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Eifersucht: Woher kommt dieses Gefühl und wann wird es zum Problem?

Lesezeit von 8 Minuten
Eifersucht: Woher kommt dieses Gefühl und wann wird es zum Problem?

Eifersucht ist ein Gefühl, das wir alle kennen. Da diese Emotion jedoch einen sehr schlechten Ruf besitzt, geben nur die wenigsten Menschen zu, regelmäßig eifersüchtig zu sein. Dabei könntest du eine Menge lernen, wenn du dich mit den möglichen Ursachen auseinandersetzt.

Im nachfolgenden Artikel wollen wir uns daher ausführlich mit dem Thema beschäftigen. Du erfährst, warum Eifersucht überhaupt entsteht und wo die Grenze zwischen gesunder und krankhafter Ausprägung verläuft. Außerdem wollen wir dir wertvolle Tipps mit auf den Weg geben, um destruktive Eifersuchtsgefühle aufzulösen.

Wie ist Eifersucht definiert?

Der Begriff Eifersucht leitet sich von den folgenden zwei altdeutschen Wörtern ab:

  • suht: Krankheit
  • eiver: das Bittere

Diese Ableitung kommt nicht von ungefähr: Eifersucht führt langfristig zur innerlichen Verbitterung und nimmt manchmal sogar krankhafte Züge an.

Eifersucht kann in jeder zwischenmenschlichen Beziehung auftauchen. In jungen Jahren sind wir beispielsweise eifersüchtig auf die Geschwisterkinder, die von den Eltern mehr Aufmerksamkeit bekommen. Auch Eifersucht innerhalb einer Freundschaft ist keine Seltenheit. Wenn von Eifersucht im Allgemeinen die Rede ist, so ist jedoch meistens der Konflikt innerhalb einer Paarbeziehung gemeint.

Wer eifersüchtig ist, der fühlt sich von einem nahestehenden Menschen zurückgesetzt, da dieser einer anderen Person größere Beachtung geschenkt hat als einem selbst. Dies wird meist als sehr schmerzhaft empfunden. Wir beginnen gegen diese dritte Person, die sich in die Beziehung gedrängt hat, einen Groll zu hegen. Eifersucht geht mit dem Vermissen von Zuneigung und Liebe einher.

Wie entsteht Eifersucht?

Eifersucht ist grundsätzlich eine vollkommen natürliche Emotion, die dann entsteht, wenn du um den Verlust eines vertrauten Menschen fürchtest. Mit diesem Menschen verbindest du einen Liebesanspruch. Dies ist sehr wichtig: Ohne diese innere Anspruchshaltung entsteht keine Eifersucht! Wird der Liebesanspruch vermeintlich oder tatsächlich enttäuscht, verursacht dies eine seelische Verunsicherung bzw. Verletzung.

Die Schwelle zur Eifersucht ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Während manche
bereits ein unangenehmes Magengrummeln verspüren, wenn der Partner sich zu lange mit einem attraktiven Mann / einer attraktiven Frau unterhält, werden andere erst nach einem tatsächlich stattgefundenen Seitensprung eifersüchtig.

Folgende Risikofaktoren tragen zur schnellen Entstehung von Eifersucht bei:

  • mangelndes Selbstwertgefühl
  • traumatische (Verlust-)Erlebnisse in der Vergangenheit
  • Prägungen aus der Kindheit
  • emotionale (und ggf. auch materielle) Abhängigkeit vom Partner

Die Ursache liegt meist in der Kindheit

Viele der stark eifersüchtigen Menschen haben Bindungen in ihrer Kindheit als unsicher erlebt. Sie fürchten sich auch als Erwachsene ständig davor, verlassen zu werden. Diese Angst ist so dominant, dass sie sich in Kontrollwahn und Eifersucht äußert. Leider erreichen die Betroffenen durch ihr Verhalten das genaue Gegenteil von dem, was sie bezwecken wollen: Niemand lässt sich gerne kontrollieren und einengen.

Infolge seines krankhaft eifersüchtigen Verhaltens wird der Betroffene irgendwann tatsächlich von seinem Partner verlassen, womit sich ein Teufelskreis schließt. Zurück bleibt die innere Überzeugung, nicht liebenswert zu sein und auch in einer neuen Beziehung permanent um die Liebe und Zuneigung des Partners bangen zu müssen.

eifersucht bekaempfen

Gab es Eifersucht schon immer?

Die sogenannte instinktive Eifersucht, die sich bei kleinen Kindern und sogar bei einigen Tierarten beobachten lässt, hat aus evolutionärer Sicht durchaus ihre Daseinsberechtigung: Gab es im Umkreis zu viele Konkurrenten, mit denen man sich Nahrung und Zuneigung teilen musste (z. B. bei zahlreichen Geschwistern) war in früheren Zeiten das eigene Überleben bedroht.

Die Eifersucht fungierte also als Warnsignal, um die eigenen Bedürfnisse mit Nachdruck zu vertreten. Aber auch die romantische Eifersucht ist kein neuzeitliches Phänomen. Bereits unsere Vorfahren in der Steinzeit waren eifersüchtig aufeinander. Das größte Ziel der frühen Menschen bestand darin, die eigenen Gene möglichst weit zu verteilen. Um dies zu erreichen, musste man potenzielle Nebenbuhler vertreiben.

Dies galt übrigens für beide Geschlechter gleichermaßen: Kein Steinzeitmann wollte es riskieren, jahrelang die Kinder eines anderen zu ernähren. Frauen waren damals noch auf die Versorgung durch den Mann angewiesen. Ein untreuer Gefährte bedeutete im schlimmsten Fall, gemeinsam mit dem Nachwuchs zu verhungern.

Auch wenn sich die Gegebenheiten mittlerweile zum Glück geändert haben, ist die Eifersucht noch immer tief in uns Menschen verankert. Neben den urzeitlichen Einflüssen spielen heute jedoch noch andere Faktoren wie das Umfeld, persönliche Erfahrungen und die Kultur eine Rolle.

Sind Männer oder Frauen schneller eifersüchtig?

Welches Geschlecht schneller eifersüchtig wird, lässt sich nicht eindeutig belegen. Allerdings konnten Wissenschaftler ermitteln, dass Männer und Frauen Eifersucht auf verschiedene Weise und aus verschiedenen Gründen empfinden.

So sind Frauen beispielsweise im Falle von emotionaler Untreue schneller gekränkt, während für Männer die körperliche Untreue den schlimmeren Vertrauensbruch darstellt. Frauen neigen zudem eher zur digitalen Eifersucht als Männer. In unserem modernen Zeitalter sind vor allem die sozialen Medien ein häufiger Auslöser. Ein Fall von digitaler Eifersucht läge beispielsweise dann vor, wenn der Mann ständig Bikinibilder anderer Frauen „liked“ und der Partnerin dies missfällt.

Ist Eifersucht ein Zeichen der Liebe?

Wir haben es eingangs bereits erwähnt: Ohne inneren Liebesanspruch entsteht keine Eifersucht. Diese aber im Umkehrschluss als Zeichen der Liebe zu werten, ist schwierig. Liebe basiert auf Vertrauen. Stark eifersüchtige Menschen haben Letzteres verloren: Sie vertrauen weder sich selbst noch ihren Partnern. Vielmehr geht es bei krankhafter Eifersucht um Besitzansprüche und um den Schutz des Selbstwertgefühls.

Das gänzliche Fehlen von Eifersucht innerhalb einer Beziehung ist jedoch ebenso kritisch zu beurteilen wie übertriebenes Eifersuchtsgebaren: Wenn dir vollkommen gleichgültig ist, was dein Partner macht, solltest du den Sinn der Beziehung überdenken.

Die Frage, ob Eifersucht ein Zeichen der Liebe ist, lässt sich also nur mit einer zugegebenermaßen recht unbefriedigenden Aussage beantworten: Es kommt darauf an, ob es sich um normale oder um krankhafte Ausmaße handelt. Um diesbezüglich etwas mehr Licht ins Dunkle zu bringen, wollen wir nun die Unterschiede aufgreifen.

Die Unterschiede zwischen gesunder und krankhafter Eifersucht

Psychologen differenzieren zwischen drei verschiedenen Arten der Eifersucht:

  • 1. Reaktive Eifersucht: Eifersucht aufgrund eines konkreten realen Anlasses.
  • 2. Misstrauisch-ängstliche Eifersucht: Eifersucht gepaart mit Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen ohne aktive Beeinflussung des Geschehens.
  • 3. Besitzergreifende Eifersucht: Eifersucht gepaart mit Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen, mit Beeinflussung des Partners (Kontrolle, Wutausbrüche, Kontaktverbote mit Personen des anderen Geschlechts).

Wie du dir sicherlich bereits vorstellen kannst, handelt es sich nur bei der reaktiven Eifersucht um eine gesunde Form. In diesem Fall reagierst du auf eine reale Situation, die du als bedrohlich für deine Beziehung einstufst. Ob tatsächlich eine Gefahr besteht, ist hierbei zweitrangig.

Beispiel für reaktive Eifersucht:

Dir fällt auf, dass dein Partner neuerdings ein edles Parfum trägt, mehr Sport treibt und ständig Überstunden auf der Arbeit macht. Verhält er sich dir gegenüber auch noch zurückhaltender als sonst, ist es nicht verwunderlich, dass die Alarmglocken schrillen. Eine Wesensänderung des Partners kann durchaus Anlass zur gesunden Eifersucht geben. Schließlich ist es dir nicht gleichgültig, wenn er / sie sich verändert.

Neben der Wesensänderung des Partners können natürlich auch Eindrücke oder konkrete Beobachtungen eifersüchtig machen, z. B. wenn der Partner schamlos mit anderen flirtet oder du ihn / sie sogar beim Küssen erwischst. Allerdings muss Eifersucht keineswegs mit der Befürchtung der körperlichen Untreue einhergehen. Es kann bereits sehr verletzend sein, wenn der Partner jemand anderem seine Sorgen anvertraut.

Die krankhaften Formen der Eifersucht

Ein eindeutiges Indiz, dass es sich um krankhafte Eifersucht handelt, ist das seelische Leid des eifersüchtigen Partners. Meist ist diesem durchaus bewusst, dass seine Reaktionen übertrieben sind. Dennoch fühlt derjenige sich außerstande, aus eigener Kraft etwas an seinem Verhalten zu ändern. Die Eifersucht entwickelt eine gefährliche Eigendynamik, welche die Partnerschaft massiv gefährdet.

Folgende Anzeichen bzw. Verhaltensweisen deuten auf besitzergreifende Eifersucht hin:

  • offenes Misstrauen
  • ständige Anschuldigungen
  • emotionale Überreaktion bei dem allerkleinsten Anlass
  • permanente Kontrolle (Lesen von Mails und SMS, Kontrollanrufe etc.)
  • Ausspionieren des Partners (z. B. durch die Beauftragung Dritter)
  • Einengung innerhalb der Partnerschaft
  • Verbot sozialer Kontakte durch den Partner
  • ständige Forderung nach Vertrauens- und Liebesbeweisen

Folgende Anzeichen bzw. Verhaltensweisen deuten auf misstrauisch-ängstliche Eifersucht hin:

  • Verlustangst
  • Albträume
  • Schlafstörungen und andere psychosomatische Beschwerden
  • ständige Rückversicherung beim Partner (Liebst du mich noch?)
  • klammern
  • Misstrauen
  • emotionale Erpressung des Partners
  • Flehen um Liebesbekundungen
krankhafte Eifersucht

Was sagt Eifersucht über dich aus?

Wenn du oft eifersüchtig bist, kann dies auf ein mangelndes Selbstwertgefühl hindeuten. Möglicherweise hast du in deinem Leben unsichere Bindungen erlebt. Die gute Nachricht lautet jedoch, dass du jederzeit die Chance hast, an dir zu arbeiten und somit positive Bindungserfahrungen zu sammeln.

Wichtig: Eifersüchtig zu sein bedeutet nicht, dass du ein schlechter oder nicht liebenswerter Mensch bist. Für deine Eifersucht gibt es Gründe, denen du auf die Spur kommen solltest, um etwas verändern zu können.

6 Tipps gegen Eifersucht

Wir haben einige wertvolle Tipps zusammengestellt, die dir dabei helfen können, deine Eifersucht zu überwinden.

1. Bewahre deine Eigenständigkeit innerhalb der Partnerschaft

Im Rausch der Verliebtheit fokussieren sich viele Menschen voll und ganz auf ihren neuen Partner. Zu Beginn einer Beziehung mag dies normal sein. Langfristig solltest du jedoch darauf achten, deine eigenen Hobbys und Freundschaften zu pflegen. Auch ein eigener Beruf trägt zum Erhalt des Selbstwertgefühls bei.

Je mehr du dich von deinem Partner abhängig machst, umso stärker kann die Eifersucht zuschlagen. Der Verlust des Partners würde in diesem Fall nämlich den (vermeintlichen) Verlust deiner Existenz und Identität bedeuten. Dies vermeidest du, indem du so eigenständig wie möglich bleibst.

2. Unterdrücke deine Eifersucht nicht

Unterdrückte Eifersucht entlädt sich im schlimmsten Fall in einem emotionalen Wutausbruch, was der Beziehung stark schaden kann. Statt die unangenehmen Eifersuchtsgefühle zu unterdrücken, solltest du sie wertfrei annehmen und in dich hineinhorchen: Was will die Eifersucht dir sagen? Was fehlt dir innerhalb der Beziehung? Suche mit deinem Partner aktiv ein (sachliches) Gespräch.

3. Steigere dein Selbstwertgefühl

Den Zusammenhang zwischen Eifersucht und einem niedrigen Selbstwertgefühl haben wir bereits eingehend erläutert. Jetzt geht es darum, dein Selbstwertgefühl gezielt zu stärken. Eine gute Maßnahme ist das Führen eines Tagebuchs. Notiere dir jeden Abend, was dir heute besonders gut gelungen ist. Mache dir deine persönlichen Stärken bewusst. Frage Freunde und Familie, was sie besonders an dir schätzen.

Traue dich außerdem, mal etwas Neues auszuprobieren: Was wolltest du immer schon mal machen? Ein Fallschirmsprung? Ein Buch schreiben? Neue positive Erfahrungen und Erfolgserlebnisse machen dich selbstbewusster.

4. Ablenkung

Während eines akuten Eifersuchtsanfalls ist es empfehlenswert, die angespannte Situation zu verlassen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass du im Eifer des Gefechts Dinge sagst oder machst, die du später bereust. Bereits ein kurzer Spaziergang kann dir dabei helfen, deine aufgebrachten Emotionen zu beruhigen. Ebenfalls gut geeignet sind kreative oder sportliche Betätigungen.

Ablenkung ist allerdings nicht nur im Akutfall hilfreich. Sie ist auch dann angebracht, wenn die Eifersucht leise in dir schwelt. Sobald du dich emotional beruhigt hast, kannst du das Gespräch mit deinem Partner suchen.

5. Vertrauensvorschuss

Hinterfrage, ob du aus einem konkreten Anlass eifersüchtig bist. Ist dies nicht der Fall, solltest du deinem Partner einen Vertrauensvorschuss gewähren. Glaube daran, dass ihm oder ihr etwas an eurer Beziehung liegt und er / sie sich dementsprechend verhalten wird. Es gibt keine Garantie, niemals enttäuscht zu werden. Einen anderen Menschen zu lieben birgt stets das Risiko der seelischen Verletzung. Dies musst du akzeptieren.

6. Scheue dich nicht, dir Hilfe zu suchen

Verspürst du aufgrund deiner Eifersucht einen starken Leidensdruck und / oder sind bereits Partnerschaften an deinem Verhalten zerbrochen, solltest du dich jemanden anvertrauen. Im besten Falle nimmst du die Hilfe eines erfahrenen Therapeuten in Anspruch. Dies ist keineswegs ein Zeichen von Schwäche, sondern zeugt von großer innerer Stärke.

Falls du dich (noch) keinem Therapeuten anvertrauen möchtest, solltest du zumindest mit einer Vertrauensperson aus deinem Freundes- oder Familienkreis sprechen. Ein offenes Gespräch kann seelisch sehr befreiend wirken.

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