen MitarbeiterInnen die Möglichkeit, deine neue Fehlerkultur nachzuvollziehen. So vermeidest du, dass ihnen diese Veränderung suspekt erscheint und sie verunsichert, obwohl du das genaue Gegenteil erreichen möchtest.

2. Gestalte deine neue Fehlerkultur transparent

Nur MitarbeiterInnen, die wissen, woran sie sind, fühlen sich sicher und trauen sich, mit neuen Ideen vorzutreten. Um die Einführung der Fehlerkultur möglichst einfach zu gestalten, teilst du sie in zwei Ebenen auf: die sachliche und die emotionale. Beginne erst einmal mit der Sachebene und stelle klar, wie du Fehler definierst und welche kleinen Patzer nicht der Rede wert sind. Hier solltest du ganz klar zwischen fachlichen, ethischen und rechtlichen Fehlern unterscheiden.

Mindestens genauso wichtig ist, wie sie in Zukunft kommuniziert werden sollen. Hinzu kommt dann die emotionale Ebene. Hier geht es vor allem darum, ob es sich um einen Irrtum handelt, der jedem einmal passieren kann, oder um ein ganz klares Versäumnis.

3. Nimm dir genug Zeit für die ersten offenen Gespräche

Niemand spricht gern über die eigenen Fehler, das macht uns Menschen und unser Streben nach Perfektionismus aus. Genau diese Tabuzonen gilt es aufzuweichen. Dafür brauchst du vor allem zu Beginn viel Geduld und viel Einfühlungsvermögen.

Gib deinen MitarbeiterInnen ein Gefühl von Sicherheit und zeige ihnen, dass es überhaupt nicht schlimm ist, über Fehler zu sprechen. Es drohen keine negativen Konsequenzen, jeder kann nur gewinnen. Führe mit jedem einzelnen Teammitglied ein persönliches Gespräch. Auch wenn das sehr viel Zeit kostet – es wird sich lohnen. Nur wenn sich jeder verstanden, ernst genommen und sicher fühlt, kannst du eine neue Fehlerkultur einführen, mit der das gesamte Team an einem Strang zieht.

4. Lass Emotionen außen vor, wenn es die Situation erfordert

Wir haben gerade darüber gesprochen, dass es in der Fehlerkultur auch eine emotionale Ebene gibt. In manchen Situationen solltest du diese allerdings hinten anstellen oder ganz ausblenden. Das gilt vor allem dann, wenn eines der Teammitglieder am liebsten vor Scham im Boden versinken möchte, weil ihm oder ihr der Fehler so unangenehm ist.

Verlege den Fokus von diesen unangenehmen Gefühlen auf die sachliche Ebene und sucht gemeinsam konstruktiv nach Lösungen. Die Scham wird schnell verfliegen und Erleichterung stellt sich ein, wenn du zeigst, dass du überhaupt nicht sauer bist, sondern das Beste aus der Situation machen möchtest.

5. Verliere nicht den Humor

Ja, Fehler sind nicht unbedingt ein Grund zum Lachen. Aber manchmal helfen eine gesunde Portion Humor und ein kleines Augenzwinkern, die Situation etwas aufzulockern und ihr eine positive Grundstimmung zu verleihen. Natürlich solltest du Fehltritte ernst nehmen, keine Frage – aber nicht zu ernst. Mache aus einer Mücke keinen Elefanten. Vielleicht ist dieser kleine Patzer sogar der erste Schritt zu etwas richtig Großem!

6. Bleibe realistisch

Auch wenn Fehler nicht gleich den Untergang der Firma einläuten und am Ende des Tages eine positive Note bekommen sollen, solltest du sie nicht beschönigen. Sieh sie als genau das, was sie sind und analysiere sie im Team. Gewöhnst du dir an, Patzer im Nachhinein immer als halb so schlimm abzustempeln, nimmst du deinen MitarbeiterInnen und dir die Chance, daraus zu lernen und daran zu wachsen. Dabei möchtest du doch immer weiter voranschreiten und nicht an Ort und Stelle stehen bleiben, denn genau das ist der Sinn, der hinter Fehlerkultur steckt!

7. Gehe als Vorbild voran

Als Führungskraft schaut dein Team zu dir auf. Also nimm deine Vorbildfunktion wahr und kommuniziere auch die Fehler, die dir unterlaufen, ganz offen. Nur weil du eine Führungsposition innehast, bedeutet das nicht, dass dir kein einziger Patzer unterlaufen darf. Zeige dich authentisch und sprich mit deinem Team darüber.

Zeige ihm, dass niemand perfekt ist, nicht einmal du. Das wird die Grundstimmung deutlich lockern. Deinen MitarbeiterInnen wird es dann leichter fallen, über ihre eigenen Fehler zu sprechen, ohne Angst zu haben, schlecht vor dir dazustehen. Sie sehen, dass ein Fauxpas nicht wehtut und dass das offene Gespräch darüber ein Zeichen von Stärke ist.

8. Blicke deinem Team auf Augenhöhe entgegen

In vielen Unternehmen herrscht eine gewisse Distanz zwischen der Führungskraft und dem Team. Das liegt nicht unbedingt an einem schlechten Arbeitsklima, sondern vielmehr daran, dass deine MitarbeiterInnen sich dir nur von ihrer besten Seite zeigen möchten. Der Respekt, den sie dir gegenüber haben, steht ihnen möglicherweise im Weg. Das ist einerseits verständlich, andererseits aber nicht förderlich, wenn es darum geht, sich gemeinsam weiterzuentwickeln.

Also bemühe dich, ein engeres Verhältnis zu deinem Team aufzubauen und jedem einzelnen Mitglied zu zeigen, dass sich niemand verstecken muss. Egal, um was es geht, du hast immer ein offenes Ohr und zeigst Verständnis. Genau das soll dein Team verinnerlichen. Nur dann habt ihr die Möglichkeit, ganz offen über Fehler zu sprechen und daran zu arbeiten.

9. Stelle Fragen

Bei einer guten Fehlerkultur geht es nicht nur darum, über die Fehler selbst zu sprechen. Wichtig ist auch, herauszufinden, wo deren Ursprung liegt und wie es deinem Team damit ergeht. Stelle immer wieder Fragen wie:

  • Was hast du übersehen, sodass es zu diesem Fehler kam?
  • Gab es Probleme mit der Kommunikation?
  • Was hat dir dieser Fehler gezeigt?
  • Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?
  • Hast du Probleme dabei, herauszufinden, was genau der Ursprung des Problems war?
  • Wünschst du dir mehr Unterstützung und wenn ja, in welcher Form?

Nur wer Fragen stellt, kann dazulernen. Das gilt nicht nur für dein Team, sondern auch für dich. Also höre deinen MitarbeiterInnen genau zu, um deren Bedürfnisse besser zu verstehen. Denn genau dafür sind die offenen Gespräche innerhalb der Fehlerkultur da.

10. Werde nicht zum Ja-Sager

Fehler bleiben immer noch Fehler. Eine positive Fehlerkultur an den Tag zu legen, bedeutet nicht, dass nun Patzer am laufenden Band passieren dürfen. Es geht vielmehr darum, Fehler nicht grundsätzlich als etwas Negatives abzustempeln. Gehe sensibel auf jeden einzelnen ein und motiviere deine MitarbeiterInnen, die Lehre, die sie daraus ziehen, zukünftig immer vor Augen zu haben. So übt sich dein Team in Reflexion.

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Was macht eine gute Fehlerkultur aus?

Offen, transparent und schnell – diese drei Punkte sollte eine gute Fehlerkultur erfüllen. Lief etwas nicht nach Plan, wird die Angelegenheit nicht unter den Teppich gekehrt, sondern sofort kommuniziert. Offen und ehrlich sprecht ihr im Team darüber, wo genau der Fehler lag, was hätte besser laufen können und was ihr daraus lernen könnt.

Gemeinsam begebt ihr euch dann auf die Suche nach einer Lösung, wie Schäden, die dadurch eventuell verursacht wurden, möglichst gering gehalten werden können. Natürlich geht ihr auch der Ursache des Patzers auf den Grund, um es beim nächsten Mal besser machen zu können. Eine gute Fehlerkultur schließt Schuldzuweisungen vollständig aus. Es ist völlig egal, wem er unterlaufen ist. Wichtig ist nur, dass ihr hilfreiche Erkenntnisse daraus zieht, die euch in Zukunft weiterbringen.

Hat einer deiner MitarbeiterInnen einen Fehler mit voller Absicht gemacht, dann darfst du natürlich nichtsdestotrotz Konsequenzen ziehen. Eine positive Fehlerkultur ist kein Freifahrtschein, um die eigene Arbeit nicht mehr gewissenhaft zu erledigen oder dem Unternehmen sogar vorsätzlich zu schaden. Der oder die Schuldige muss dann durchaus mit negativen Folgen rechnen und sie akzeptieren.

Dein Weg zur ausgeklügelten Fehlerkultur

Eine positive Fehlerkultur ist ein unglaublich wichtiges Werkzeug, um deine MitarbeiterInnen zu ermutigen, eigene Ideen vorzubringen, zu experimentieren und damit deren Produktivität zu fördern. Konflikte, mit denen Fehler nun einmal häufig einhergehen, schaffst du im offenen Gespräch mit deinem Team aus der Welt und bahnst den Weg in Richtung Innovation und Erfolg.

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