big five persönlichkeitstest

Big Five Persönlichkeitstest: Was sagt er über dich aus?


Wer bist du wirklich? Was macht dich aus, was unterscheidet dich von anderen? Und wenn es Wege gibt, dies herauszufinden – wie kannst du aus diesem Wissen Nutzen ziehen? Hilft es dir dabei, ein besseres Leben zu leben? Persönlichkeitstests sollen uns zeigen, wo unsere Stärken und Schwächen liegen und wie wir uns weiterentwickeln können. Der Big Five Persönlichkeitstest gehört zu den am häufigsten durchgeführten Persönlichkeitstests der Gegenwart. Der Test beschreibt die Persönlichkeit anhand von fünf zentralen Merkmalen, der sogenannten OCEAN-Formel. Wie aussagekräftig ist er – und wie kann er dir helfen, dich selbst zu verwirklichen und deine Potenziale auszuschöpfen? Hier erfährst du es.

Was sind die „Big Five“?

Als Big Five bezeichnet man grundlegende Persönlichkeitsmerkmale, die bei jedem Menschen mehr oder weniger stark ausgeprägt sind. Sie stellen so etwas wie ein Grundinventar menschlicher Erlebnis- und Reaktionsweisen dar. Hier ein kurzer Überblick in Stichworten:

O – Offenheit; die Bereitschaft, sich neuen Informationen und Erfahrungen zu öffnen, Toleranz und Neugier;
C – Gewissenhaftigkeit (englisch Conscientiousness); die Tendenz, systematisch und planvoll vorzugehen, Blick fürs Detail und Ordnungsliebe, Zuverlässigkeit und Stetigkeit, Bedürfnis nach Berechenbarkeit;
E – Extraversion; die Neigung, gesellig, gesprächig und im Allgemeinen eher nach außen orientiert zu sein; das Gegenteil stellt Introversion dar – die Neigung, sich in sich selbst zurückzuziehen oder in einem relativ engen Freundes- und Bekanntenkreis zu leben.
A – Verträglichkeit (englisch Agreeableness); gute Fähigkeit im Umgang mit anderen, Freundlichkeit und Diplomatie, die Nähe anderer suchen;
N – Neurotizismus; eine Tendenz zur Ängstlichkeit, zum Grübeln und zu problemfokussiertem Denken bei erhöhter Stressanfälligkeit. Neurotizismus ist ein Faktor psychischer Instabilität; psychisch stabile Individuen haben in der Regel einen niedrigen Neurotizismus-Faktor.

Die OCEAN-Formel

Auf den ersten Blick wirken diese Merkmale willkürlich und auch ein wenig ernüchternd. Nur diese fünf Merkmale sollen einen Menschen ausmachen? Gibt es da nicht noch viel mehr Persönlichkeitseigenschaften, die berücksichtigt werden müssen? Oder kann man einen Menschen wirklich auf diese fünf Merkmale (engl. Traits) reduzieren?

Dazu muss man wissen: Die OCEAN-Formel (auch als CANOE-Formel bekannt) ist tatsächlich ein Zwischenergebnis in einem langen Prozess wissenschaftlicher Theoriebildung. Dabei fassten Forschergruppen die Vielzahl von Eigenschaften, die man unter dem Begriff „Persönlichkeit“ summieren kann, zu Gruppen ähnlicher oder verwandter Merkmale zusammen, die wiederum weiter reduziert wurden. So blieben diese fünf Merkmale als Kerninventar der Persönlichkeit übrig. Mit ihnen kann man vielleicht keine lückenlose Persönlichkeitsbeschreibung bilden. Doch sie decken einen großen Teil dessen ab, was menschliches Verhalten und Erleben ausmacht. Die fünf Traits der OCEAN-Formel umfassen nämlich mehr Eigenschaften als nur eine: Jede einzelne steht für komplexe Handlungs- und Reaktionstendenzen mit vielen Facetten.

Wie ist der Big Five Persönlichkeitstest entstanden?

Die Konzepte, die zum Big Five Persönlichkeitsmodell führten, reichen bis in die 1920er Jahre zurück. Psychologen und Forscher wie C.G. Jung oder H.J. Eysenck, G.W. Allport, R.B. Cattell und viele andere steuerten in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts Begriffe, Theorien und Modelle bei, um Persönlichkeit zu beschreiben. Nachfolgende Forscher griffen sie auf und entwickelten sie in einer bis heute andauernden Fachdiskussion weiter. Dazu wurden (und werden) zahlreiche wissenschaftliche Studien durchgeführt und veröffentlicht, wobei fünf Persönlichkeitsmerkmale im Laufe der Zeit immer mehr in den Fokus der Forschergruppen rückten.

Der Begriff „Big Five“ wurde erstmals 1981 vom amerikanischen Psychologen Lewis R. Goldberg eingeführt, um auszudrücken, dass diese fünf Merkmale allgemeine Gültigkeit für alle Menschen besitzen. Das Big Five Persönlichkeitsmodell wurde seitdem in vielen Tests und Studien erprobt und verfeinert. Dabei entwickelten psychologische Forschungsgruppen verschiedene Testverfahren, die sich in der Anzahl der Fragen und der erfassten Merkmale unterscheiden. So umfasst der NEO-PI-R-Test von Paul T. Costa und Robert R. McCrae 240 Fragen, während ihre verkürzte Testfassung NEO-FFI (NEO-Fünf-Faktoren-Inventar) mit nur 60 Fragen auskommt. Andere Fassungen wie der B5T (Big Five-Test) von L. Satow (2012) integrieren zusätzliche Fragen, um Aufschluss über starke Grundmotive zu erhalten – zum Beispiel den Wunsch nach Macht, Anerkennung oder Sicherheit. So wurde das Big Five Persönlichkeitsmodell zur Grundlage für eine Vielzahl von Testinventaren, die teilweise auf ganz unterschiedliche Fragestellungen fokussieren.

Was kann ein Big 5 Test leisten?

Ein Big Five Persönlichkeitstest bildet in seiner einfachsten Form ab, wie stark oder schwach jedes der fünf Persönlichkeitsmerkmale bei einem Probanden ausgeprägt ist. Mit seiner Hilfe lassen sich grundlegende Dimensionen menschlichen Erlebens und Verhaltens messen und mit anderen Merkmalen – zum Beispiel der Zufriedenheit im Beruf oder der Häufigkeit bestimmter Erkrankungen – in Beziehung setzen (korrelieren). Dadurch stellt der Big Five Persönlichkeitstest nicht nur eine individuelle Persönlichkeitsbeschreibung dar. Er gestattet auch Einschätzungen darüber, wie wohl sich eine bestimmte Person in spezifischen Arbeitsumfeldern fühlt oder auf welche Arten von Risikoverhalten sie achten sollte und vieles mehr.

Wichtig zu wissen: Jedes der fünf Merkmale stellt ein Kontinuum dar, bei dem die Testperson irgendwo zwischen einem hohen Wert (sehr stark ausgeprägt) oder einem niedrigen Wert (sehr schwach ausgeprägt) liegt. So kann man zum Beispiel sehr extrovertiert und verträglich, aber gleichzeitig wenig gewissenhaft sein. Oder sehr gewissenhaft, mittelmäßig extrovertiert und kaum neurotisch. Alle möglichen Kombinationen können auftreten. Sie erlauben Rückschlüsse darauf, wie sich ein Mensch unter bestimmten Bedingungen verhält, reagiert und fühlt oder wie er mit anderen Menschen auskommt.

Wie funktioniert der Big 5 Persönlichkeitstest?

Das Testergebnis kommt durch eine Selbstbeschreibung mit Hilfe standardisierter Fragebögen (Inventories oder Inventare) zustande. Beim Test können die Probanden verschiedenen Aussagen über sich selbst entweder zustimmen oder sie ablehnen. Alle Antworten zusammengenommen erlauben eine Einschätzung, wie stark jeder der fünf OCEAN-Faktoren bei der Testperson ausgeprägt ist. So kann eine Aussage zum Beispiel lauten: „Ich reise gern und lerne gern fremde Kulturen kennen.“ Diese Frage zielt auf den Faktor „Offenheit“. Eine andere Frage, die auf den Faktor „Verträglichkeit“ zielt, könnte lauten: „Ich liebe angeregte Gespräche mit anderen Menschen“. Wahlmöglichkeiten zum Ankreuzen wären dann etwa „stimmt voll und ganz“, „stimmt eher“, „stimmt eher nicht“ oder „stimmt überhaupt nicht“. Manche Tests arbeiten auch mit mehr als vier Antwortmöglichkeiten.

Jede Antwort ergibt eine bestimmte Punktzahl. Die Punktzahlen werden schließlich für jeden der fünf Faktoren addiert. Das Ergebnis zeigt für jedes OCEAN-Merkmal an, ob es beim Probanden schwach, durchschnittlich, überdurchschnittlich oder sogar stark ausgeprägt ist.

Kann man beim Persönlichkeitstest schummeln?

Natürlich ist es bei einer Selbstbeschreibung möglich, Fragen irreführend zu beantworten. Die Versuchung ist stark, eine Frage wie „Ich liebe es, meine Arbeit gewissenhaft und fehlerfrei zu erledigen“ in einem Einstellungstest mit Ja zu beantworten, auch wenn das Gegenteil der Fall ist. Wer möchte das schon vor anderen zugeben? Manche Testinventare integrieren spezielle Testfragen, um einschätzen zu können, ob ein Proband Fragen wahrheitsgemäß beantwortet oder nicht. Lassen die Antworten eine hohe Wahrscheinlichkeit für Täuschungen erkennen, ist das Testergebnis nicht sehr aussagekräftig – außer was die Täuschungsabsicht betrifft.

Man sollte sich fragen, ob es wirklich zielführend ist, sich selbst bei einem Einstellungstest unzutreffend zu beschreiben. Wenn Eigenschaften, die man für allgemein erwünscht hält, vom Probanden überbetont werden, kann das nach hinten losgehen, wenn zum Beispiel ein ganz anderes Persönlichkeitsprofil gefragt ist. Oder wenn man vortäuscht, eine gesellige, kommunikationsstarke und umgängliche Person zu sein und sich später sowohl im Team als auch im ständigen Kundenkontakt unwohl fühlt. Und auch wenn man den Big Five Test nur für sich selbst macht, möchte man doch ein zutreffendes Feedback haben. Alles andere wäre Zeitverschwendung und Selbsttäuschung.

Wo und wie wird der Big Five Test eingesetzt?

Unternehmen und Personalagenturen verwenden den Big Five Test, um Bewerberprofile zu erstellen. Außerdem dient er natürlich nach wie vor in der psychologischen Forschung dazu, unser Wissen um die Psychologie der Persönlichkeit und ihre vielfältigen Auswirkungen zu erweitern. Privatpersonen nutzen Persönlichkeitstests wie den Big Five Test, den DISG, MBTI oder Insights, um mehr über sich zu erfahren. Wo liegen meine Stärken, wo liegen meine Schwächen – und was kann ich tun, um im Leben besser voranzukommen? Wenn diese Fragen zuverlässig beantwortet werden, erleichtern Persönlichkeitstests die Karriereplanung und die persönliche Weiterentwicklung und Entfaltung. Deshalb spielen sie auch im Coaching eine große Rolle, wenn es um die Erschließung und Förderung individueller Potenziale geht.

Wie genau kann der Test mich beschreiben?

Eine Persönlichkeit ist nicht wie ein Schrank mit unterschiedlichen Fächern, wo alles geordnet und voneinander getrennt aufbewahrt wird. Die OCEAN-Faktoren sind in sich vielschichtig und auf vielfältige Weise miteinander verknüpft. Hinzu kommt, dass Menschen in unterschiedlichen Umgebungen und Situationen unterschiedliche Seiten von sich zeigen. Im privaten Familien- oder Freundeskreis ist man zwar kein komplett anderer Mensch als am Arbeitsplatz. Aber es sind doch sehr unterschiedliche Anforderungen, Beziehungen und Bedingungen, denen man dort begegnet. Wir werden also zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlichem Maße von unseren Fähigkeiten Gebrauch machen. Unserer Fähigkeit zu kommunizieren, uns mit anderen wohlzufühlen, Neues aufzunehmen, gründlich und gewissenhaft zu sein undsoweiter.

Von dieser situationsbezogenen Dynamik abgesehen versucht der Big Five Test vor allem, relativ dauerhafte Merkmale der Persönlichkeit zu erfassen. Langzeitstudien konnten zeigen, dass die Testwerte junger Menschen sich im Laufe ihres Lebens oft nur wenig veränderten. Nur für die Merkmale Offenheit und Verträglichkeit wiesen die Forscher eine Tendenz zur Steigerung nach – je älter sie werden, desto besser lernen viele Menschen, sich auf andere einzulassen.

Wie steht es mit der Persönlichkeitsentwicklung?

Auch die Wechselwirkung zwischen Vererbung und Umweltfaktoren spielt eine zentrale Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung. Forschungsgruppen konnten unter anderem in Zwillingsstudien nachweisen, dass etwa 40 bis 60 Prozent der Ausprägung der Big Five Persönlichkeitsmerkmale auf genetische Faktoren zurückgehen. Wir bekommen also grundlegende Ausrichtungen und Reaktionsmuster schon als Anlage mit auf den Lebensweg. Entwicklungspsychologen bezeichnen das als „nature and nurture“-Wechselbeziehung: Die Grundlagen unserer Persönlichkeitsmerkmale erhalten wir als biologisches Erbe (nature), sie müssen jedoch gefördert und genährt werden (nurture), um in Erscheinung zu treten und sich zu entfalten.

Gut möglich also, dass in uns Potenziale schlummern, die der Big Five Test nicht aufzeigt – einfach weil wir noch keine Gelegenheit hatten, von ihnen Gebrauch zu machen. Er kann also durchaus grundsätzliche Stärken und Schwächen abbilden. Er lässt allerdings keinerlei Aussagen darüber zu, inwieweit wir uns über diesen Rahmen hinaus entwickeln können.

Gibt es Alternativen zum Big Five Test?

Die psychologische Testlandschaft ist ungeheuer vielfältig. Längst nicht alle Testverfahren befassen sich mit der Persönlichkeit. Auch Variablen wie Intelligenz, Orientierung, Motivation, Depressivität, Unsicherheit in sozialen Kontakten und vieles mehr können inzwischen zuverlässig getestet werden. Im Bereich der Persönlichkeitstests gibt es ebenfalls noch viele andere, die oft auch kostenlos online genutzt werden können:

  • DISG (im englischen Sprachgebrauch DISC);
  • Insights Discovery;
  • Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI);
  • Gallup Strengths Finder;
  • Enneagramm;
  • Profile nach Reiss;
  • das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (BIP)
  • und viele mehr.

Die Frage ist also nicht, ob es Alternativen gibt, sondern welcher Test am besten das misst, was du über dich erfahren möchtest. Am wenigsten Sinn macht es wohl, wahllos einen Persönlichkeitstest nach dem anderen zu probieren. So sammelst du nur eine Menge Aussagen über dich selbst, die in keinem Zusammenhang miteinander stehen, bestenfalls Verwirrung stiften und dir schlimmstenfalls das Gefühl vermitteln, du seist ein chaotisches Durcheinander widersprüchlicher Impulse und Talente. Das nützt niemandem – zumal viele psychologische Tests oft erst im Gespräch mit einem kompetenten Coach oder Psychologen Potenziale und Möglichkeiten deutlich erkennen lassen.

Wenn du dich weiterentwickeln möchtest, solltest du dir dazu Zeit nehmen – auch was die psychologische Diagnostik angeht. Jeder Test misst etwas anderes oder beruht auf anderen psychologischen Modellen und Annahmen. Wenn du dich selbst besser kennenlernen möchtest, empfiehlt es sich, erst einmal eine solide Basis zu schaffen und von da aus speziellere Fragen zu klären.

Starte jetzt mit deiner individuellen Persönlichkeitsentwicklung

Der DISG-Test, den du kostenlos auf unserer Homepage durchführen kannst, gibt dir eine solche grundlegende Orientierung. Statt auf fünf Merkmale wie der Big Five Test stützt er sich auf vier – Dominanz, Initiative, Stetigkeit und Gewissenhaftigkeit. Er geht damit ähnlich vor wie der Big Five Test, definiert aber ein etwas anderes Spektrum von Persönlichkeitsmerkmalen.

Der Vorteil des DISG-Modells ist, dass es dir erlaubt, nicht nur dich selbst, sondern auch andere zuverlässig einzuschätzen – ganz einfach anhand ihrer Selbstäußerungen und Verhaltensweisen. Wenn du dich und andere mit Hilfe des DISG-Modells einzuschätzen lernst, kannst du schnell herausfinden, wo deine Stärken und Schwächen liegen, worauf du im Umgang mit anderen achten musst und wie du Menschen überzeugen kannst, indem du sie auf die richtige Weise ansprichst.

Das ist ein guter Einstieg in die Arbeit mit und an sich selbst, da er von Anfang an berücksichtigt, wie verschiedene Persönlichkeitsstile miteinander harmonieren oder wie Probleme beim Aufeinandertreffen unterschiedlicher Persönlichkeiten entstehen. So kannst du dir selbst das grundlegende Rüstzeug aneignen, um mehr über dich zu erfahren und deine Reaktionen und Verhaltensweisen bewusster zu gestalten.

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